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KC-Blätter · 1917-01-01 · Heft 15 (Januar 1917) · p. Seite 820

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 820 (sequence 34)
Language
German
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820 des Gerichtsdieners steht, daß der Lehrer dem höheren Schüler gehorchen muß. So werden denn ganz besonders große Anforderungen an die Manneszucht des Einzelnen gestellt. Im Frieden waren es doch immer verhältnismäßig junge Menschen, die sich beim Militär mitunter geistig nicht gleichgestellten fügen mußten. Jetzt sind die Unterschiede des Lebensalters und der Lebensstellung viel größer. Da braucht es manchmal mehr als guten Willen, der militärischen Pflicht voll und ganz zu genügen. Wohl nirgends im Leben des Alltags treten die Forderungen der Disziplin so an den Menschen haran wie beim Militär. Der Arzt, der Anwalt, der freie Kaufmann haben es als Stolz ihres freien Berufs empfunden, niemanden als Vorgesetzten anerkennen zu miiflen, selbst über sich bestimmen zu können. Auch im Leben des Beamten gibt es militärische Härten nicht. Nur die Welt deS Studenten hat in ähnlichem Mab in dem Berbindungsleben eine Einrichtung, die gleich großes Gewicht auf straffeste Disziplin hält. Schon rein äußerlich ist vieles ähnlich wie beim Militär. Dem Leibburschen gefällt oft der Anzug, die Haltung, die Frisur deS jungen FüchSlein ebensowenig wie beim Kommiß dem Unteroffizier das Aussehen des Rekruten. Dem Fuchs müssen studentische, dem Rekruten soldatische Manieren beigebracht werden. Manche Widerrede, manchen Unwillen muß der Neuling dort wie hier runterschlucken und er muß sich bemühen nicht zu zeigen, wie bitter die ungewohnte Pille schmeckt. Das rein äußerliche Verhältnis zu den alten Herren des Bundes ist einem militärischen ähnlich. Die Verbindung macht ihren Mitgliedern ein ehrerbietiges Verhalten den älteren gegenüber zur Pflicht. Der Bierkomment gibt ja auch diesen ein Mittel in die Hand, sogar kleinste Verfehlungen zu rügen. Beschwerde erst nach Strastvollstreckung wie beim Militär! Auch die Bierdisziplin ist eine Disziplin und weil es manchmal gar nicht leicht ist, ihr voll zu genügen, hat sie um so größeren erzieherischen Wert. Noch weit bedeutsamer ist die Erziehung auf dem Couvent. Dort lernt der junge Student zur rechten Zeit zu reden und zu schweigen. Beides verlangt Selbstbeherrschung. Die offiziellen Gelegenheiten schreiben dem Couleurstudenten einen gewiffen Dienst vor, den er mit Eifer und Treue zu versehen hat, wie der Soldat den königlichen Dienst. Dieselbe Treue und ähnlichen Gehorsam leistet der Verbindungsstudent seinen Chargierten, wie der Soldat seinen Vorgesetzten. Seine Farben sind ihm so heilig wie dem Offizier der Rock des Kaisers. Um die teure Couleur niemals auch nur in den Schein eines schlechten Lichtes zu setzen, braucht es eine Selbstzucht in jeder Lage, die, durch äußerliche Momente anerzogen, dem Couleurstudenten in Fleisch und Blut übergeht. Er wird sich stets bewußt sein, daß er einer Idee dient, daß er für ein Ideal kämpft, und daß nur der ein guter Streiter für seine Sache ist, der seiner Leidenschaften Herr wird, sich als wohldisziplinierten Mann zeigt. Freiwillig hat er sich Gleichgestellten und Gleichgesinnten untergeordnet, dadurch erhält die Erziehung besonderen moralischen Wert, darum wird er auch immer wissen, was er sich und den Seinen schuldet: Vor allem Selbstbeherrschung gegen sich selbst und im Verkehr mit anderen. Auf der Mensur zeigt sie sich wohl am besten. Aug in Aug dem Gegner gegenüber, kein Zucken der Schulter, den Kopf ruhig, geistesgegenwärtig jede Blöße deS andern benutzend, muß hier Körper und Geist ganz beherrscht sein. Man steht unter den wägenden kritischen Augen von Freund und Feind und muß sich bewähren. Wirklich, im Solöatenleben des Krieges gibt es kaum Momente, in denen man sich so in der Gewalt haben muß. Im heißesten Gefecht, wenn links und rechts Granaten krachen, wenn die Kugeln nur so pfeifen, darf man schreien, und das Gebrüll des Angriffs gibt den bis zum Zerreißen gespannten Nerven eine wohltuende Entspannung. Da wird man nicht beobachtet, ja von den andern mitgerissen. Aber auch im Verkehr mit andern muß der Verbindungsstudent sich stets in der Gewalt haben. Der Süddeutsche ist mitteilsamer, froher und lauter als der vom Norden, aber auch er wird bestrebt sein, eine taktvolle Zurückhaltung und sich selbstbeherrschende ManneSwürde zu bewahren. Als Parallele im Militärleben mag man an die selbstbewußte Haltung des Soldaten dem Zivil gegenüber und an "die fast sprichwörtliche Zurückhaltung des preußischen Offiziers denken. Beim Soldaten wie beim Studenten gilt die Disziplin des Ehrgefühls als erstes und letztes. Feigheit ist bei beiden ein unmöglicher Begriff. Für ihr Ideal setzen beide Gut und Blut ein. Der Akademiker ist in der Heeresordnung fast aller Staaten zum Vorgesetzten durch besonderen Dienst und Ausbildung sowie durch erleichterte Beförderung vorherbestimmt. Dabei hat man wohl nicht nur an die sozial gehobene Lebensstellung des zum „Einjährigen Dienst" Berechtigten gedacht, sondern man glaubte wohl, annehmen zu dürfen, daß die Beschäftigung mit den Wissenschaften eine Zucht des Geistes und der Sinne zu ernstem Studium mit sich bringt. „Studium ist Balsam gegen die Leidenschaft" sagt ein talmudisches Wort. Durch den Sieg über die Leidenschaft erlangt der Gebildete die Herrschaft über sich selbst. Selbstbeherrschung aber ist der erste Schritt zur Beherrschung anderer. So ist der geistig gebildete Mann — vorausgesetzt, daß

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