KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 821 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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821 er auch körperlich nicht schwach ist — gleichsam dazu geschaffen, Vorgesetzter und Führer zu werden. Wieviel mehr noch der Couleurstudent, der schon in der strengen Zucht der Verbindung die beste Vorschule zum Soldaten erhalten hat. Darum wird auch der Verbindungsstudent noch besser wie jeder andere im gleichen Alter und gleicher Lebenslage sich in das Militärleben fügen. Alte und junge werden ihren studentischen Lehrmeistern von einst dankbar sein, daß sie den Geist der Selbstzucht in sie gepflanzt, der jetzt manches Unangenehme überwinden läßt. Aber ganz besonders der K. C. muß eine Hauptaufgabe in der Erziehung zur Disziplin sehen. War nicht immer und immer wieder vor dem Krieg den Juden der Vorwurf der Disziplinlosigkeit gemacht worden. Hieß es nicht in den Reichstagssitzungen, als man von hoher Stelle aus zu verteidigen suchte, daß der Jude den Offiziersrock nicht tragen dürfe, er könne keine Autorität seinen Untergebenen gegenüber haben, er habe keine Disziplin! Wenn uns Juden der Krieg etwas gebracht hat, so war es nicht nur, daß wir zeigen durften, daß unser Herz gleich heiß für unser Vaterland schlägt wie das jedes anderen Deutschen, als in jeden denkwürdigen Augusttagen Tausende von jüdischen Kriegsfreiwilligen zu den zahnen eilten, wir haben auch beweisen könen, daß es uns nicht an Disziplin und Autorität fehlt. Hunderte von Juden tragen in Ehren die silbernen Achselstücke, Tausende das Kreuz. Züge und Kompagnien sind unter Führung eines Juden ins Feuer gegangen. Freudig und voll Begeisterung sind deutsche Soldaten ihren deutschen Führen» nachgestürmt. Der Beweis gegen die bösartigen Verleumdungen ist erbracht. Und dennoch! Wir wissen, sie werden trotzdem nicht schweigen. Der K. C. wird auch fernerhin die Uebung strenger Manneszucht als wesentlichen Verbindungsgedanken erhalten, und der K. C. er wird es seiner Verbindung danken. Hat sie uns doch damit die Lehre und die Kraft gegeben, die uns in schwersten Augenblicken nicht verzagen läßt. Die Zähne aufeinander, und man bleibt Sieger. Heute tritt der Verbindungsstudent hinter dem Soldaten zurück. Aber die Zeit wird kommen, da es heißt „arma cedant togae, concedat laurea laudi“ dann wird die Verbindung noch mehr als jetzt unser ganzes Interesse haben. Man darf getrost sein, daß die, die gleich von der Schulbank zur Kaserne kamen und nun schon monate- und jahrelang ihrer Soldatenpflicht gut genügt haben, wenn sie unsre Kommilitonen auf der alma mater werden, auch Studenten von bester Art und für die Verbindung wertvolle Mitglieder geben. In sie, wie in die große durch den Krieg zum Soldaten erzogene Masse, ist ja jener Geist strengster Zucht gepflanzt, der unentbehrlich ist, um ein großes Unternehmen erfolgreich zum hohen Ziel zu führen. Diese Selbstzucht des Einzelnen ist gerade so Bedingung für den siegreichen Ausgang einer Schlacht wie für den Sieg einer eine Gemeinschaft bindende Idee, wie es die unsere im K. C. ist. So gleichen sich in vielem militärische und studentische Disziplin. Sie gleichen sich auch darin, daß sie dem Soldaten wie dem Verbindungsstudenten, wenn er es recht versteht, das beglückende Gefühl der Herrschaft über sich selbst bringen. Wer aber sragt, wo bleibt dann die vielgerühmte akademische Freiheit, wenn wir dem Militär so ähnliche Gesetze haben, dem mögen zwei unsrer Dichter antworten. Unser Altmeister Goethe sagt: „Man kann in wahrer Freiheit leben Und doch nicht ungebunden sein." und wie singt doch Bürger!? „Freiheit wünschestDu Dir und klagst alltäglich und zürnest Datz Dir die Freiheit fehlt über Despotengewatt! Lern entbehren o Freund, beut Trotz dem Schmeiß und dem Tode. Und kein Gott des Olymp füllt sich freier alS Du." Di*. Anton Ree. Als sich nach der Niederwerfung Napoleons und dem Wiener Kongreß allerorten das Bestreben zeigte, die Wunden, die dre langen Kriegsjahre geschlagen hatten, zu heilen und Vorkehrungen zu schaffen, um die Wiederkehr so schwerer Leidensjahre zu verhüten, richtete man das Augenmerk nicht zum wenigsten auf die Jugend, die schon in der Schule zu den Grundsätzen allgemeiner Menschenliebe und wahrer Aufklärung angeleitet werden sollte. In diesem Geist gründeten 1815 edle jüdische Männer zu Hamburg für die armen Kinder ihrer Glaubensangehörigen die „Israelitische Freischule", der noch die besondere Aufgabe zugewiesen wurde, ihre Zöglinge in deutsche Kultur und Sitte einzufüyren und sie dadurch aus politischer und sozialer Beschränkung und Bedrückung zu erlösen. An diese Schule wurde 1838 Dr. Anton Ree berufen, dessen Lebensgang jüngst ein bewährter Lehrer dieser Anstalt, die heute den Namen „Stiftungsschule von 1815" führt, Joseph Feiner in warmherziger, von Liebe und Verehrung getragener Weise geschildert hat.*) In dem Jahre der Gründung der Anstalt, als Sohn eines reichen Hofbankiers, geboren und von einem trefflichen Hauslehrer und einer geistvollen Mutter herangebildet, widmete sich Ree nach dem Besuch des Johan- - *) Dr. Anton Ree, Ein Kämpfer für Fortschritt und Recht, von Jos. Feiner. Alfred Jansen, Hamburg 1816. Gebunden M. 3.50.