KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 819 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mentioned entities
- Adonijah 1× ep/1003245
- Joab 1× ep/1005321
OCR text
819 Propheten. „Wohl, du bist Elia, ich bin Jsebel." Und am Horeb fehlt bei Kaegi die zweimalige Klage Elias „ich habe geeifert" usw. Zweimal dieselben Worte in der Bibel vor und nach der Offenbarung. Wie tiefen Einblick lassen sie in EliaS Seelenleben tun! denn beide Male ist die Stimmung, aus der heraus die Worte gesprochen sind, eine andereverzweifelnde Klage das erste Mal, resignierte und verzagte Selbstanklage das zweite Mal. Bei Kaegi nur die Offenbarung selbst. Wie kahl erscheint sie ohne die Umrahmung! Aber das Buch wimmelt von Geschmacklosigkeiten. Oder ist es nicht der Gipfel der Geschmacklosigkeit, wenn es bei dem Schmause bei AdoniaS Verschwörung heißt: „Prosit! prosit! Herr König Adonia!" oder, wenn Joab ins Jahvezelt „wischte", statt flüchtete, oder, wenn der Prophet Ahia den Jerobeam zur Empörung aufreizt und die Auszählung der Fehler der Regierung mit dem ironischen Worte schließt: „Uns kann man gratulieren." Und doch ist dieS alles noch erträglich gegenüber dem, was Kaegi aus den Propheten gemacht hat. Wollte ich hier die Fehler aufzeigen, so wäre eine eigene Broschüre dazu erforderlich. Es genügt, auf die Bearbeitung des Amos hinzuweisen. Man vergleiche den biblischen Amos mit dem Kaegis, und man wird weder die Gedanken, noch die Schönheiten des biblischen Propheten bei Kaegi wiedersinden, dafür aber manche Verkennung, manches Mißverständnis- Wichtiges tritt zurück, und Geringeres ist stark betont. Am besten scheint mir trotz zahlreicher Einwendungen im einzelnen noch das Hohe Lied wiedergegeben zu sein. Wer die Bibel kennen lernen und sie genießen will, den kann ich nicht aus Kaegis Buch verweisen. In dem Nachwort sagt Kaegi selbst, daß dies nicht die Bibel sei, aber er meint, man dürfe mit diesen poetischen, religiösen, historischen Dokumenten subjektiv willkürlich zu künstlerischem Zwecke umspringen. Ich glaube nicht, daß der künstlerische Zweck erfüllt istvon der Bibel und ihrer urwüchsigen kraftvollen Schönheit ist herzlich wenig in dem modern und schön ausgestatteten Buch übrig geblieben. Aber eine Klage und einen Wunsch noch zum Schluß. Die Bibel ist gerade im Kriege wieder hervorgeholt und eines der am meisten gelesenen Bücher geworden. Ob auch in jüdischen Kreisen? Uns fehlt noch immer eine Übersetzung unserer Bibel, die dieses wundervolle Buch wieder zu einem jüdischen Volksbuch macht und seinen Inhalt und seine Schönheit einem jeden zugänglich macht. Kaum etwas könnte bester die innere Kräftigung des Judentums fördern, die wir in der Gegenwart doppelt nötig gebrauchen, alS Kenntnis und Verständnis der Bibel. Es ist die mütterliche Erde, deren Berührung uns wieder neue Kraft gibt. Wir deutschen Juden sind gewöhnt, auch große Opfer zu bringen für Wohltätigkeit und Wohlfahrtszwecke. Hier müßten sich Mäzene finden, die ein solches Werk veranlassen und in guter Ausstattung zu billigem Preise in das Volk werfen. Dr. Vogelstein (Friburgiae-KönigSberg). Gedanke« über militärische und studentische Disziplin. stad. med. Paul Mayer «Bavariae, Friburgiae», z. Zt. Leutnant und Komp.-Führer. Kampf gegen den preußischen Militarismus! Das ist das große Schlagwort unsrer Feinde, das in so vielen Noten und Reden eine wichtige Rolle spielt. Sie geben vor, Europa dadurch von der drückenden Last einer den Weltfrieden bedrohenden verallgemeinerten Wehrpflicht zu befreien, daß sie das deutsche Heer schlagen und es nie wieder wie früher eine starke Organisation bilden lassen. Was bekämpfen aber unsre Gegner in Wahrheit? Jenen altdeutsch großen Geist strengster Disziplin, der von des großen Kurfürst und Friedrich des Großen Zeiten her bezeichnend für das Deutschtum geworden ist, jene ernste Lehre von dem Gewissen gegen sich selbst, dem moralischen Gesetz der Pflichterfüllung Immanuel Kants die oft unbewußt jeder gute Deutsche sich zu eigen gemacht hat. Der Geist dieser Lehren hat Deutschland groß werden, hat es in unaufhaltsamen Kämpfen sich eine Weltmachtstellung erringen lasten. Wenn sieDeutschland zerschmettern, glauben unsre Feinde damit auch diesen Geist zu vernichten, den sie hassen und fürchten, weil er ihnen nicht zu eigen ist. Was aber haben sie erreicht? Der Soldatenstaat, den sie zu bekämpfen vorgeben, er ist der allgemeine Zustand der europäischen Völker, ja der ganzen Welt geworden. Die Welt ist ein wogendes Kriegslager. Auch in den feindlichen Staaten mußten notgedrungen Kaserne und Exerzierplatz sehr populär werden. Recht genau haben sie uns als Vorbild benutzt, in neuester Zeit sogar die Hilfsdienstpflicht mit ihrem militärischen Einschlag nachgemacht. Den Geist, der die Deutschen von je her beseelt, haben sie nicht vernichten können, ja er ist ungeahnt gefestigt worden. Durch die drei Kriegsjahre wurden die Lebensverhältnisse so vieler ganz andere. Unzählige, die nie daran gedacht, müssen sich jetzt militärischen Gesetzen fügen und oft unter Umständen, die sich mit dem Gewohnten nur sehr schwer vereinbaren lasten. Schon findet man nichts Außergewöhnliches mehr daran, daß der Anwalt unter dem Befehl