KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 796 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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796 Der Redner gedenkt -er Tätigkeit des Verbandes der Deutschen Juden und deS Zentralvereins für die GemütS« und Herzensbedürfnisse der Mffchen Soldaten im Felde, der Versendung von Bibeln, Gchet« und Erbauungsbüchern, patriotischen Dichtungen in die Schützengräben und wendet sich dann zu dem Hauptpunkte semeS Vortrages hin,dem vielerörterten Erlaß über dieJuden- Sim Heere. In dieser ernsten Zeit der schwersten entÜch entscheidenden Kämpfe sollen wir keine rung in die Mafien tragen, wollen wir nur einen Gedanken hegen und in uns wirken lassen, daß es gilt, dem Baterlande zum Siege zu verhelfen. Wenn die Waffen ruhen, dann wollen wir auf den G^enstand zurückkommen. Jetzt sei alles vermieden, was eine Trübung an irgendeiner Stelle zu bereiten imstande ist. (Bravorufe.) Freilich dürfen wir nicht verschweigen, daß wir diese Sonderbehandlung der Juden nicht als rechten Lohn für ihre begeisterte Hingebung ansehen können. Der Verband der deutschen Juden im Bund mit dem Zentralverein deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens hat indes nichts versäumt, um zur Klärung und Besserung beizutragen. Bereits am 11. November 1V16 ist ein zweiter Erlaß des Kriegsministeriums ergangen, der den ersten ergänzt und vor Mißbrauch bewlchrt, ein Erlaß, der ausdrücklich besagt, daß der Zählung keinerlei antisemitische Absicht zugrmrde liegt und daß nur sachliche Gründe für eine veränderte Verwendung der Juden in Frage kommen können. Der derzeitige Kriegsminister, Herr von Stein, hat nichts versäumt, um uns die vollste Neberzeuaung von seiner gerechten Gesinnung, seiner Unparteilichkeit und dem Wohlwollen den Juden gegenüber zu verschaffen. Wenn wir über unsere Schritte und ihre befriedigenden Erfolge wenig veröffentlicht S liegt wesentlich daran, daß Rücksichten auf die z, und an vielen Stellen sogar Eingriffe der : die Veröffentlichungen hinderten. Der Verband' der deutschen Juden hat der Angelegenheit, betreffend die aufgenommene Statistik jüdischer KriegSteibrehmer, feine besondere Aufmerksamkeit zu« gewendet, und ist bei Behörden, insbesondere bei dem KrtegSministertum, wiederholt mündlich und schriftlich vorstellig geworden. Ueber die einzelnen feiner Maßnahmen emgehend zu berichten, wird erst in späterer Zeit möglich sein. Für jetzt halten wir es für angezeigt, auf,folgende Punkte.aufmerksam zu machen. 1. Wie schon bekannt geworden, hat der jetzige Kriegsminister Herr von Stein in ErgänzungdeS Erlasses deS früheren KriegSministerS Herrn Wild von Hohenborn eine erweiterte Verfügung dahin getroffen, daß keineswegs die Behörden usw. Gelegenheit nehmen sollten, Juden auL ihren bisher innegehabten Stellungen zu entfernen, da für solche Maßnahmen nur fachliche Gründe in Fraae kommen dürfen. 2. ES ist wiederholt von den höchsten Behörden die Erklärung gegebenxworden, daß bei Anordnung der StatWk irgendwelche Voreingenommenheit gegen die Juden das KriegSmmisterium nicht geleitet hat, daß eS im Gegenteil Beweise gegen die bei ihm eingelaufenen Anklagen gegen Juden gewinnen^wollte. 3. Der Herr KriegSminister von Stein hat mit Bestimmtheit erklärt, daß alle begründeten Beschwerden über Sonderbehandlung von Juden aufs eingehendste geprüft und das gegebenenfalls Abhilfe geschaffen wird. 4. Fälle, in denen eine solche Sonderbehandlung auch nach dem Ergänzungserlaß des jetzigen KrtegSministers stattgefunden hat, von denen übrigens nur wenige bewiesen sind, haben dem Herrn^KriegSminister bereits Anlaß zu solcher Abhilfe gegeben. 6. Der Herr KriegSminister hat an den stellvertretenden Vorsitzenden LeS Verbandes, Geheimen Justizrat Eaffeh welcher nach einer vom Verbände an den Herrn Kriegsminister gerichteten Eingabe von diesem zu einer Rücksprache empfangen woÄen war, ein Schreiben gerichtet, in dem eS heißt: „Jedenfalls habe ich festgestellt, baß das Verhalten der Mischen Soldaten und Mitbürger während deS Krises keine Veranlassung zu der Anordnung meiner Herren Vorgänger gegeben hat und damit nicht in Beziehung gebracht werden rann." Der KriegSminister hat ausdrücklich erklärt, er sei dankbar für jede Beschwerde über schlechte Behandlung der Juden, sofern diese Beschwerde so begründet und belegt ist, daß man sie nachprüfen und erforderlichenfalls Abhilfe verschaffen kann. In keinem Falle wird auS der Statistik hervorgehen können, daß die deutsche Judenheit ihre Pflicht gegen das Vaterland irgendwie vernachlässigt hat. Die jüdische Jugend hat freudig gelitten und ist gestorben für Heimat und Herd. Sie hat sich ein Anrecht erworben darauf, daß die Grundsätze gleicher Behandlung fürderhin zu allgemeiner Geltung kommen. Auch wir in der Heimat haben es an der Hingebung für den Dienst deS Vaterlandes nicht fehlen lassen, unser Herz gehört unserm Baterlande, seine Größe ist unser Stolz und unser Hoffen, und wir bleiben ihm ergeben mit Herz und Hand, aber auch mit der Hoffnung, daß wir künftig unsere Gleichberechtigung nicht mehr zu erkämpfen brauchen, sondern daß sie als feststehende Tatsache in Geltung bleiben wird. (Lebhafter Beifall.) Justizrat Horwitz dankt dem Referenten und hofft, daß seine Tätigkeit reiche Früchte tragen werde. Herr Rabbiner Prof, Dr Werner-München dankt dem Verein auch im Namen deS Südens für feine Tätigkeit. Die blwerische Seelsorge sei ebenfalls dem Wirken des ZentrawereinS zu verdanken. Die Zählung wird auch m Bayern vorgenommen, weil es vom preußischen Kriegsministerium verlangt werde. Die Stimmung war bei den bayerischen Juden noch erregter, weil man bei den höchsten Behöben in Bauern immer Schutz gefunden habe. Bei einer Audienz beim früheren Kriegsminister in Bayern, welcher Rabbiner Prof. Dr. Werner, ein Rabbiner aus Nürnberg und die Vertreter der Vorstände von München und Nürnberg beiwohnten, erklärte der KriegSminister, daß er nur Soldaten kenne, die ihre Pflicht tun, ohne Unterschied der Konfession. Die Ursache der Zählung sei die Ueberschüttung mit Denunziationen gewesen über Drückebergerei der Juden. ES sollte den höchsten Behörden eine Waffe gegen Verleumdungen in die Hand gegeben werden. Er würde nicht dulden, daß auS der Verfügung etwas erfolge, was die Ehre der Mischen Soldaten berühre. Er wünscht, daß dies veröffentlicht werde. Fälle eines Mißbrauchs sollen mitgetellt werden. Dann würde Abhllfe geschaffen. Prof. Dr. Werner dankt dem Zentralverem für sein unermüdliches ersprießliches Wirken. f Herr Rechtsanwalt Dr. Ludwig Friedmann: Durch das Referat von Cassel feien feine Befürchtungen schoben worden. Das in der Judenzählung Erreichte ei gewiß ganz bedeutend, aber eS fei mit einen Aufflammen deS Antisemitismus nach dem Kriege zu rechnen. Wir sollen und können nicht in der breiten Oeffentlichkeit propagieren wegen der Zensur. ES soll aber innere Mission getrieben werden. Die Ortsgruppen müssen gestärkt werden. Größere Beiträge sind aufzubringen, um später die Agitation gegen den Antisemitismus mit Erfolg aufzunehmen. Rabbiner Dr. Kaelter-Danzig. Pflicht der Deleaiertenversammlung ist eS, dem Borstande Dank Ästatten. Man fei draußen den Zentralverein ge- , obwohl man nicht immer wußte, warum. Jcht fet man befriedigt. Man müsse resignieren, sich aber nicht an Opfermut beschämen lassen durch die Soldaten