KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 794 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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794 dich nun wieder dieser und jener liebe Kamerad sein Leben sür'S Vaterland geopfert hat. So ging es auch mir, als ich in der Zeitung vom Heldentode unseres Bb. Richard Jarecki laS. Am 9. Januar ist er in einem Feldlazarett seinen schweren Verletzungen, die er einige Tage zuvor aus dem Schlachtfeld erhielt, leider erlegen. DaS Eiserne Kreuz II. Klasse, das ihm die Truppe als Auszeichnung ins Lazarett sandte, hat ihn nicht mehr erfreuen sollen: er war bereits gestorben. — Richard Jarecki ist am 4. 11. 92 geboren. Im Sommersemester 1910 trat er in Heidelberg in die Bavaria ein und bekleidete in seinem dritten Semester eine Charge, die er mustergültig sührte. Rach glanzend bestandenem Referendarexamen war eS ihm nicht mehr vergönnt, seinem juristischen Berufe weiter nachzuqehen: der Krieg brach auS. Jarecki wurde als KrieaSfreiwilliger beim Fußartillerieregiment 5 in Posen angenommen und rückte bald inS Feld. Als Soldat hat er viel mitgemacht, u. a. die große Durchbruchsschlacht bei Gorlice Tarnow im Frühjahr und Sommer 1915. Ein Jahr später kam er wegen eines schweren Gelenkrheumatismus ins Lazarett und rückte, kaum genesen, mit einer Reusormation der Artillerie wieder inS Feld nach dem Westen, wo ihn sein Geschick ereilen sollte. Sein Batteriesührer, Oberleutnant L., schreibt an die Ellern des Gefallenen am 11. 1.17: „Ich spreche Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin, zugleich auch, im Namen meiner Batterie, unser herzlichstes Beileid zu dem schweren Verluste aus, der Sie betroffen hat. Dieser junge, hoffnungsfrohe, blühende Mensch bat nun auch im Dienste deS Vaterlandes den Ehrentod gefunden. Gewiffenhast und pflichttreu war er ein tüchtiger und diensteifriger Soldat, der voll seinen Mann stellte, den Kameraden ein treuer, lieber Kamerad. Wir trauern mit Ihnen und werden das Andenken deS Borstorbenen in Ehren halten." Gewissenhaft und pflichttreu war Richard Jarecki, so schreibt sein Batterieführer. DaS sind Worte, die bei Jarecki voll und ganz zutreffen. ES ist ein Mensch gewesen, bei dem man daS unbedingte Gefühl hatte: Auf den kannst du dich in jeder Lebenslage verlassen, er wird stets treu zu Dir stehen! Schon als Jarecki junger Student in Heidelberg war, waren alle seine Bundesbrüder dieser Ansicht und wiewohl eS ihm, entsprechend feiner ganzen Veranlagung, nicht lag, nach außen hin große Worte zu machen, so fühlte sich doch jeder zu ihm hingezogen. Er ist einer von den Menschen gewesen, die.sich durch ein starkes Innenleben auszeichnen, die der Außenwelt und der Vorgänge um sie herum weit weniger bedürfen als andere, die viele Ansprüche an daS Leben stellen. Ein gerader, aufrechter Charakter war unser Bundesbruder, dabei von einer großen geistigen Begabung. Wie oft hat er durch seine sachlichen und verständigen Worte aus dem Convent die erhitzten Gemüter beruhigt, wie glänzend hat er sein Reserendarexamen bestanden! Aus Mensuren hat er seinen Mann gestellt wie nur einer, und manche Terz und Hackenquart auf den Köpfen seiner Gegner zeugen von „diesen seinen Streichen." Nun kam der Krieg, in den auch er stolz und selbstbewußt als Freiwilliger hinauszog und in welchem er mit Ruhe und Umsicht seine Soldatenpflicht erfüllt hat. Selbst aus dem Sterbelager kam kein Laut der Klage über seine Lippen und groß war seine Freude, als seine Eltern ihn im Lazarett besuchten. Sein verwandtschaftliches Anhänglichkeitsgefühl war in besonders hohem Grade ausgeprägt. Nun hat auch er sein junges Leben für das deutscke Vaterland dahingegeben, er, der von dem Leben und der Welt noch so viel Schönes zu erwarten berechtiat war! Er hat ja bisher — in der allzukurzen Reisezeit seines Daseins — am Kelche der Lebensfreuden eben nur genippt. Mit allgewaltiger Hand hat der Tod allem ein plötzliches Ende gemacht. Wir gedenken in Trauer des Helden! Am 16. Januar wurde er in Posen unter vollzähliger Beteiligung der dortigen K. C. er zur ewigen Ruhe bestattet. Gott möae den Eltern und dem einzigen Bruder deS Gefallenen, unserem Bundes bruder, Trost verleiben in dem Gedanken, welcher auch unS, feine BundeSbrüder, erhebt: daß Richard Jarecki im Kampfe für Deutschlands Ehre und Freiheit den Heldentod gestorben ist! Dr. Ernst Hahn, Badeniae-Bavariae. Hauptversammlung des Sentral-Vereins beutscher Staatsbürger jüblfchen Glaubens. Am Sonntag, den 4. Februar, fand im großen Saale des Hotels „Rheingold" zu Berlin die Hauptversammlung des Zentral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt. Etwa 2O0 Mitglieder aus allen Teilen des Reiches — bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen eine außerordentlich große Zahl — hatten sich eingefunden. Viele Hundert Gäste füllten die Tribünen des Saales. Eine der bedeutendsten Organisationen der deutschen Judenheit hielt ihre Heerschau ab. Das Interesse Tausender im Reiche konzentrierte sich auf die Verhandlungen, die an diesem Tage in Berlin gefiihrt wurden: Ein