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KC-Blätter · 1917-01-01 · Heft 15 (Januar 1917) · p. Seite 813

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 813 (sequence 27)
Language
German
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813 und daß sich aus jedem einzelnen ein System neuer Aufgaben ergibt, die wiederum nebeneinander,unabhängig voneinander, denBund fundieren und ihm Daseinspflicht auserlesen. Nicht also von Antisemitismus Gnaden existiert der K. C., sondern von Gnaden des neu erstarkten Judenbewußtseins und des neu erwachten Bewußtseins der Zugehörigkeit der deutschen Juden zum deutschen Volke. Aus diesen Fundamenten zu bauen, darauf an der Erziehung der deutschen Juden zu arbeiten, ist der K. C. berechtigt und verpflichtet, solange die Erziehung notwendig ist, auch wenn es morgen keinen Antisemitismus mehr gäbe. Hierin liegt die Positivität unseres Daseins, unseres Rechtes und unserer Pflicht! Mitunter hat man wohl Fragezeichen aufgerichtet: Was wird aus der Strömung des K. C., wenn die induzierende Strömung aufhört? Das ist falsch. Statt der Fragezeichen müssen Ausrusungszeichen gesetzt werden: Der K. C. wird nicht induziert vom Antisemitismus! Der hat nicht die Rolle des Jnduktionsstromes. Nicht nur aus Liebe und Treue zum alten Bunde, sondern aus Einsicht und Ueberzeugung: Der K. C. muß sein auch ohne Antisemitismus! Trotzdem und dennoch wirkt der Haß der anderen auf den K. C. mit unleugbarem Einfluß ein. Einen starken Anteil hat er sicherlich bei der Gründung des K. C. gehabt. In der weiteren Entwicklung bot er eine starre Front, gegen die unser Angriff sich richten mußte. Auch jetzt noch ist es so. Nur ist das nicht „die Arbeit des K. C", sondern „auch das ist Arbeit des K. C." Als Teil vom Ganzen fügt sich das Judengegnertum in unser Arbeitsfeld ein. Und darum spielt es eine eigne Rolle gerade im Kriege. Wie es einst den K. C. schuf, üm von ihm angegriffen zu werden, weckt es im Kriege von neuem den K. C. Gedanken im deutschen Juden, um mit ihm im Streite zu liegen. Hier im Kriege, wo der junge K. C.-er selbständig, weit ab vom unmittelbaren Wirken seiner Verbindung und seiner Aktivität, den Kampf auch mit diesem Feinde aufnimmt, ist es der Antisemitismus, der einen Teil der Arbeit des K. C. übernimmt, und zwar den Teil, den zu leisten er am ehesten und sehr wohl fähig ist. Hier im Kriege, wie einst, als er den K. C. äußerlich schuf, erweckt und rüttelt der Antisemitismus in Erkenntnis auf, was im Unterbewußtsein lebte oder schlief. Wie es das vermag, hat mancher Jude erkannt! Manches Bekenntnis wurde in Briefen dem Freunde, dem Bruder anvertraut: wie durch ein Wort, gesprochen oder verweigert, wie durch ein Tun öder ein Unterlassen, ein Angesehenwerden oder ein Nichtbeachtetwerden, kurz, wie durch das in Erscheinungtreten des Antisemitismus in allen Spielarten, das Bewußtsein des Deutschseins und des Judeseins plötzlich greifbar vor der Seele stand. Und noch weit mehr haben wir erfahren von der Arbeit und dem Wirken des Giftes. Das Schwerste! Da mag es kommen, daß Unwillen und Mißmut säuseln, daß Verbitterung und Resignation wehen, daß Vaterlandsliebe und Haß gegeneinander stürmen, daß Zweifel toben am Deutschtum, am Judentum, am eigenen Ich und an den Menschen, daß der Gequälte mit der Welt und dem Leben hadert. Was ist Wahrheit? waS ist Schein? was ist Lüge? und was ist echt? Alles das rüttelt mit ungeheuerer Wucht, und waS nicht in felsenfester Ueberzeugung wurzelt, muß stürzen! Das aber ist die Feuerprobe der K. C-Tendenz! Ein gutes möge sie haben. Der jüdische Soldat möge treu zu sich selbst sein, sich prüfen und bekennen: Fühle ich deutsch und denke ich deutsch und bin dabei Jude nach meinem Willen, ohne Zwiespalt im Herzen? Ich meine, wer einmal in solche Lage kommt, muß den Gedanken erfassen und mit sich selbst offen und ehrlich den Kampf ausfechten. Ganz auf sich selbst verlassen und angewiesen. Rücksichtslos! Dann wird Läuterung in ihm und im K. C. Geläuterte Ueberzeugung aber klingt, nach welcher Richtung auch immer, rein und echt aus der Persönlichkeit! So mag der Krieg unsere Tendenz üben und erproben! Mit den Worten eines anderen will ich schließen, der draußen war und seine Pflicht getan hat. Ein lieber Bundesbruder schrieb mir im September 1616: „Wenn dann einmal der langersehnte Frieden unserm schwergeprüften Volke vergönnt sein wird, wollen wir deutschen Juden im Sinne unseres teuren K. C. auf der Grundlage Weiterarbeiten, die wir uns mit vielem, teurem Blute geschaffen haben!" Zuden und polen. (AuS zwei Schriften zur Ostjudenftage.) „Die Judenfrage des europäischen Ostens ist ähnlich wie die russische Revolution, ein Ausdruck der Tatsache, daß die östliche Gesellschaft gerade jetzt in einer Umwälzung begriffen ist. Die Judenfrage hier gleicht den großen Verrückungen in unserem Erdkörper, mit denen er. aus seinem bisherigen Gleichgewicht gebracht, sich der neuen Lage anzupassen sucht und die sich einstweilen in den schrecklichen, Länder und Völker verheerenden

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