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KC-Blätter · 1917-01-01 · Heft 15 (Januar 1917) · p. Seite 797

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 797 (sequence 11)
Language
German
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797 im Felde. Man dürfe sich nicht abdrängen lassen vom Anteil am Baterlande. Dazu gehöre Vertrauen auf Gott, auf die Gerechtigkeit, auf die Führer des deutschen Vaterlandes und Führer der deutschen Judenheit. Geheimrat Cassel erhält das Schlußwort. Er spricht seine Befriedigung darüber aus, daß die Diskussion in einer Form gehalten war, die den vaterländischen Interessen und der Würde des deutschen Juden entspricht. Er schließt mit einem packenden Appell an die Vaterlandsliebe und mit dem Ausdruck der zuversichtlichen Hoffnung auf den glorreichen Sieg der deutschen Sache. Bon der Abfassung und Annahme einer Resolution nahm die Versammlung Abstand. Die Empfindung war allgemein, daß die so gehaltvollen wie eindrucksvollen Reden eine einheitliche Stimmung des Vertrauens in die Wachsamkeit der Tätigkeit des Zentralvereins bekundet und hervorgerufen haben. Zu Punkt 2 der Tagesordrung: Aufgaben des Zentralvereins in und nach dem Kriege, nimmt als Berichterstatter Herr Rabbiner vr. Goldmann- Opveln das Wort. Die Aufgaben des Zentralvereins werden nach dem Kriege groß und verantwortungsvoll sein. ES wird vor allem geboten sein, die Organisation straffer zu gestalten und die Disziplin zu stärken, ohne die eine demokratische Bereinigung nicht fruchtbar wirken und sich entwickeln kann. Bon leeren Demonstrationen gilt eS abzustehen und fruchtbare Arbeiten zu leisten. Die nächsten Aufgaben werden der erzieherischen Arbeit gelten. Ueber die Rolle des Judentums im deutschen Volkstum ist die Oeffentlichkeit vielfach irregeführt und jedenfalls nicht im klaren, oa eine regsame Werbetätigkeit der nationalistischen Grupve verwirrend wirkt und die Ideale von 95 % der Judenheit nicht erkennbar genug hervortreten. Die neugegründete Korrespondenz wird diesem Uebelstande abzuhelfen suchen. Neben den jüdischen Vereinen, die bisher bestehen, den orthodoxen, liberalen, zionsstischen und neutralen Vereinen, treten jetzt die Jugendvereine stärker hervor. Unsere Aufgabe wird es fein, der Jugendbewegung ihre Zerrissenheit zu nehmen, sie für Ehre und BaterlandÄiebe zu gewinnen, die uns gleich bedeutendes mit der Liebe zum Judentum ist. Wer die Jugend hat, hat die Zukunft. DaS ist eine alte und triviale Erkenntnis, aber auch Trivialität ist Wahrheit. Redner kennzeichnet die manigfachen Gruppen der Jugendvereinigungen, die Turner-, Wanderorganisationen und verweilt besonders bet den akademischen Bereiuen. Die akademische Jugend wird von zionistischer Seite mit übergroßem Eifer bearbeitet. Der Zentralverein müßte ihr ebenfalls in höherem Grade feine Aufmerksamkeit zuwenden. Dem übertriebenen Optimismus, mit dem wir im Kriegsbeginn das Ende des Antisemitismus begrüßen zu können glaubten, ist die unausbleibliche Enttäuschung gefolgt. Aber wir dürfen auch den Pessimismus nicht übertreiben. Er würde auf der einen Seite den Abfall verstärken und auf der andern den Radikalismus fördern, der unS vom Vaterlande loslösen will. Bei Men Verschiedenheiten in der Taktik müssen wir einig sein in dem Entschlüsse, auf der Wacht zu stehen und den alten jüdischen Optimismus aufrechtzuerhallen, verbunden mit dem tatkräftigen Willen zur Bekämpfung aller Angriffe auf unsere Gleichberechtigung, wie auf unsere Zugehörigkeit mit dem Deutschtum. Dem Mehr an Judenhaß müssen wir ein Mehr an Organisation entaegenstellen, denn die Zukunft des ganzen deutschen Judentums liegt auf den Schultern des ZentralveremS. Er muß ein Verein bleiben und darf nicht zur Partei werden. Was gegen den Zentralverein geschieht, geschieht gegen die Zukunft des deutschen Judentums, eine Zukunft, die eS sich ^.selbst zuKschaffen hat, durch eigene Geh. Justizrat Fuchs als zweiter L,_a spricht von der Entwicklung, die zur Verschmeiß Judentum und Deutschtum geführt hat. Wenn der $ „ in seinem Beginn eine übertriebene HoffnungSsreudtgkeit erweckt hat, so darf die Enttäuschung die nicht auSbleiben konnte, keine übertriebene Verstimmung Hervorrufen. Wenn wir erst himmelhochstmchzend daSEnde des Antisemitismus begrüßten, so dWen wir nicht zu Tode betrübt fein durch fein Fortbesnchen. Wenn bei den unteren Organen die judenfeindlich« Tendenz noch fortbesteht, so ist dafür die Regierung vorurteilsloser geworden. Man mußte da erkennen, daß Deutschland sich den LuxuS des Antisemitismus und deS AntiklerikaliSmuS nicht mehr gestatten kann, wen» eS der Gegnerschaft da draußen in der Welt Herr werden will. Unsere Feinde krebsen bei den Neutralen mit der Behauptung, Deutschland sei der Hort von Feudalismus, der Reaktion und des Antisemitismus. Wenn man dagegen einwendet, daß doch auch Rußland zu unfern Feinden gehört, wird uns entgegengHalten, Rußland sei eben kern Kulturstaat, während Deutschland den Antisemitismus theoretisch und wissenschaftlich pflegt und ein Buch sei schlimmer als ein Pogron. Die Regierung hat Erfahrungen gemacht, an denen sie nicht vorübergehen kamt. Wir aber werden nach dem Kriege weniger gegen Einzelerscheinungen des Antisemitismus anzukämpfen, alS die Weltanschauung und die Grundgedanken unseres Zentralvereins zur Geltung zu bringen haben, die Anschauung, daß Treue gegen daS Judentum eins ist mit der Treue zum Baterlande. Ist daS deutsche Judentum auf dieser Basis vereinigt, dann kann eS müh der gefährlichen nattonalistischenBewegung Herr «erde». In der Werbetätigkeit für diese unsere Weltanschammg sind wir insbesondere in bezug auf die Juden nichtauf der Höhe der Aufgabe. Die nationalMschen Vereine find uns mit ihrem Eifer auf diesem Gebiete überlegen. Der jüdischen Jugend müsse der Zentralveretn seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Aber auch' sie, vornehmlich der K. C., müsse alles tun, um für ihre Ideen zu werben. Sie dürfe sich hierbei nicht von den Jugendorganisationen anderer Richtungen den Rang ablaufen lassen. Im ganzen wollen wir uns, den großen Gestchtspuntten zugekehr^ mit den Einzelerscheinungen des Antisemitismus weniger befassen. Drückebergerei und Wucher haben mit der Konfession nichts zu tun. Wenn übrigens ein Abwägen einerseits der Leistungen für das Vaterland, andererseits der Verfehlungen vorgenommen werben sollen, dann wissen wir: Wir Juden werden dabei nicht schlecht abschneiden. Lassen wir uns tragen vom Bewußtsein der erfüllten Pflicht und von der Ueberzeugung: Treue dem Baterlande ist auch Treue für die Glaubensgenossenschast. (Stürmischer Beifall.) Nach der Pause nimmt Rechtsanwalt Boehm das Wort über „Die Tätigkeit des BereinSvorstandeS." Wenn unseren Me Kräfte anspannenden Kriegern nach außen ein innerer Friede entsprechen sollte, st» hat er dem deutschen Judentum gegenüber nicht lange gebauert. Die Feindseligkeiten regten sich bald wieder und Anzeichen einer Sammlung der antisemitsschen Kräfte zu einem späteren Angriff mehrten sich von Tag zu Tag. Der Vorstand hat es an Wachsamkeit nicht fehlen lassen, und hat auch, wo es nötig schien, den Schutz der Behörden in Anspruch genommen, bei denen er überM das wünschenswerte Wohlwollen fand. Zu dieser Wachsamkeit gehörte eine sorgsame Beobachtung der antisemitischen Presse, die jede kleinste Verfehlung irgendeines anscheinend jüdischen Händlers in irgendeinem Weltwinkel registriert, oft mit dem bedeutungsvollen Zusatz: „Volksgenossen, merkt eS Euch". Dem Unfug antisemitischer Kinovorstellungen j gegnen, war. der Vorstand ebenfalls b«

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