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KC-Blätter · 1916-11-01 · Heft 14 (November 1916) · p. Seite 778

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 778 (sequence 28)
Language
German
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7lS Frauen demselben Zwang zur Arbeit unterliegen sollen wie die männlichen Kollegen^ Wer bleibt da noch übrig? Die Kricgsverwundelen und solche Studierende/ deren Gesundheit und körperliche Beschaffenheit sie nicht zur Teilnahme am vaterländischen Hilfsdienst eignet. Es ist natürlich, daß der Staat namentlich für die Kriegsverwundeten sorgen mutz und ihnen, die so wie so ihre schönsten Studienjahre im Dienste des Vaterlandes verloren haben, Gelegenheit geben mutz, ihre Studien fortzusetzen. Aber hierzu sind keine 22 Universitäten nötig. Wenn 2 in Norddeutschland und 2 im Süden geöffnet bleiben würden, wäre das Bedürfnis gedeckt. Wie viele Kräfte würden dadurch wieder frei, wieviel Material und Verwaltungskosten gespart werden! Eine Steigerung des geistigen Lebens in Deutschland durch das Offenhalten sämtlicher Universitäten kann ncht gut erwartet werden, wenn die Träger desselben, die Dozenten und Studierenden sich im Dienste des Vaterlandes befinden. Wenn das gewerbliche Leben die weitgehendsten Einschränkungen im Intereffe des Vaterlandes erfahren mutz, so, sollte man meinen, dürste es auch der Wiffenschaft nichts weites schaden, wenn ihre Pflege zum Wohle der Allgemeinheit solange eingeschränkt wird, bis bessere Tage ihr wieder zu ihrem unbestrittenen Rechte verhelfen. Darum wäre die Schließung einer großen Zahl von Universitäten im vaterländischen Intereffe nur zu begrüßen. Soweit bis heute bekannt wurde, haben die Universitäten selbst zu dieser Frage öffentlich keine Stellung genommen. Andererseits haben sie durch die Tat zu erkennen gegeben, daß auch sie der Meinung sind, daß ihre Bürger heute im Dienste des Vaterlandes wichtiger sind als beim Studium. An den meisten Universitäten wurden Vermittlungsstellen für Studierende errichtet, die den Musensöhnen geeignete Posten im vaterländischen Hilfsdienst Nachweisen sollen. In Württemberg z. B. sollen junge Studenten der Rechte als Gerichtsschreiber und Gehilfen bei den Kanzleien der Gerichte verwendet werden. Die Mediziner sind ja in ihrer größten Mehrheit bereits in vaterländischen Diensten und auch die Philologen vertreten seit Kriegsausbruch ihre ausmarschierten alteren Kollegen, sodatz die Universitäten schon aus diesen Gründen nicht allzuviele Hörer mehr haben dürften. Wie der Krieg außer seinenvielen schrecklichen Wirkungen und Folgen so manches Wertvolle zeitigte, so dürste vielleicht gerade diese Verwendung der jungen Studenten im vaterländischen Hilfsdienst eine Umgestaltung des akademischen Studiums in manchem Zweige der Wiffenschaft zur Folge haben. Der Krieg hat deutlich gezeigt, daß alle Theorie grau und wertlos ist, wenn sie nicht durch die Praxis erprobt wurde und sich als brauchbar erwiesen hat. Möge die Verwendung der deutschen Studenten im vaterländischen Hilfsdienst dazu führen, ähnlich wie dies bei den Polytechnikern verlangt wird, ein Jahr praktisch tätig zu sein, ehe die Kandidaten zum Examen zugelassen werden. Wie manche Doktorarbeit würde weniger „akademisch" werden und wie mancher junge Staatsbeamte würde mit weniger Formel- und Begriffsweisheit, aber dafür mit mehr gesundem Rechtsempfinden, Lebenskenntnis und Urteilsfähigkeit in seinen Beruf eintrcten. das Mensurwesen nach dem Uriege. Bon Willy Löwenthal (Bavariae) Bizewachtmeister a. D. Reben den vielen sorgenden Gedanken um Dauer, Ende und AuSgang dieses Krieges taucht bereits überall die Frage auf: was kommt nachher? Nach allen Seiten werden die Möglichkeiten unserer.Entwicklung erwogen, die politische Neugestaltung wirft ihre Schalten voraus und in allen Schichten und Kreisen wird lebhaft unsere Zukunft erörtert. Nicht unberührt davon bleibt die deutsche Studentenschaft. In emsiger Tätigkeit sind die Korporationen am Werk, neue Grundlagen für die Zeit nach dem alles verändernden Kriege zu schaffen. Die Verbindungen existieren noch, wenn sie auch scheinbar von der Bildfiäche verschwunden sind, da sie die bunte Mütze, dem Gefühl der allgemeinen Gleichheit folgend, an den Nagel gehängt haben. Sie arbeiten rastlos weiter und werden sich in den Frieden hinüberretten trotz der Gegner, die die Zeit für gekommen halten, um mit unfern gewohnten Sitten und Gebräuchen aufzuräumen. Es ist eine altbekannte Tatsache, daß von vielen Seiten fortgesetzt an unsere studentischen Verbindungen, besonders den farbentragenden, herumgenörgelt wird. — Man hält sie besonders für unzeitgemäß und glaubt, daß der aus dem Kriege heimkehrende geläuterte Student nicht mehr den Sinn habe für eine dem Ernst der Zeit wenig entsprechende Spielerei. Den Hauptangriffspunkt bietet das Mensurwesen. Die zerhauenen Gesichter der Couleurstudenten sind immer wieder das Anlaß, auf die unbei!vollen Folgen der Mensur Hinzumeisen, die Verrohung und Renommisterei oder dergleichen sein sollten. Es ist eine unmögliche Sache, jemand über Bestimmungsmensur und Paukkomment aufklären zu wollen, der sich keine Vorstellung machen kann von der inneren Einrichtung einer Waffenverbindung) man läßt ihn am besten seiner Wege gehen. Jedoch verlohnt

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