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KC-Blätter · 1917-01-01 · Heft 15 (Januar 1917) · p. Seite 809

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 809 (sequence 23)
Language
German
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809 ben. Die Liebe zu den Menschen ist auch nicht das allein Maßgebende. Wir lieben das Land, in dem wir ausgewachsen sind, den Boden, in dem die Gebeine unserer Toten seit Jahrhunderten schlummern, wir lieben die Kultur, in der wir groß geworden sind. Die Lrebe zum deutschen Land, zum deutschen Heimatboden, zur deutschen Kultur, sie begründet unser Deutschtum. Die Zionisten lieben Palästina und betrachten das Land als ihre Heimat, aus dem man die Juden einstens vertrieben und in dem man sie auch heute noch nicht allzugerne sieht. Wenn wir aber von unserer Liebe zum deutschen Heimatland sprechen, so nennen sie das Ausdringlichkeit. Nun sagt aber auch Buber: „Wir sehen die uns wesensverschiedene, aber nicht wesenssremde, die vertraute Wirklichkeit und gestehen, daß wir sie lieben: Die Sprache, die unS zum Denken, die Landschasr, die uns zum Schauen erzog, die schassende Tiese eines großen Volkstums, der wir für beglückendes Geschenk zu danken haben." Aber all das betrachtet Buber, der Kulturzionist, nicht als sein eigen. Aus seiner jüdischen Seele heraus schaut er die Umgebung, die ihm wesensverschieden bleiben muß. Wir aber sehen aü das, was hier um uns ist, als unser eigen an. Auch wir haben eine jüdische Seele. Sie ist aber deutsch zugleich. Deutschtum und Judentum haben sich in unserer Seele zu einer organischen Einheit, — Deutschtum und Judentum haben sich in unS zur Einheit deS Bewußtsetns verschmolzen. Und doch sind auch wir unterwegs. Nicht im Buberschen Sinnedenn Buber hat sein Wort im ersten Aussatz, auch wenn er es später umzudeuten sich bemüht, wie aus dem Zusammenhang erhellt, nur so ausfassen wollen: das Sehnen der Juden wird sich erst in Palästma vollenden. Nicht aber nach Palästina richtet sich unser Sehnen. So endlich ist unser Streben nicht. Unser Ziel ist die Menschheit. Zu ihr wollen wir das Judentum sortbilden. Das ist die Messiasidee. Man hat wohl gesagt: Unser Judentum — und dabei dachte man ganz besonders an den K.C. — sei ein Judentum von Gnaden deS Antisemitismus. Diese Behauptung ist ja eigentlich zu töricht, als daß man länger bei ihr verweilen dürfte. Aber sie taucht oft auf, und sie wird sogar geglaubt! Deshalb muß es von unserer Seite mit aller Klarheit ausgesprochen werden: Unser Verhältnis zum Judentum wird durch den Amisemitismus nicht berührt. Das Judentum ist uns etwas so Tiesinnerliches, Tiefseelisches, daß äußere Verhältnisse es nicht im geringsten beeinflussen können. Wir sind Kämpfer des Judentums, aver wenn der Kampf gegen die äußeren Widersacher einmal beendigt sein sollte, so ist damit keineswegs unser Judentum erledigt. Wäre das der Fall, so wäre uns das Judentum ja nur ein uns zufällig anhaftendes Beiwerk, das wir abwersen können, wenn wir den weiteren Besitz für nutzlos hielten. Uns aber kann daS Judentum nicht verloren gehen, denn es ist unlöslich mit unserem Menschtum verbunden. Es ist uns Religion, aber eine Religion, die sich nicht in Formeln erschöpft, sondern hie als die höchste Vervollkommnung der ethischen Idee Besitz genommen hat von allen Fasern unseres Seins. So wollen und müssen wir in unserem Judentum fortleben und es hinaufentwickeln zur Höhe wahrster Menschheitsidee. Das ist der Wille unserer Jugend. Hat dieser Wille vielleicht etwas gemein mit nüchternen Verträgen? Mir scheint, hier liegt viel mehr Verwirklichung als in der Gesinnung derer, die suchen, durch Sophismen das Verhältnis zwischen Judentum und Deutschtum zu erläutern. Wir hören keinen Mißklang. Die Verschmelzung zwischen Deutschtum und Judentum, durch die weder das eine noch das andere vernichtet wird, das ist die Verwirklichung. Wir lieben unser Deutschtum, und heilig ist uns das Judentum. Deutsche Heimat, wir lassen dich nicht! In dir wurzelnd streben wir hinaus im Glauben unserer Väter zur reinsten, menschheiterlchenden Wahrheit. Es glüht der Morgen einer anderen Zeit. Wir Jungen grüßen sie. Wir hoffen auf sie. Es ist unsere Zeit. In unserem Willen wird das leuchtende Frührot zur strahlenden Sonne werden. Dann wird allen unser Ziel sich zeigen, und alle werden zu ihm emporsteigen. Vielleicht finden wir auf diesem Wege auch die Einheit des Judentums. Wie lehrt der Urieg die Tendenz desU.C.? wie M er sie? - Die Probe! Walter Moritz Lewinsohn, Saxo-Bavariae, K. C.-Stamrnüsch-Frankfurt a. Dt. Friedenszeiten! Mit mehr oder weniger Bewußtsein dessen, was es heißt: — ,,K. C.-er sein" — kommen die jungen Füchse in die Tendenzstunden. Ihr Denken wird auf das Leitmotiv ihrer Aktivität, auf den Tendenzparagraphen,konzentriert. DieKenntnisse der deutschen Geschichte, die sie von der Schule mitbringen, werden aufgefrischtaus dem toten Wissen ums Deutschtum wird lebendiges Bewußtsein, gefördert durch vaterländische Lieder, die mit Begeisterung bei der Kneipe und zu gegebenen Gelegenheiten gesungen werden, durch deutsche Erziehung zu deutschem Charakter, zur Treue, zur Pflicht, zur Mannhaftigkeit, durch Pflege deutschen Geisteslebens. Sie lernen wörtlich, daß

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