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KC-Blätter · 1916-11-01 · Heft 14 (November 1916) · p. Seite 775

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 775 (sequence 25)
Language
German
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775 und Juda gehören nicht in verschiedene Quellenschriften mit abweichenden Ueberlieserungen, sondern ihr Verhalten ist aus ihren Charakteren zu erklären: Rüben als Nettester hat Gefühl für das Sündhaftewill Joseph retten und zum Vater in Obhut zurückbringen; Juda als der klügste fürchtet nur die Folgen, für ihn soll Joseph ohne Blutvergießen nur gründlich entfernt und die Verwirklichung seiner Träume durchkreuzt werden. Auch der Schauplatz ist einheitlich und beziehungsreich: von Hebron nach Sichern schickt Jakob seinen Sohn nur ungern, weil er mit der feindlichen Gesinnung der Gegend rechnen mußteaber „prophetisch hingerissen spricht Joseph: hier bin ich!" Nach vergeblichem Suchen wäre er beinahe umgekehrt, hätte ihn nicht ein Mann nach Dotan gewiesen - der Mann ist ein Gottesbote- Joseph muß das von der Vorsehung Beschlossene auf sich nehmen. Er ist ein Vorbild Israels, an dem sein Schicksal sich später in großem Maßstabe wiederholt. Der geschlachtete Ziegenbvck stell: etwas, wie eine Sühnehandlung dar; der Rock in der Hand des Boten wird zum entschuldigenden Beweisstück des Hirtenvolks - die Klage des Vaters aber hallt schauerlich in den terzen der Söhne wider, und weckt die ersten egungeN der Reue, die schließlich zur gänzlichen Sinneswandlung (gegenüber Benjamin) führt. Ist derZeitpunkt gekommen, wo derSchauplatz wechseln soll, so ist der Umstand, daß Potiphar der oberste Leibwächter des Königs, nicht aber ein beliebiger Egypter ist, die angemessene Verknüpfung. In des Königs Gewahrsam kommt der Angeschuldigte und wird dort vergessen, bis der Mundschenk und Mundbäcker des Königs ebenfalls dorthin kommen, und des ersteren Erhöhung die Hoffnung auf Befreiuung von ferne ahnen läßt. Wieder vergessen, stellt ihn die Traumdeutung vor dem Könige diesem an die Seite. Nicht'in den Zeiten des Ueberslusses, wohl aber in denen der Hungersnot darf er nun hoffen, wie es seine tägliche Sehnsucht gewesen, mit den Seinigen wiedervereint zu werden. Da die Brüder zum ersten Male vor ihn treten, gibt es eine Verhaftunasszene Mit offenbarer Beziehung auf seine eigene Behandlung durch die Brüder: es wird einer gebunden ins Gefängnis (bor) geworfen. Aber nicht ängstigen will Joseph die Schuldbewußten; sein Wesen ist beherrscht von Liebe zu den Seinen und Ehrfurcht gegen Gott. Er will sicher sein, daß sie wiederkommener prüft sie an Benjamin, wie er selbst durch Gott geprüft wird, wie er seine Gewalt über die ihm einst Feindlichen gebrauchen werde. Sie bestehen beiderseits. Die Brüder sind andre geworden, und da sie formell unschuldig geblieben, so können sie auch straflos bleiben - denn auch Joseph will nicht - etwa die böse Absicht strafen; das unter Tränen gesprochene Wort: bin ich denn an Gottes Stelle? (der auch die Gedanken des Menschen zur Rechenschaft ziehen mag) ist sein letztes in der Sache. Nicht bequem hat sich Dr. Jacob seine Ausgabe gemacht. Auch wo die neuen Deutungen sich von selbst empfehlen, stützt er sie durch zwingende Beweise - keine Behauptung ohne streng sachliche Belege. Es war daher sein gutes Recht, die kühnen Aufstellungen der Bibelkritik ebenfalls um ihre Beweise' zu befragen, und wo solche fehlten, von vagen Vermutungen und haltlosen Hypothesen zu sprechen. Mit gutem Humor stellt Jacob die angeblichen Fragmente verschiedener Josephgeschichten einmal nach E (dem elöhistischen), dann nach I (dem jehovistischen Erzähler) nebeneinander, und zeigt uns alsdann den Redaktor an der Arbeit. Die Seiten 34 und 36 seiner Schrift muß man gelesen haben, um sich den vermuttichen Eindruck bei denen, die es angeht, voMstellen! Wären sie ehrlich um die Wahrheit bemüht, sie müßten zUgeben, daß ihre Position für Genesis 37 verloren ist. Und das würde sie mißtrauisch gegen den ganzen in die Höhe getriebenen Bau der Quellenscheidung machen, dem die tragsähigen Fundamente fehlen. J Unser Bibelforscher verlangt so wenig blinden Glauben für seine Resultate, daß er vielmehr geradezu auffordert, sich ihrer überall wie zur Probe zu bedienen, da er sie, wie der Naturforscher aus dem Experiment, aus einer Summe gleichartiger Erscheinungen abgezogen hat. Darin liegt das Fruchtbare der Jacob'scheu Methode; sie zeigt uns ihren eigenen Weg vom Quellpunkt bis zum gesicherten Ergebnis, und lehrt die Anwendung gleich an einer erschöpfenden Fülle von Beispielen. Die zwei letzten Abschnitte seiner Schrift könnten auch die Untertttel „zur Methodik der biblischen Exegese" tragen. Der eine behandelt mehr die sprachliche und stilistische, der andre die materielle Seite der biblischen Urkunden. Ein näheres Eingehen aus diese heuristischen Formeln selbst erscheint hier nicht am Platze, wenige Andeutungen werden genügen, um die Neuorientierung, die mit ihnen angebahnt ist, zu kennzeichnen. Längst kannte man das Gesetz des Parallelismus von Satzgliedern in der Spruchdichtung- Jacob zuerst erkennt die Zweiteilung der Rede (Dichotomie) als ein sormebendes Prinzip der gehobenen Sprache überauot. Daraus führt er die beliebte Ausmalung im Kontrast zurück; darauf die Verknüpfungen nach vor- und rückwärts, die Fülle und die Feinheit der Rede. Das Gesetz der Sparsamkeit ferner erklärt hier Auslastungen, dort Ergänzungen. Bei wiederholten Berichten über ein und dieselben Vorgänge bedient sich der Erzähler ab-

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