KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 14 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 776 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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776 sichtlich das eine und daS andere Mal einer stark abweichenden, auS der lebendigen Sprache schöpfenden AusdruckSweiso. „Unzählige Quellenscheidungen zerfallen damit in nichts." „Weit entfernt, Beweise für mehrere Quellen zu sein, find gerade Wiederholungen, Varianten, Doubletten, Synomyma usw. Anzeichen eines und desselben BerfafferS." Die hohe Bedeutung der GotteSnamen führt Jacob auf ein bisher unbekanntes Gesetz über den Wechsel von Eigennamen überhaupt: wo bloßer Lautwandel -erfolgt ist, tritt der neue Name für den alten eindagegen verdrängt ein Zuname den alten nicht (s Jacob und Israeli. BiS in die Hauptstellung der Bibelkritik, ihre historische Kernsestung, wagt sich Jacob: er bestreitet (zunächst ohne sein ganzes Geschütz gegen dieS Dogma spielen zu laffen), daß der Wechsel der GotteSnamen Jhwh und Elohim noch länger als wesentliches Unterscheidungsmerkmal für zwei große Quellenschriften des Pentateuch gelten könne! Hieran mag man die Tragweite der Jaeobschen Methode ermeffen. Zu dieser gehören endlich ganz neuartige, unwiderleglich nachgewiesene Beziehungen zwischen den GeschichtSurkunden und den Rechtsaltertümern. Auch die Josephsgeschichten sind nach ihm ganz und gar beherrscht von Vorstellungen deS Gesetze-, und mit Ausdrücken der RechtSfprache durchwirkt. Ja, das Gesetz kann aus diesen Geschichten ergänzt werden, und wertvolle. Hilfe kann hierzu seine talmudische Ueberlieferung und Fortbildung leisten. „Man versteht die Erzählungen der Tora nicht ohne ihr Gesetz, und hoffe nicht, das Gesetz zu verstehen, wenn man vom Talmud nichts wiffen will. Die Verbindung der Josephsgeschichte: Töten — in die Grube werfen —. verkaufen, ist die gleiche wie im Gesetzjene ist durch diese mitveranlaßt." In neue Beleuchtung rücken somit die Rechtsbücher selbst. „Da die Dichotomieen Gott und Mensch, Kultus und Recht, Opfersühne und RechtSsühne, Priester und Richter immer bestanden haben fso schon im Dekalog), so ist es verfehlt, dem Verfasser eines Rechtsbuches grundsätzlich alle Kultusgesetze, ihre Kenntnis oder sein Interesse dafür abzusprechen." AuS derselben Wurzel, dem gesunden Volksleben, sind sie alle entstanden, und eine innere Einheit ist in ihnen allen, ob Bundesbuch (B B.), Priesterkodex (P ), oder Deuteronomium (D) nachzuweisen. Damit hängt aber auch die Frage nach der zeitlichen Reihenfolge, dem gegenseitigen Einfluß und der etwa nachweisbaren Entwicklung religiöser und rechtlicher Anschauungen zusammen; eine Neuschöpfung der biblischen Theologie, geschaffen von einem jüdischen Theologen, kündet sich an. Jacob hat unS noch unendlich viel mehr zu sagen, als bisher in seinen Büchern niedergelegt ist. Seit Jahren durch seine Freundschaft ausgezeichnet, kann ich verraten, daß er trotz Mühen und Lasten des Amtes wissenschaftlich unermüdlich tätig ist, um seine Entdeckungen im Gebiete der Tora zu erweitern. Nichts geringeres plant er, als der jüdischen Wissenschaft, der jüdischen Welt verlorene Posten wiederzuerobern, die Tora in den Mittelpunkt der jüdischen Forschung und des lebendigen JntereffeS zu bringen: Wir wollen unS mit ihm in der Hoffnung begegnen, daß jüdischer Stolz und jüdische Glaubenstreue sich daran in ungeahnter Weise neu entzünden werden. Hermann Lohen über dar deutsche MnfiLdrama. Bon vr. Arthur Wolfgang Lohn. Ein schmaler Band ist eS: „Die dramatische Idee in Mozarts Operntexten". Und Hermann Cohen ist der Berfaffer. DaS vielumstrittene Thema wird wieder einmal behandelt, und diesmal von einem Denker, dessen Arbeitsfeld sonst nicht daS Gebiet der Tonkunst ist. Jndeffen darf man nicht vergessen, daß auch die Mufikwiffenfchaft nicht völlig abgesondert steht, sondern auch sie nur eine Richtung deS künstlerischen Denkens überhaupt ist und insbesondere die Lehre von der „Wahrnehmung" der musikalischen Werte, die Musikästhetik, nur ein Teil, ein Abfchnit der Allgemeinen Aesthetik, deS bewußten künstlerischen Empfindens. An den Grenzen vollends, wo die Künste sich so nähern, daß sie zu einer Einheit verschmolzen scheinen, kann ein voll befriedigendes Urteil nur aus allgemeinen Erwägungen heraus gebildet werden. ES ist darum nicht bloß begründet, sondern sogar freudig zu begrüßen, wenn der Berfaffer der „Aesthetik dereinen Gefühls" in Anwendung seiner philosophischen Lehren feine Meinung zu der so überaus strittigen Verbindung von Musik und Poesie äußern will und den „aufrichtigen Versuch" unternimmt, „in dem Streite über die Oper, der keineswegs geschlichtet ist, zu einem Frieden die Hand zu bieten, wie er bei uns erstrebt werden sollte: auf der Grundlage einer philosophischen Rechtfertigung." Die höhere Einheit, die das Mufikdrama bildet, trotz der scheinbaren Unvereinbarkeit der Tonkunst und Poesie, soll ihre Begründung erhaltenda gilt es jedoch zunächst zu finden, wo in der Praxis, in der EntrvickelungSgeschichte der beiden Künste, die fragliche Verbindung sich unS zum ersten Male als Einheit offenbart, welcher Meister Dichtung und Musik Zuerst zum „Mufikdrama" verschmolzen hat. Bei Beant-