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KC-Blätter · 1917-01-01 · Heft 15 (Januar 1917) · p. Seite 818

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 818 (sequence 32)
Language
German
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818 staben des Gesetzes, sondern auch in der Praxis der Verwaltung, insbesondere der Wirtschaftspolitik, zu sichern, daß sich die arbeitsfreudigen Kräfte des neuen polnischen Staatswesens (ebenso Galizienss zusammenfinden zu einem alle Teile der Bevölkerung unter seine Fürsorge nehmenden großzügigen sozialen Erneuerungswerk! Dann soll und kann man aber auch davon Massen, den Ostjuden in ihren Sonderangelegenheiten der Religion Sprache, Kultur Schwierigkeiten zu bereiten, und darf auch in den eigenen Reihen nicht gewaltsam der Lötung der schwierigen Verhältnisse vorgreifen. Man wird dem gesunden Kern der zu glänzenden kulturellen Aufstieg befähigten ostjüdischen Massen vertrauen dürfen, daß sie aus sich selbst heraus, das, was morsch und faul ist und eben durch die gewaltsamen Entwicklungshemmungen der Vergangenheit zu erklären ist, ausmerzen werden, und daß sich in der freien, frischen Lust ungestörter Entwicklungsmöglichkeit auch hinsichtlich der nationalen, kulturellen und sprachlichen Probleme mit sicherster Beweiskraft Herausstellen wird, was lebensfähige Wirklichkeit ist und was nur Produkt des äußeren Druckes, des Getthos ist, mit diesem werdend und vergehend. vr. David Krombach (Thuringiae) Line moderne Bibel?*) Seit Jahrtausenden ist die Bibel das urwüchsige Buch der Reliaion. Zahllose Menschen haben aus ihr religiöse Belehrung und Stärkung geschöpft. Wortgewordene Religion, das ist das Buch der Bücher, und nur als das Buch der Religion ward es betrachtet, mit heiliger Scheu von den Frommen, mit Widerwillen und Feindseligkeit von den Gegnern. Aber die Bibel ist mehr. Seit Herder uns gelehrt hat, die Bibel unter ästhetischem Gesichtspunkt zu betrachten, ist das Verständnis für die Schönheit der Bibel in Inhalt und Sprache erwacht. Das menschlich und dichterisch Große findet auch der in der Bibel, dem sie nicht der tiefste Ausdruck seines religiösen Seins ist, und der sie nicht als religiöse Urkunde bekämpft. Rein künstlerisch ist sie so gewaltig wie Homer und wie Shakespeare. Darum ist es ein dankenswertes Unternehmen, die Bibel den Menschen von heute so zu geben, daß sie den vollen künstlerischen Genuß an ihr finden. Man gibt sie dadurch vielen wieder und bereichert das geistige und kulturelle Leben. Mit lebhafter Spannung habe ich där- *) Die Bibel. Eine moderne Bearbeitung und Nachdichtung von Paul Kaegi. Band I: Israel und Juda, München. (Delphinverlag). um das Buch zur Hand genommen. Ich habe eine bittere Enttäuschung erlebt. Der gute Wille ist anzuerkennen, und es sind vereinzelte Stellen, an denen es Kaegi geglückt ist, das zu geben, was er wollte) aber im übrigen hat er nicht etwa die Bibel dem modernen Menschen näherqebracht, sondern er hat ihr ein so modernes Kostüm umgehängt, daß es fast wie ein Maskenscherz anmutet. „Wer den Dichter will verstehen, muß in Dichters Lande gehen." Wer den Dichter anderen wiedergeben will, darf ihn nicht in völlig fremdem Kolorit darstellen. Es ist ja Shakespeare in Deutschland lange ganz ähnlich ergangen. Die Uebersetzer des 18. Jahrhunderts haben ihn zugestutzt nach ihren eigenen Begriffen, daß man ihn kaum wiedererkennt. Was Gewaltiges, Lebensprühendes in ihm ist, w'ssen die Deutschen so recht erst seit Schlegel-Tieck) alles andere war nicht der echte Shakespeare. Und den Homer werden wir modernen Menschen auch nicht näher bringen, wenn wir seine Helden wie in feldgrauer Uniform erscheinen, mit Kanonen, Gewehren und Handgranaten kämpfen, in Luftschiffen oder Unterseebooten fahren lassen. So aber erscheint stellenweise Kaegis Bearbeitung. In dem kurzen Vorwort heißt es: „Rhythmus und Linie galten mir alles, exakte Zeichnung nichts. Einzelschönheiten mögen fallen, die Schönheit des Ganzen steht darüber." Ja, wenn sie doch darüber stände! Aber wie ist sie zerstört worden! Einzelschönheiten sind vielfach gefallen, wo nicht der leiseste Grund dafür war. An vielen Stellen ist die Bibel „verbessert" worden und zwar nicht etwa auf Grund wissenschaftlicher Kritik) so z. B., um Kleinigkeiten anzuführen, heißt eS bei der Heirat Isaaks bei Kaegi: „Er tröstete sich über seinen Vater", während die Bibel von der Mutter spricht) von den Brüdern Josephs ist bei Kaegi Rüben und nicht wie in der Bibel Juda derjenige, der die Verantwortung für Benjamin übernimmt. In der wundervollen Erzählung von Sauls Amalekiterkampf, die Kaegl unter der Ueberschrift „das Siegessest" bringt und mit den Bileamerzählungen schmückt — man mag die Versetzung dieser Erzählungen an diese Stelle hingehen lassen —, fehlt daS entscheidende Wort, der Schlüssel zu' der ganzen Erzählung, Sauls Bekenntnis: „Es war mein Fehler, daß ich Gottes und dein Wort übertreten habe, weil ich das Volk fürchtete und ihm darum gehorchte." Ist das nicht etwas, was gerade der moderne Mensch vollauf versteht, daß, wer auf Königshöhen gestellt ist, fallen muß, wenn er wie ein schwankes Rohr der Laune der Menge nachgibt? Lesen wir die Eliagesckichte — die kleinen Zusätze sind störend, und Wichtiges, dichterisch Schönes fehlt. Wie viel eindrucksvoller ist die biblische Erzählung als z. B. Kaegis Botschaft an den

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