KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 14 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 779 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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77g es sich, den vorgebrachten Argumenten nachzugehen. Wozu — sagen die Gegner — eine Sache üben, die man nie oder selten verwenden kann, deren Erlernung mit Anstrengung, unter Umständen mit Gesahr verbunden ist. Sie betreiben lieber den edlen Sport des Radfahren- oder bringen ihren Körper im Hochgebirge in Gefahr. Die Möglichkeit, Schaden an seinem Körper zu nehmen, ist bei den genannten Hebungen viel eher vorhanden als beim vernünftig und sachgemäß betriebenen Fechten. Noch viel weniger will es einleuchten, wenn man von der Ruderei und den verschiedenen Ballspielen als ungefährlich reden will. In der Hinsicht -galten die englischen Studenten früher als Vorbilder. Jede Entgegnung darauf erscheint überflüssig, wenn man nachstehende Uebersicht eines amerikanischen Fachblattes betrachtet, das eine Zusammenstellung bringt über die nur beim Fußballspiel im Zeitraum von 2 Jahren auf den Universitäten der Vereinigten Staaten vorgekommenen Unfälle, d. h. meist absichtlich in rohester Weise zugefügten Verletzungen. „Es kamen in genannter Zeit 71 Todesfälle, 121 Beinbrüche, 33 Armbrüche, 54 Schlüssel-, beinbrüche' und 158 verschiedene andere Verletzungen vor - Gesamtzahl der Getöteten und Verletzten 437. Am gebräuchlichsten und Hauptursachen der Verletzungen sind Fußtritte in den Unterleib, in die Magengrube, gegen Rückgrat und Kopf." Im Vergleich dazu sind uns die deutschen Studenten, die sich ihre Schmisse im ritterlichen Kampfe holen, mit ihren zerhauenen Gesichtern lieber. Todesfälle gehören zu den äußersten Seltenheiten. Man bedenke nur, was aus Mensur und Korporation geworden wäre, wenn bei uns in 2 Jahren 71 Todesfälle vorgekommen wären. Dadurch, daß der Gebrauch der studentischen Waffe auf den deutschen Hochschulen an bestimmte Regeln und Bedingungen gebunden ist, sind derartige Vorkommnisse 'ausgeschloffen. Wir dürfen daher hoffen, daß die Mensur noch immerbegeisterte Anhänger finden wird. Schläger und Säbel gehören zum deutschen Burschen als Symbole des deutschen Studententums, und als solche werden sie noch vielen Generationen vererbt werden — trotz der nüchternen Zeit und trotz schnöden Philistertums! Bedeutungsvoller ist für uns die Frage, ob in bezug auf die Anforderungen, die wir hinsichtlich der Mensur an die Korporationsmitglieder stellten, Veränderungen notwendig sein werden. Denjenigen, die am Kriege teilgenommen haben, die aber noch gar nicht oder nicht die genügende Anzahl von Partien gefochten haben, ebenso Kriegsteilnehmern, die nach Beendigung des Krieges erst in eine Verbindung eintreten wird man gewisse Erleichterungen zubilligen müssen. Hier einen verständigen Ausgleich zu finden, ist Sache der einzelnen Verbände. In einem Punkte müßten jedoch alle Verbände gleichmäßig ihre bisherigen Forderungen ausrecht erhalten: hinsichtlich der Mensurbeurteilung. Man ist vielfach der Ansicht, daß ein Mann, der sich im Felde ausgezeichnet hat, auf jeden Fall eine gute Mensur schlagen müsse. Ich halte diese Ansicht in solch allgemeiner Form für irrig und ich kann daher auch denen nicht beipflichten, die nach dem Kriege eine mildere Mensurbeurteilung einführen möchten. Es ist nicht selbstverständlich, daß einer, der seine Tapferkeit im Felde bewiesen hat, den Anforderungen unserer Mensur entspricht. Bon einem guten Fechter wird Geistesgegenwart, 'Entschlossenheit und Kaltblütigkeit verlangt. Nicht jeder, der sich im Felde wacker geschlagen hat, besitzt deswegen nun ohne weiteres diese Eigenschaften. Hiermit sollen nicht die. soldatischen Fähigkeiten des einzelnen herabgemindert werden) es soll jedoch darauf Hinweisen, daß die soldatische Tapferkeit und der Mut, der zu einer Mensur gehört, nicht gleichzusetzen find. Denn beide beruhen auf ganz verschiedenen Erziehungsmethoden. Der Soldat wird zur Tapferkeit exogen im großen Rahmen der Gesamtheit. Wenn es auch im Exerzierreglement heißt, daß der einzelne Soldat zu möglichst selbständigem Handeln zu erziehen ist, so kommt es doch hauptsächlich darauf an, eine Gesamtwirkung zu erzielen. Dabei geht der einzelne in der Masse unter. Das persönliche Mitempfinden wird oft ganz ausgeschaltet, sodaß man bei hitzigen Gefechten oder beim Sturm wie unter einem Zwange handelt Auch bei Einzelunternehmungen, Patrouillen und dergl. ist des Gefühl der Gemeinsamkeit vorherrschend. Anders bei der Mensur. Der Paukant ist auf sich selbst angewiesen. Ihm steht ein einzelner, bestimmter Gegner gegenüber. In der Hand des Paukanten liegt die Entscheidung. Von der Beherrschung der Lage hängt der Erfolg ab/ Der Fechter muß während der Partie die Klinge des Gegners im Auge behalten und in den geeigneten Momenten Entschlossenheit und Schnelligkeit zeigen. Während also die Tapferkeit vom Soldaten zum Teil oft schon bewiesen ist durch seine bedingungslose Unterordnung, so verlangt man vom Fechter weit mehr persönliche, individuelle Fähigkeiten. Das darf auch in Zukunft bei der Mensurbeurteilung nicht außer acht gelassen werden. Die hier bisher mit Erfolg angewandte Methode erlaubt kein Abwetchen von