KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 795 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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795 Punkt war es. der vor allem die Aufmerksamkeit auf sich zog, die Erörterung der Frage der Juden im Heere. Es waren die schweren antisemitischen Vorstöße der jüngsten Zeit, die die Erbitterung aller wachgerufen hatten. Von dem Zentral-Verein, der Organisation, die in erster Linie dazu berufen ist, antisemitische Angriffe abzuwehren, erwartete man Aufklärung über das, was zur Verteidigung geschehen war. Vielleicht sind nicht alle durch das Ergebnis der Tagung in dieser Hinsicht befriedigt worden. Wir wollen es auch dahingestellt sein lasten, ob nicht doch manch kräftigeres Wort hätte gesprochen werden können. Jedenfalls aber must anerkannt werden, daß seitens der führenden Leute sehr viel geschehen und auch viel erreicht worden ist. Die Verhältniffe, unter denen wir zur Stunde leben, machen es unmöglich, sich all der Mittel zu bedienen, die sicher jeder von uns gern angewandt gesehen hätte. Die Versammlung zeigte aber auch, daß die Tätigkeit deS Zentral-Vereins sich nicht allein auf die Bekämpfung des Antisemitismus beschränkt, sondern daß er auch innerjüdische Arbeit leisten will. Welch hohe Aufgaben hier zu erfüllen sind, das wurde in dem überaus trefflichen Referat unseres Kb. Felix Goldmann im einzelnen dargelegt. Uns Jungen hat es besonders erfreut, zu erfahren, daß man die Bedeutung der Arbeit der jüdischen Jugend, insbesondere die Arbeit des K. C.. in vollem Maße anerkannt, und daß man den festen Willen hat, sie in jeder erdenklichen Weise zu fördern. Bei allen Teilnehmern wird die Versammlung den Eindruck hinterlaffen haben, daß das deutsche Judentum sich kräftig genug fühlt, um allen inneren und äußeren Widersachern Trotz zu bieten, daß es nur der Stunde harrt, wo es seine Kräfte voll entfalten kann. Nachstehend lasten wir ein ausführliches Protokoll der Tagung folgen. Justizrat vr. Horwitz eröffnete als Vorsitzender die Versammlung mit einer warmherzigen Begrünung. Er gedachte des feurigen Eifers, mit dem die jüdische Jugend bei Beginn des Krieges, auch soweit sie noch nicht wehrpflichtig war, zu den Jahnen eilte, er gedachte der vielen Tausenden deutscher Juden, die in der Front und in den Schützengräben Gut und Leben einsetzten für die Sicherheit und Ehre des tückisch überfallenen Vaterlandes, nicht nur, weil es ihnen Pflicht, sondern weil es chnen auch Herzenssache ist, „weil unS allen Deutschlands Ruhm, weil uns allen Deutschlands Größe Lebensbedürfnis ist." Ms Ausdruck dieser Gesinnung und Empfindung empfahl der Redner die Absendung des folgenden Telegramms an Seine Majestät den Deutschen Kaiser: „Seiner Kaiser und Königlichen Majestät bringen die zu ihrer Hauptversammlung aus allen Teilen des Deutschen Reiches vereinigten Abgesandten des Zentralverems deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ihre Huldigung und das freudige Bekenntnis unverbrüchlicher Treue zu Kaiser und Reich dar. Wie die deutschen Juden in dem unserm Vaterlande aufgezwungenen Kampfe in hingebungsvoller Pflichterfüllung mit allen ihren Mitbürgern gewetteifert haben, werden sie niemals aufhören, für unser geliebtes Vaterland einzustehen mit Gut und Bürt, mit Heitz und Hand. Gott schütze und segne Eure Majestät und unsere unvergleichlichen Truppen zu Lande und zu Wasser."*) Das Telegramm fand durch herzlichen Beifall ausgedrückte Zustimmung. Der Vorsitzende gedachte sodann mit Worten eingehender Würdigung der hervorragenden Persönlichkeiten, die in den vergangenen Jahren der Zentralverein durch den Tod verloren hat, insbesondere auch der vielen Tausenden, die in Verteidigung von Heimat und Herd ihr Leben opferten. Mit warmer Anerkennung würdigte der Vortragende die Treue für den Burgfrieden innerhalb der jüdischen Parteien. Auch die Zionisten haben chn gewahrt, wie auch sie dem Baterlande gegenüber treulich ihre Pflichten getan haben. Zum Schluß erbat der Vorsitzende von der Versammlung Jdemnität für den Ausfall der Hauptversammlung, die nach der Satzung schon vor 3 Jahren hätte stattfinden sollen und die wegen der Kriegszeit hinausgezögert wurde. Die Jdemnität wurde erteilt und herzlicher Beifall, wie er mehrfach bereits die Ausführungen unterbrochen hatte, folgte der Ansprache. Geh. Justizrat Abgeordneter Cassel, vom Vorsitzenden mit einigen von der Versammlung beifällig aufgenommenen Dankensworten begrüßt, nahm hierauf das Wort zu seinem Bericht über „Die Juden im Heere." Er gedachte.der vielen Tausenden deutscher Jünglinge, die ihrer Liebe zum Baterlande folgend, zu den Fahnen sich drängten, der vielen Tausenden, die mit ihrem Blut die Baterlandstreue besiegelt haben, und widmete ein wehmütiges Gedenken allen, die der Schnitter Tod auf dem Felde der Ehre Hinweggemähthat. Redner gedenkt der Anregung des Zentralvereins zur Entsendung jüdischer Feldpränger und der Verdienste, die sich diese Feldprediger da draußen erwogen haben, die, keine Mühe scheuend, und keine Gefahr scheuend, Trost und Aufrichtung bringen in die Schützengräben, den Mut aufrichten und das Herz stärken, und deren Verdienste anerkannt sind durch die Zuteilung der Eisernen Kreuze, warm anerkannt aber auch durch das Zeugnis ihrer protestantischen und katholischen Amtsgenossen, wie durch die obersten Militärbehörden. Wenn vor dem Kriege den Juden ohne Rücksicht auf Verdienst und Tüchtigkeit der Zutritt zum OffizreÄko^is abgeschnitten war, — nur in Bayern waren bereits sricher jüdische Offiziere, auch Majore, Hauptleute und Rittmeister in der Armee — so hat der Krieg es. bewirkt, daß die Grundsätze der Beförderung für die Juden dieselben geworden sind, wie für die Christen. Wir zählen bereits jetzt 800—850 jüdische Offiziere in der preußischen Armee, 400 in Bayern; nahezu 1500 jüdische Offiziere dienen im deutschen Heere. Eine ganz umfassende und endgültige Feststellung hat sich aber noch nicht bewirken laffen. Wo noch Vorurteile gegen die Juden am Werke sind, sieben sie m ausgesprochenem Widerspruche zu dem Willen unserer Heerführer, zum Willen unseres Obersten Kriegsherw, des Kaisers und Königs. (Bravo!) Was wir tun können, um die Benachteiligung der Juden run ihres Glaubens willen zu verhindern, das soll allezeit geschehen, sofern uns die Fälle in beglaubigter Form bekannt gemacht werden. *) Auf das Huldigungstelegramm ist nachstehende Antwort einangen: „Seine Majestät der Kaiser, laffen den Zentralverei» deutscher . Staatsbürger jüdischen Glaubens für den HuldigüngSgrutz und das Gelöbnis der Treue bestens danken. gez. Kabinettsrat von Valentins."