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KC-Blätter · 1916-11-01 · Heft 14 (November 1916) · p. Seite 781

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 781 (sequence 31)
Language
German
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781 bestehende Unterstützung ihr nicht mehr versagen können. Die Zukunft des Judentums beruht auf der jüdischen Jugend. Darum fordere man auf jede Weise ihre Arbeit. Vr. Kurt Alexander Tagebuch für die Mische Jugend. 6677. 1910/1917. 2. Tausend. Wien, dt. Lonnt. Das von Josef Marcus, einem Mitglieds des Breslauer Blau-Weist-Bundes, herausgegebene „Tagebuch für die jüdische Jugend" soll, wie daS Vorwort sagt, „eine Quelle und ein Spiegel wahren Blau-Weitz-LebenS fein". Nicht also für die jüdische Jugend in ihrer Gesamtheit kann baS Büchlein bestimmt sein, sondern eS richtet sich nur an den in der Blau-Weiß-Bewegung vereinigten national-jüdischen Teil der Jugend. Beurteilt man unter dieser Einschränkung die Schrift, so darf festgestellt werdendast sie den Anforderungen, die an da- Tagebuch eines WanberbundeS gestellt werden müssen, gerecht wird. An einen deutschen und jüdischen Kalender schließen sich gehaltvolle Betrachtungen unserer wichtigsten Festtage. Ein ku^er Aussatz skizziert dann die Tendenz des Blau-Weiß-BundeS. Hierzu fei eine Bemerkung gestattet: Die Behauvtung, der wir auch anderwärts häufig begegnet find, der Blau-Weist.Bund stehe fern von allem Parteileben und aller Parteilichkeit, treffen wir hier wieder. ES muh dem gegenüber klar festgestellt werden, dast ein Mischer Verband, der einen Zusammenschluß der Juden auf national-jüdischer Grundlage anftrebt, nicht als außerhalb aller Parteilichkeit sichend, angesehen werden kann. Denn gerade um die Frage der nationalen Zugehörigkeit tobt doch der grohe Kampf. Austerhalb allen ParteilebenS steht von unseren jüdischen Jugendorganisationen einzig und allein der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, der auch die Erhaltung des Judentums als obersten Grundsatz auf seine Fahnen geschrieben hat, der aber in der Erreichung dieses Zieles seinen Mitgliedern keine Parteidogmen vorschreibt. Wanderbilder auS Palästina, Bilder aus dem österreichischen Wanderleben, Wanderregeln, Anweisungen für Unglücksfälle vervollständigen das Tagebuch, dessen Abschluß drei Lautenlieder, darunter zwei Vertonungen des Zuckermannschen Reiterliedes, bilden. K.A. Die Juden im Zartmn Pole«. Ein geschichtlicher Überblick von vr. Joseph MeiSl. Durch den Weltkrieg ist die polnische Judenfrage in den Brennpunkt aktueller Betrachtungen gerückt, die ihren Ausdruck in Dutzenden von Schriften und Broschüren finden, deren Verfasser mit größerer, oder geringerer Sachkenntnis den polnischen Juden teils als f errbild eines auf tieffter Kulturstufe stehenden MenschenümmeS schildern, teils in den Himmel erheben und ihn als das Ideal und die Verkörperung des allein echten Juden darstellen. Keiner dieser Methoden schließt sich MeiSl an, sondern rein deduktiv schildert der Verfasser daS Schicksal der Splitter des jüdischen Volkes, „welche feit Jahrhunderten auf dem Boden des einstigen polnischlitauischen Reiches ansässig, in wechselvoller Entwicklung Glück und Ruhm genossen, herrliche Geistesschöpfungen erzeugt, furchtbare Leiden erduldet, aber doch mit der ganzen Kraft ihres feurigen Geistes und in unverwüstlichem Optimismus den Mut nicht finken ließen und im Kampfe mit all den Götzen der Lüge und Niedertracht den Glauben und die Hoffnung aus lichtvollere Zeiten nicht verloren haben." Der Verfasser schildert, wie die Juden, beginnend mit dem 8. und 9. Jahrhundert, allmählich in Polen einwanderten und hier nach und nach unter der milden Herrschaft der volnischen Fürsten dadurch zu einem allgemeinen Wohlstand kamen, daß der Handel immer mehr in ihre Hände kamda infolge beS kanonischen f inSverboteS den Christen eS nicht möglich war, durch ineinftecken von Kapital in Grund und Boden dem Lande reiche Früchte zu entlocken. Der Wohlstand der Juden erregte die Eifersucht der Bürger und Geistlichen, und nur die schützende Hand der Fürsten bewahrte dle Juden vor tatsächlichen Angriffen der neidische« Mid vürger. Der Ausschwung der Juden in' Handel und Handwerk erreichte gegen Ende des 16. und Anfang des 16. Jahrhunderts seinen Höhepunkt. Gleichzeitig wuchs der Antisemitismus und bewirkte, daß die Juden die von den Stadtbehörden abgesteckten Gebiete nicht überschreiten dursten, was zur Folge hatte, baß sich auch in Polen eine Art von Ghetto bildete. Nunmehr zogen die Juden mehr und mehr auf das Land, wo sie als Steuerpächter oder sonstige Helfer des polnischen Adels eine sehr gedemütigte Rolle spielten und die Bauern im Aufträge des Adels auszusaugen hatten. In der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts setzte der berüchtigte Kosakenaufstand ein, in den die Kosak0n durch ihren blutrünstigen Führer, den Hetman Bogdan Chmielnicki, hineingetrleben wurden und in dessen Verlauf mehr alS 790 jüdische Gemeinden zerstört und über 290909 Juden getötet, verjagt oder verschleppt wurden. Von diesem Blutbad hat sich daS Ostjudentnm nie mehr vollkommen erholen Wunen. Bon den Sachsenkönigen wurden die Privilegien der Juden zwar noch bestätigt, die tatsächliche Lage derselben war jedoch die Rechtloser. Die Unterdrückung durch den Landadel und das korrumpierte polnische Beamtentum erreichte ihren Höhepunkt. Der folgende Haidamakenaufftand bewirkte eine noch größere Verarmung der jüdischen Massen und die Brachlegung des Gemeindelebens. Diese hatte naturgemäß eine Reaktion auf das geistige Leben zur Folge. DaS von Scholastizismus überwucherte Talmubstudium veranlaßte die Prediger zu Haarspaltereien. JnstrlgrLeffen wandte das auf einem tiefen geistigen Niveau stehende Volk sich vom RabbiniSmuS ab und gab seiner mystischkabbalistischen Gedankenrichttmg Ausdruck im Sabbatiänismus, Frankismus und Chassidismus!. Nach der Teilung Polens machten fich unter den Juden stärkere AsfimilationSbestrebungen geltenddie dadurch unterstützt wmcken, daß ein Teil der Polen den Juden die volle Gleichberechtigung geben wollte, um hierdurch Polen innerpolitifch zu stärken und zu einer fester gefügten Einheit gegen den nationalen Todfeind Rußland zu machen. In den polnischen Befreiungskriegen zeichneten sich die Juden, soweit sie sich nicht passiv verhielten, in hervorragender Weise aus. Nachdem der russische Koloß Polen endgültig unterjocht hatte, bemühte er sich, wie er ja immer bestrebt ist, die einzelnen Rationalitäten gegeneinander auSzufpielen, die Polen auf die Juden zu Hetzen. Wenn dies den Russen auch teilweise geglückt ist, so darf man doch nicht die Schwierigkeiten einer polnisch-jübischen Annäherung überschätzen, die der Verfasser m. E. in etwa Übersieht. : Jedenfalls wird jeder Leser dieser kleinen, aber ungemein inhaltsreichen Schrift einen bleibenden Gewinn für die Kenntnis des Ostjudentums davontragen Ernst Wechselmann sLicariae, Friburgiae). Semper der Man«. Eine Künstler- und Kämpfergeschichte, von Otto Ernst. Was uns an der Persönlichkeit von Otto Ernst so anziehend erscheint, das ist vor allem sein unbeirrter Optimismus, fein in allen Schicksalsschlügen unerschütterter Glaube an die Güte der Welt, an den Sieg des Rechts. „Recht geht vor Macht", der herrliche Wahlspruch einer K.C.-Verbinbung und des KC-GedankenS überhaupt, leuchtet auch ihm stets voran: wenn die

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