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KC-Blätter · 1916-11-01 · Heft 14 (November 1916) · p. Seite 777

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 777 (sequence 27)
Language
German
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777 wortung dieser Frage -beginnt bereits der Streit: um die Entscheidung des Zweifels, wer der Schöpfer unserer „modernen* Mufikdramatik sei, ob Monteverdi oder Richard Wagner, Gluck oder Mozart. Namentlich um das Werk des Salzburger Meisters wird scharf gekämpft, und hier, an dem scheinbar schwierigsten Punkte, setzt nun auch Hermann Cohen ein: „Der Genius geht feine geheimnisvollen Wege. Die Philosophie aber darf von diesen Geheimnissen nimmermehr d ie Deutung zulassen, daß ein des Mysteriumvom Drama unkundiger Mensch der Schöpfer von Opern sein könnte, deren musikalische Schönheit so unbestritten, wie unergründlich ist. Wenn anderdie Aestyetik die Einheitlichkeit des Mustlerischen Geistes durchgängig zu verbürgen hat, muß sie, wie die Größe, so vor allem die Einheit des Geistes in dem Wundermann der deutschen Oper behaupten . . ." Die Lösung dieser Aufgabe ist in dem Buche versucht und, wie hinzugesügt werden muß, geglückt. Im ersten Abschnitt entwickelt der Verfasser in knapper Kürze, aber dennoch mit fast „populärer" Anschaulichkeit der Darstellung auS den Grundsätzen der allgemeinen Aesthetik heraus den Begriff von der künstlerischen Einheit deS MufikdramaS und deren Forderungen, und im zweiten Abschnitt zeigt er, in wie hohem Maße Mozart diese Forderungen in seinen Meisterwerken, selbst in „Cosi fan tutte“, erfüllt hat. Gewiß, man kann in einzelnen Fragen abweichender Meinung sein (wie etwa über Susannes „Gartenarie" oder dazweite „Don Giovanni“-finale), doch berührt das niemals die Grundlehren, die der Berfaffer aufbaut, und deren allgemeine Anwendungsmöglichkeit. Der Begriff der Mozartschen Meisterwerke als deutsche Mufikdramen ist mit überzeugender Klarheit der Beweisführung aufgestellt. Und die Musikästhetik, die, auf diese Sätze gestützt, ihre besondere Arbeit beginnt, hat guten, festen Boden unter sich! Vas Zivittienstpflichtgefetz und die deutsche akademische Jugend. Bon Dr\ Lothar Dessauer (Saxo-Bavariae—Bavariae) Stuttgart. In den letzten Wochen geht durch Deutschlands Gaue ein Zug, der lebhaft an die Zeit Preußens im Jahre 1813 erinnert. Gold gab ich für Eisen! Wer kennt nicht das Bild aus den Befreiungskämpfen, wo alt und jung, arm und reich seinen Schmuck, die alten Familienerbstücke auf den Altar des Vaterlandes legt, um die Heimat zu retten. Aber nicht nur diese Analogie zu den heutigen Goldankaussstellen, sondern auch die Einberufung der' 18jährigen, die unter Gesang, teilweise noch in den bunten Schülermützen, in die Kaserne zogen, und vor allem das neue vaterländische Hilfsoienstgesetz — rechtfertigen einen Vergleich unserer Tage mit jener Heldenzeit Preußens. ' Wir leben in ähnlichen Tagen der Not. Allerdings die spontane Begeisterung, die seiner Zeit Preußen zu jenen Heldentaten hinriß, kann heute nicht gut erwartet werden. Deutschlands Söhne, soweit sie für irgend einen militärischen Zweck Verwendung finden können, stehen vor dem Feinde oder in den Garnisonen. Die ältesten und jüngsten sind eS, auf die das Vaterland zurückgreifen muß. So gerne die jungen Burschen hinausziehen, um fürs Vaterland zu streiten, so opferwillig der alte Landsturm, die bereiterhärteten Knochen im militärischen Dienste wieder beweglich macht, so ist es doch ein anderes Gefühl, das heute Alldeutschland beseelt, nicht die sprudelnde Begeisterung, die, wie zu Beginn des Feldzuges, alles mitreißt und den Tod nicht achtend, sich hingibt für das Vaterland, sondern der feste Wille zum Sieg der deutschen Waffen, das kategorische „Du mußt mithelfen am Werke Deiner Heimat". Das ist's, was unsere Brüder an der Front stark genug macht, dem Ansturm der an Zahl weit überlegenen Gegner zu trotzen. Die begeisterte Hingabe des Lebens für die roße Sache ist einem Sparen, einem Geizen es Vaterlandes an den Kräften des einzelnen gewichen. Heute verlangt Deutschland keine tollkühnen Heldentaten, sondern Ausdauer und Standhaftigkeit, damit die Kräfte erhalten bleiben, bis die Zeit der Not vorbei ist. Diesen Geist atmet auch das neu in Kraft tretende Zivildienstgesetz. Wenn sich auch sein Charakter noch nicht genau beurteilen läßt, so ersieht man doch aus den Verhandlungen des Reichstags, daß eS in der Hauptsache eine Sammlung der Arbeitskräfte bezweckt. Kein Mann soll heute müßig gehen, wo seine Bolksgenoffen an der Front ihr Alles einsetzen für die Erhaltung deS Vaterlandes. Sofort, wie die Beratung über den neuen Gesetzentwurf begannen, tauchten auch sofort allerhand Gerüchte auf, daß alle Hochschulen Deutschlands bis auf eine einzige geschloffen werden sollen. Wenn auch diesen Nachrichten bald amtliche Dementis folgten, so bleibt die Frage doch offen, ob sich ein regelmäßiger Weiterbetrieb von Deutschlands hohen Schulen lohnt und ob er im öffentlichen Interesse gelegen ist. Hefter 80% der deutschen akademischen Jugend sind unter den Waffen, die akademischen Frauenvereine, deren Angehörige einen ziemlichen Prozentsatz zu der heutigen Besuchsziffer unserer Universitäten abgeben, haben beantragt, daß die

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