KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 798 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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798 derlei läppische Kinofilms zum Teil von Anden ausgeführt, von jüdischen Unternehmern verbreitet und werden von der gedankenlosen Mischen Zuhörerschaft belacht. Hier ist nur Selbsthilfe, Protest einer geschmackvolleren jüdischen Bevölkerung am Platze. - Der Redner berichtet dann über die Entwicklung der Zeitschrift, über die Begründung einer den Blättern zustehenden Korrespondenz, über die dem Jugendbund gewidmete Aufmerksamkeit des Vereins, wie über das Interesse, das allen Mischen Organisationen ständig gewidmet wird. * ' Der Berichterstatter schließt mit der Bitte an die Delegierten um rege Teilnahme an den Arbeiten des Vorstandes. „Nur wenn wir von Ihnen ständige Anregungen empfangen und in dauerndem Zusammenhänge mit den Ortsgruppen bleiben, können wir Ersprießliches leisten. Mehr als je heißt es, alle Mann an Deck, zum Kampfe nach dem Frieden!" (Beifall.) lieber die Berufsberatung erstattet nunmehr Herr Rechtsanwalt Dr. Baum einen ausführlichen und fesselnden Bericht. Die neugeschaffene und bei aller Wahrung ihrer Selbständigkeit seit einem halben Jahre dem Zentralverein deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens angegliederte Hauptstelle für Berufsberatung der Juden widmet alle Kräfte der Durchforschung ihres Gebietes, der Herbeischaffung alles authentischen Auskunftsmaterials und hat auch bereits praktische Betätigung geübt, soweit dies jetzt erfolgen kann. Auch eine Abteilung für Frauenberufe unter Mitwirkung des Sen Frauenbundes ist eingerichtet. Die BerufSlg wendet ihre besondere Aufmerksamkeit einer gerechteren Berteilung der Juden in Stadt und Land, einer zweckmäßigeren Einreihung der Juden in bisher vernachläffigte Berufe zu, um so der Stärkung der Mittelstandsexistenz zu dienen und der um fich greifenden Ehelostgkeit zu begegnen. Nach dem Kriege, wird die Menschenökonomie unser oberstes Gebiet sein; es wird gelten, jede Kraft an den Platz zu stellen, wo sie der Gesamtheit am besten dienen und sich am nützlichsten betätigen kann. Die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten bleibt interkonfessionell. Die Berufsberatung für die Mische Jugend wird sich den Uebergang zu mehr körperlicher Tätigkeit angelegen sein lassen, wird für neue Betätigungsgebiete sorgen zur Verwendung der Kräfte, die durch Monopolisierung ausgeschaltet sind, wie etwa im Biehhandel und wohl auch im Getreidehandel. Ein Preisausschreiben für Arbeiten auf diesem Gebiete soll erlaffen werden. Jetzt schon ist man darin einig, die Mische Jugend von der Jurisprudenz, der Medizin, dem kaufmännischen Beruf mehr zur Technik, zum Bau- und Jngenieurfach, Zahntechnik usw. zu lenken. Die BerufsberaMng soll möglichst früh, schon etwa gegen Abschluß der Schulzeit, einsetzen. Der ländlichen Ansiedlung wird alle Aufmerksamkeit zugewendet und auch auf die Verwendung der Frau in Landwirtschaft und GärMerei wird Bedacht genommen. Ein Lehrgut größeren Umfangs soll in der Nähe von Berlin zur Heranbildung jüdischer Ackerbauer und Gärtner erworben und entsprechend ausgestattet werden. Für die Verwendung der Juden in den mittleren Beamtenberufen ist ausgiebig Gelegenheit vorhanden. Redner macht in dieser Richtung manche wertvollen Mitteilungen, die insofern von Wichttgkeit sind, als nach dem Kriege die Monopolisierung mancher bisher freien Berufe zu erwarten steht. Für gesetzestreue Juden wird bei der Wahl der Berufe auf die Möglichkeit der Sabbatheiligung gebührend Rücksicht genommen werden. Das auf einer Fülle wertvoller Studienergebniffe aufgebaute Referat wird mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Die Resolution: „Die Hauptstelle für Berufsberatung der Juden möge bei ihren Einrichtungen die Obhut des Sabbats durch Verteilung von Werktagsarbett für diejenigen zu ermöglichen suchen, denen die überlieferten Sabbatgesetze unverletzliches Heiligtum sind" wird einstimmig angenommen. Punkt 5 der Tagesordnung: Vorstandswahl. Bon den 19 ausscheidenden Vorstandsmitgliedern wurden 18 wiedergewählt. An Stelle des durch Arbeitslast verhinderten Herrn Rechtsanwalts Nathansohn- Dresden wird Herr Kaufmann Leopold Eger-Chemnitz gewählt. Herr Richard Cassel erstattet den Revisionsbericht, wonach er die Kaffe geprüft und in Ordnung befunden hat. Gegen 5 Uhr schließt Herr Juftizrat Horwitz mit bestem Dank an die Delegierten die Tagung. Er weist darauf hin, daß wir alle unter dem Eindruck des Abbruchs der diplomattschen Beziehungen Amerikas zu Deutschland stünden. Dies könne uns nur veranlaffen, nun noch mehr als bisher zusammenzuscharen in Einigkeit und Vertrauen auf unsere Heeresleitung. Herr Direkwr Baruch-Herford bringt darauf auf den Letter der Versammlung, Herrn Justizrat vr. Horwitz, ein dreimaliges Hoch aus, in das die Versammlung begeistert einsttmmt. ftas unserer geldpost-vriefmappe. Z.F. 38. 13. 1916. Lieber Mainzer! Am 1. Weihnachtslage kam ein Telegramm vom großen Hauptquartter West, wir seien nach L. in Marsch zu setzen. Am gleichen Nachmittage, IM Uhr. Vormittags besuchte mich Bbr. Zucker, dem ich vorher ein Brieflein geschrieben. Da konnte ich ihm gleich zum Roß herauf — es war sein Feiertagsritt — die erneute Versetzung miüeilen. Hier warten wir nun abermals auf Rekruten und zwar mit noch 7 anderen Untffz. und einem Bw. aus dem Osten. — Ich war mit unserem Korps zweimal an der Somme. Mein 1. Bruder mußte dort als junger Offz.-Stellv. am 17. Oktober im Abschnitt S. den Heldenwd sterben. Ich habe bei den K. C.- Blätter-Spenden seiner gedacht, und denke, daß er dadurch bekannt wird. Fast keiner Familie unseres schwer geprüften Vaterlandes scheint es erspart zu bleiben, daß sie ihr Liebstes opfern mutz.H Sonst weiß-ich nichts zu berichten. Laß Du auch mal von Dir hören. Glückliches Neujahr und baldigen Frieden wünscht uns allen Dein tr. Bb. und Kb. Erich Auerbach (Sprev. und Biadr.) 1V. 9. 1916. Mein lieber Junge! Bor allem die erfreuliche Tatsache, daß ich als erster in der ganzen Batterie das Eiserne Kreuz II. Klaffe bekommen. Letzteres bist Du vielleicht so freundlich, den K. C.- Blättern bei Gelegenheit mttzuteilen. Ich kann es jedenfalls jetzt nicht tun, einmal weil ich die Adreffe nicht habe, und dann weil ich Post von 4 Wochen zu beantworten habe. Wir sind in einer neuen Stellung in der Nähe des Dorfes Th ... , sozusagen Sommerfrische. Ms Illustration ein kleines Bild. Am letzten Tage schaffen wir — nur noch 3 Geschütze, das 4. hatte Volltreffer — 1500 Schuß und bekamen ebensoviel auch in die Batterie. Wir haben im ganzen vor B. 3 Offz. und 18 Mann an Toten und Verwundeten, wobei wir noch riesigen Dusel hatten. Ich bin als K 3 ausgerückt und in dieser Stellung verblieben. Manches Mal mußte man aber Nerven von Stahl haben. Am letzten Tage krepierte 1V, Meter neben mir eine Granate 15 cm, überschüttete mich mit Steinen, ohne jedoch irgend wie