Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1917-01-01 · Heft 15 (Januar 1917) · p. Seite 812

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 812 (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2268830-2268902-2268905--1908-3523530
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

versetzt wurde, der es vom breiten, ausgetretenen Wege des bürgerlichen Mannesbewußtseins herausjagte, und es abdrängte in den des Judenbewußtseins. „Bin ich denn ein anderer, als die hier mit mir kämpfen um den deutschen Frieden? Bin ich denn Jude und nicht auch ein deutscher Bürger wie die andern? Nicht das, weil ich Jude bin?" Solche Gedanken waren Weckrufe, Heroldsrufe. Denn denen es so ergangen ist, denen ist das Bewußtsein, Jude zu sein, lebendiger geworden als bisher. Aus Juden sind bewußtere Juden geworden- und wenn dann, dank ihres Tuns und Handelns, die Anerkennung kam, — die ja so oft beim besten Willen nicht versagt werden konnte, — da wurde dann auch aus diesen bewußten Juden selbstbewußte Juden, wie der K. C. es will. Vielen jüdischen Studenten ist es so ergangen und manchem jungen K. C.-er. So können wir auch wohl darin annehmen, daß der Krieg guten Fuchsenunterricht erteilt, manchmal vielleicht gar strenger, intensiver, lebendiger und durchdringender als die besten Fuchsenstunden und die Aktivität in Friedenszeiten. Darum sind auch m. E. die Kriegsreptionen der jungen Füchse, selbst wenn sie noch garnicht am Ort ihrer Verbindung geweilt haben, begründet und berechtigt. Die draußen waren, haben die Renoneenzeit hinter sich! Der Krieg hat sie die K. C.-Tendenz gelehrt. — Des Krieges Lehre ist des Krieges Uebung. Während er den einen Tendenz lehrt, übt er sie auch dem andern? dann wären unsere Ausführungen zu Ende. Sie sind es jedoch noch nicht. Wohl ist im großen und ganzen die Art, wie der Krieg die Tendenz des K. C. lehrt und wie er sie übt, analog und dieselbe. Jedoch ... Oben wurde gesagt, die Intelligenz soll sehen; und sie sieht auch. Aber manches trübt den Blick, vieles sät Mißmut. Nicht jeder der Unsern leidet unter dem Antisemitismus. Vielleicht die Mehrzahl nicht. Gott sei Dank. Ein Bbr. schreibt: . . Nie hörte ich ein Wort von Antisemitismus. Sogar Worte der Anerkennung-wurden laut, wie: „Du machst deiner Religion alle Ehre." Daß in unserer Kompagnie kein Antisemitismus war und daß die Pflichterfüllung eines Juden — (was der Schreiber vorher schildert, war mehr von ihm als Pflichterfüllunges war eine Heldentat! der Verf.) — anerkannt wurde, das hat mir wohler getan als die äußere Anerkennung, das E. K. II... Aber viele sind es, die da leiden. Ich erhielt auch von solchen Briefe. Und vieles Bittere wurde mir erzählt. An dieser Stelle mag auch noch einmal hingewiesen sein aus den Erlaß des Kriegsministeriums betr. die Zählung der Juden im Heere vom 11. X. 1916 und auf die Rede unseres l. Kbr's, des Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Haas, die dieser zu dem Erlaß in der Reichstagssitzung vom 3. XI. 1316 hielt. Es ist ein großes Konzert von antisemitischen Vorkommnissen beim Militär. Da ist Unkraut gesäet worden zwischen dem goldenen Korn der Persönlichkeit; da wuchern Verbitterung und Zweifel; Zweifel am eigenen Deutschtum, am eigenen Judentum, am eigenen Ich und an den Menschen. So schlimm kann der Antisemitismus wohl wirken- und darum ist einiges über seine Bedeutung und Beziehung zur Tendenz des K. C. zu sagen. Gegen unseres Verbandes erklären den Antisemitismus als eine eonäitlo sine qua non sür das Dasein des K. C., der von ihm allein gezeugt, genährt und am Leben erhalten werde. Männer unsrer Gesinnung haben nicht versäumt, die Behauptung dieser Art von Kausalität und somit die Beziehungen zwischen Antisemitismus und K. C.-Tendenz zu prüfen. Da ergibt sich aus vernünftiger Betrachtung ein anderes als aus der rein polemischen unserer Gegner. Wenn geprüft wird, muß richtig geprüft werden! Verlangten das nicht alle Juden bei jenem Erlaß des Kriegsministeriums betr. die Zählung der Juden im Heere? Also verlangen auch wir dasselbe bei der Untersuchung von Inhalt und Wesen unserer Tendenz! Wohl mag einst der Antisemitismus mit die Anregung zum Zusammenschluß Gleichgesinnter zum K. C. gegeben haben. Als der jedoch geschaffen war, tvaren weit mehr Aufgaben zu Tage getreten, als nur der Kampf gegen das, was äußerlich das Band geknüpft hatte. Alle Wünsche und Idealen, die in den Herzen der Einzelnen in Luftschlössern gewohnt hatten, selbstbewußtes Judentumeinergleich berechtigten deutschen Judenheit, wurden feste Begriffe und Ziele, die zu erstreben neue, ernste, frohe Arbeit einer Gemeinschaft, des K. C. wurde. Es liegt nicht im Rahmen dieses Aufsatzes, alle die Inhalte der Arbeit der Zwecke und Ziele zu entwickeln und zu sondieren, die die bedeutenden innerjüdischen positiven Aufgaben des K. C. ausmachen. Es soll nur gesagt sein, daß jedes einzelne Thema unseres Tendenzparagraphen völlig selbständig fundiert ist, daß die Vorwürfe: Kampf gegen den Antisemitismus, Erziehung der Mitglieder zu selbstbewußten Juden, das Bereitmachen und Jnstandsetzen derselben, sür die erschöpfende Gleichberechtigung einzutreten, nicht aufeinander,sondernnebeneinanderstehendeGrundsteine bilden, auf denen sich der Bau erhebtdatz jedes einzelne Fundament an sich stark genug wäre, den K. C. zu halten und zu erhalten,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.