KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 824 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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824 Baum des Geistes Wurzel schlagen kann. Der Dichter tritt zurück, das Kunstwerk zerbricht: Lehre und Legende, nicht klärender Formwille, gestalten die Geschehnisse. Ein Buch lebt in diesem Buche, so, daß seine Kapitel unmittelbare Ereignisse werden: seine Worte werden Fleisch. Seine Sätze wandeln schicksalhaft unter den Menschen. Dieses Schicksal, welches die Irrenden zu Gott hinjagt, übereilt, überstürzt Zeiten und Räume, mischt uralten Wahn mit jüngstem Erkennen, reißt die Seelen vom Tier, schlägt schwindelnde Brücken über alles Innen und Außen, über Gottes Nähe und Ferne. Furchtbarster Sturz wird plötzlich zum Fluge. Der jüngste Tag bricht an. Im Weltgericht zerbersten die Turmmauern der Kirchen, ihre mahnenden starrgereckten Finger brechen; aber die Glocken schweben noch und Hallen ihren rufenden Gesang: Auferstehung und Sieg über allen Tod . . . Gewiß, ich weiß: philosophisch könnte man noch manches sagen und fragen. Könnte den Gedanken vom „heidnischen Weg", die Lehre vom „Wachsein" ansechten — der Dichter dürfte darob unwillig werden: denn er ist auf einem Wege, dessen Ziel er ahnt. Man soll ihn diesen Weg unbeirrt gehen lassen. Keiner kann ihm helfen — auch dann nicht, wenn ihn die Kraft verlassen, wenn er mit zu schwacher Menschenhand vergebens nach den Sternen der großen Nacht greifen sollte... Immer wieder will ich dies sagen: diese „Wirklichkeit" zertrümmert sich. Neuer Ton und nie gesehene Farbe enttaucht. Ein kleiner, noch schwach gehörter Kreis horcht und blickt gespannt: so, daß seine Sinne uns Beschäftigten, uns zur Auflösung Gerufenen fast zu ferne, zu blaß aufnehmend scheinen. Aber dieser Kreis w'll offenbaren, daß wir, die Fallenden, ein Sein das unsere genannt haben, welches uns verrät. Altes Mahnen von den Psalmen her die Zeiten durchrufend, klingt neu. Alles, was Odem hat — was dann noch Odem hat — stimme in den Zauberjubel ein, der die Gespensterwelt ins Nichts hinwegbannt. Meyrink hat diesen Ring betreten. Wir dürfen ihn grüßen. OB □o Akademische und Allgemeine Nachrichten. SB □o Frankfurt, den 24. Februar. Auf Einladung des Allgemeinen Studentenausschusses der Universität Frankfurt fand am Samstag hier eine Zusammenkunft 'von studentischen Vertretern verschiedener Universitäten und studentischen Verbindungen statt. Die Versammlung hatte den Zweck, Vorschläge zu machen und Richtlinien zu geben, die den Zusammenschluß der deutschen Studentenvertretungen zu gemeinsamer Arbeit ermöglichen. Ihr näheres Ziel sah sie in der Aufforderung zur Schaffung solcher Ausschüsse der Studierenden als offizieller Vertreter studentlicher Jntereffen an allen Universitäten und Hochschulen Deutschlands. Akademischer Hilfsbund E. V., Zentrale Berlin. Fürsorge für kriegsbeschädigte Akademiker (Studenten und Altakademiker, jeder politischen Richtung und religiösen Ueberzeugung, ohne Unterschied von Berus, Stellung, Zugehörigkeit zu akademischen oder Berussverbänden. Berufsberatung, jeder Art Raterteilung, Stellenvermittlung, Bäder- und Anstaltsfürforge, Unterstützung, Studienbeihilfe. Anschriften sind persönlich zu richten: An die Geschäftsstelle des Akademischen Silfsbundes, Berlin SW. 61, Kaiserliches Patentamt, itschinerstratze 97—103. Landesverbände und Ortsausschüsse in ganz Deutschland. Auskunft über die Mitgliedschaft erteilen Zentrale und Zweigorganisationen. Bei Gesuchen ist kurz anzugeben: Art der Beschädigung, Geburtsort, zuletzt besuchte Hochschule, letzter Wohnort, etwaige Zugehörigkeit zu akademischen Verbänden. Kaiserhuldigung der Studentenschaft. Die gesamte deutsche Studentenschaft hatte sich am 24. Januar in Berlin zu einer großen nationalen Kundgebung zusammengefunden, die aus Anlaß des Aufrufs des Kaisers „An das deutsche Volk" stattfinden sollte. Ein großer Fackelzug von 1500 Teilnehmern, der sich in den Abendstunden von der Alexanderkaserne nach dem Königlichen Schloß bewegte, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Feier. Beteiligt waren 34 Berliner Korporattonen. Von auswärtigen Studentenausschüßen waren vertreten die Universitäten Göttingen, Heidelberg, Freiburg i. Br., Frankfurt a. M. und Bonn. Vor dem Schlosse machte der Zug halt und gruppierte sich vor dem Hauptportal. Der Berliner Studentenausschuß, der die Feier veranstaltet hatte, bildete die Spitze, und der Vorstand des Ausschußes nahm mit dem Universitätsbanner voran Platz. Nach Absingung der „Wacht am Rhein" trat die Kaiserin auf dem Balkon heraus und nahm, von einer vieltausendköpfigen Menge bejubelt, die Huldigung der deutschen Studentenschaft dar Der Vorsitzende des Studentenausschußes swä. pbil.Dähnhardt, hielt eine Ansprache. Darauf wurden noch verschiedene patriotische Lieder gesungen. Unterdes ging der Zug wieder nach der Alexanderkaserne zurück. Inzwischen emfing die Kaiserin im Schloß den Vorstand des Aus. schusses und dankte den einzelnen Herren, die ihr persönlich vorgestellt wurden, für die eindrucksvolle vater. ländische Feier. Sie betonte, daß sie seit jenen denkwürdigen Augusttagen von 1914 nicht mehr auf dem Balkon des Schlosses erschienen wäre. Sie bedauerte, daß der Kaiser nicht selbst anwesend war, um in eigener Person den Ausdruck der treuen Gesinnung der deutschen Studentenschaft entgegenzunehmen. Die Universitätsstudien im fünften Kriegssemester. Die immer noch steigende Beteiligung der deutschen akademischen Jugend am Kriege zeigen die neuesten Besuchsziffern der 22 Universitäten des Reichs. Während zu Beginn des Krieges 18000 Männer und 3800 Frauen tatsächlich studierten, hat sich zu Beginn des fünften Kriegshalbjahrs die Zahl der in den Hochschulstädten an w es enden Studierenden nur noch aus l265u Männer und 5621 Frauen belaufen. Von ersteren stammen etwa 1200, von letzteren etwa 200 aus dem befreundeten und neutralen Ausland, sodaß nur etwa 11400 männ> liche deutsche Universilätsstudenten verbleiben. Darunter befinden sich aber mehrere Tausend vom Kriegsdienst entlassene und beurlaubte Studierende, die Zahl der studentischen Nichtkämpser ist daher eine verschwindend