Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1917-01-01 · Heft 15 (Januar 1917) · p. Seite 810

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 810 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2268830-2268902-2268905--1906-3523528
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

810 sie aufdemBoden deutsch-vaterländischer Gesinnung stehen, sie lernen es vegreifen, und schließlich ist es ihnen bewußte Selbstverständlichkeit, was ihnen bisher unbewußte Selbstverständlichkeit war, daß sie tatsächlich ihrem ganzen Wesen nach deutsch-vaterländisch gesinnt sind. Eine andere Stunde lehrt sie die Waffen und deren Gebrauch im Kampf gegen den Antisemitismus: Wenn dir dies und das begegnet, hast du dies und das zu tun und hast es so oder so zu tun. Dies und jenes hast du zu unterlassen,' so und so hast du zu reden, so zu handeln. Der Tendenzfuchsmajor macht sie mit der jüdischen Geschichte, mit den Richtungen im Judentum, mit seinen Problemen vertraut. Die Aktivität macht aus den Juden bewußte Juden, oder aus den bewußten Juden selbstbewußte Juden. Schließlich sind sie alle selbstbewußte Juden geworden. Ihr Judentum ist aufgerichtet worden, wo es darniederzuliegen schienwie ein Rosenstock, der im Winter gebeugt und begraben ist, im Sommer aufgerichtet, gesäubert, gepflegt wird, daß er wieder lebendig grünt und blüht, und Rosen und Dornen trägt. Das war Arbeit der Tendenzfuchsmajore, der K.C.-B1ätter und der Bundesbrüder selbst. Aus dem ersten und diesem ergab sich der Kern: das Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterlande unlöslich verbundenen Volksteil bilden. Vorträge und Diskussionen, Bücher und Studium, Denken und Empfinden erweckten es in dem jungen Studenten. Das Leben lehrte es ihn. Theorie und Praxis, eng ineinander verwoben, überzeugten chn. Und alle die Arbeit, theoretische und praktische, zu dem Zweck und Ziel, ihn bereit zu machen und in den Stand zu setzen, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten- und weiter hinaus: ihn zu einem guten deutschen Juden zu erziehen. Wieweit der K. C. bis zu diesem seinem Ziele ist, wissen wir. Er ist am Anfang und am Ende; er steht noch am Ausgangspunkte und ist am Ziel. Das bedeutet: Solange der K. C. besteht, ist er am Anfang und Ausgangspunkt für jedes neue Mitglied, das er in sich aufnimmt. Wer aber K. C.-er geworden ist mit Leib und Seele, der hat das Ziel erreicht. Der geht, das nächste zu erkämpfen. — 1014 kam der Krieg und sog die Hochschulen aus. Auch die Hochschule K. C. Ganz wenige blieben zurück, denn die Musterungen hemmten den Drang. (Auch der Verfasser blieb Zivilist. Wenn aber das folgende nicht alles aus eignem Erleben geschrieben ist, ist es doch aus dem Erleben der Freunde und Verbandsbrüder. Der Geist ihres Tuns und Denkens spricht aus ihren Worten und Briefen.) Freiwillig oder der Pflicht genügend zogen auch die K. E.-er ins Feld. Junge und alte. Die, die es werden wollten, die auf dem Wege waren und die, die es geworden waren. Im Hinblick auf die jüngsten vor allem ist die erste Frage des Themas gestelltim Hinblick auf die älteren die zweite. Oder besser, da ich gleich Voraussagen will, daß der Krieg ein guter Tendenzlehrer war, daß also auch die jüngsten wohl im Kriege gute K. C.-er geworden sind, soll das Thema im Hinblick auf alle K. C.-er lauten: Wie hat der Krieg die K. C.-Tendenz gelehrt? Und wie übt er sie nun? Oben schilderte ich, wie im Frieden Tendenz gelehrt wurde. Um zu erörtern, wie der Krieg sie lehrt, muß auch hier jeder Satz des Tendenzparagraphen einzeln behandelt werden. Da erübrigt es sich, zum ersten viele Worte zu machen. Die Augusttage von 1914 stellten mit einem allmächtigen Hauch jeden deutschen Staatsbürger auf den Boden deutsch-vaterländischer Gesinnung. Ob einer Geschichtskenntnisse hatte, oder nicht, ob einer gebildet war oder nichtwelcher Gesellschaftsklasse einer angehörte, kam nicht in irgendwelchen Betracht, ebensowenig die politische Partei. Jeder einzelne verspürte sein Deutschtum im Innersten, jeder einzelne erlebt es. Auch die deutschen Juden, die jüdischen Studenten, die K. C.-er: das war beste Fuchsenstunde. Ganze Arbeit mit einem Schlage. Da erlebten wir deutsche Geschichte. Die deutschen Juden erlebten deutsche Geschichte und erleben sie bis heute. Was eineraber erlebt, das ist sein Eigen. Und so verknüpft sich die Geschichte der heutigen deutschen Juden mit der Geschichte des deutschen Volkes und des deutschen Reiches. Gemeinsames Erleben schmiedet Gemeinschaft. Unlösliche. Gemeinsam auch erleben sie den Kampf; gemeinsam kämpfen sie. „Aus unserer Feldpost-Briefmappe" ist zu ersehen, wie sie kämpfen. Da schreibt einer, wie er mit Hurra und seinen paar Leuten gegen den an Zahl überlegenen Feind angerannt ist. Ein anderer, wie er mit acht tapferen Kameraden ein Dörfchen gehalten hat gegen den feindlichen Ansturm. Durch zu schnelles Vorgehen waren sie in die schlimme Lage gekommen und wollten nicht zurück, obgleich ein Zurückgehen taktisch besser und leicht möglich war. Sie hielten aus, bis Verstärkung kam. „Gott schütze unser geliebtes Vaterland!", schließt mancher Brief. Und wie viele Berichte von Heldentaten unserer lieben Verbandsbrüder sind uns zu Ohren und zu Händen gekommen, ohne in der Feldpost-Briefmappe veröffentlicht zu sein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.