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KC-Blätter · 1916-11-01 · Heft 14 (November 1916) · p. Seite 773

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 773 (sequence 23)
Language
German
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773 geisterungSrvellen der Augusttage 1914 hinweggeriffen, manche- Gefühldafast unbewußt in unS schlummerteist zu neuem kräftigem Leben erwacht. In vielen ernsten Stunden, die inzwischen für das deutsche Volk geschlagen haben, ist für den Einzelnen und für die Gesamtheit schon jetzt manche köstliche Frucht der Gesinnung und de- Willens herangereift. Zu früh ist'-, darüber zu sprechen. — Aber das dürfen und müssen wir um unseren Standpunkte und für unS aussprechen, daß die Grundsätze unserer K. C.-Erziehung die Probe der großen Zeit bestanden haben. Wir erlebten den erschütternden Anfang deS Weltkriegemit dem beglückenden Gefühle, daß unser Weg der richtige gewesen war, daß wir nur ganz K. C er zu sein, nur unsere Lehren in die Tat umzusetzen brauchten, um daS zn fein und zu leisten, wozu es in der Not deS Vaterlandes jeden Deutschen trieb. Wie gerne erfüllten wir unsere vaterländische Psiicht, wie freudig waren wir entfchloffen, Opfer zu bringen, wie begeistert waren wir ganz Deutsche. Und waren uns dabei immer bewußt, zugleich unsere Psiicht als Juden zu erfüllen. Wir hatten nichts von dem zu unterdrücken und nichts dem hinzuzufügen, «aS die K.C.-Erziehung in unS gehegt und gepsiegt hatte. Ja, wir können heute schon sagen, daß wir den Grundzügen dieser Erziehung auch künftighin nichtwerden hinzuzusetzen haben. Allerdings: Der Drang nach Vertiefung und Erneuerung, der sich auf allen Gebieten unsres deutschen Lebens geltend macht, wird auch in dem geistigen Streben unserer Verbindung lebendig werden. Aber er wird seine Befriedigung finden können bei der Erfüllung unserer Pflicht, dem deutschen Vaterlands und der jüdischen Gemeinschaft ganze Männer, in sich gefestigte Persönlichkeiten und treue Anhänger heranzu- Dr. Jacobs neuer vettrag M vibelsorfchung. Im HMblick auf sein Büch „Quellenscheidung und Exegese im Pentateuch".*) Bon vr. S. Samuel (Essen). Schon seit längerer Zeit kündigte sich ein heilsamer Umschwung im Bereiche der sogen, alttestamentlichen Wissenschaft an. Mit den Namen Bernhard Stade Und Julius Wellhausen ist die Borherrschatt der bibelkritischen Schule bezeichnet, die unter oem Einfluß ähnlicher Strömungen auf andern Wissensgebieten biologische Entwicklungsgeöanken in die Theolögie einsührte, und *) »erlag von M. W. Kaufmann, Leipzig 1916. vermöge einer n ur philologischen, immer feiner ausgebildeten Methode die Wahrheit über die heiligen Urkunden ans Licht zu bringen vorgab. Je verblüffender nachgerade die Ergebniffe wurden, je stärker sie alle bisherigen Anschauungen und Werturteile ungefähr in ihr Gegenteil verkehrten, desto größer war der Beifall überall dort, wo man nichts sehnlicher, als eine Herabwürdigung deS alttestamentlichen Schrifttums wünschte. Nur wenige Vertreter der protestantischen Theologie erhoben Einspruch- und begründeten ihn mit bedeutender Sachkenntnisdie meisten wurden nicht einmal, stutzig, als die Mitläufer der neuen Schule alle bereits anatomierten Bibelpräparate immer auss neue zersetzten, und die disjecta membra kein anderes Band mehr, als die Tendenz pfäffisch« schlauen Betruges verkrüpfte. Demgegenüber verharrte die jüdische Wiffenschast lange in unbegreiflicher Gleichgültigkeit und . Untättgkeit. Die Zeiten, da Juden die Lehrmeister der christlichen Welt Wer die hebräische Wahrheit gewesen waren, schienen endgültig dahin. Die! reisen Früchte einer vorurteilslosen Wissenschast meinte man auch aus der Hand der christlichen Theologie annehmen zu sollen- Und wenn sie noch so bitter waren. Auch die Impulse, die von Leopold Zunz ausgegangen waren, versagten hierin völlig. Dieser selbst hatte uns eine zuverlässige, traditionsgemäße Verdeutschung der Bibel geschenktihre Erläuterung blieb er unschuldig. Statt dessen sammelte er Autorennamen von ungenießbaren Dichtungen. Die literar-historische Erforschung des Judentums gmg, abgesehen von dem einzigen Abraham Geiger, die gleichen Wege. Das Erwachen kam erst, als die alltägliche Herabsetzung der jüdischen Glaubens- und Sittenlehre offenbar Nahrung aus den mit steigender Sicherheit verkündeten Ergebniffe» der Bibelkritik zog, die durch unzählige Kanäle den Weg zur öffentlichen Meinung gesunden hatten. Im Jahre 1903 trat Rektor vr. D. Hoffmünn mit einer Schrift auf den Plan: „Die wichttgsten Instanzen gegen die Graf-Wellhausensche Hypothese", der er in diesem Jahre einen 2. Teil folgen ließ. In die erste Reihe unserer Kämpfer aber stellte sich unser vr. B. Jacob; zuerst mit seinem großen Werke „Der Pentateuch", exegetisch-kritische Forschungen 1905/ sodann mit seiner volkstümlichen Schrift „Die Tora MoseS" Frkf. 1912, und nunmehr mit dem im Untertitel bezeichNeten Buche. Nur langsam können bei der schwierigen Natur des Gegenstandes die Wirkungen sein. Ein Buch, wie „der Pentateuch"- erhebt sich von der Kritik zu einer groß angelegten Synthese in Sachen der biblischen Chronologie, der Genealogien und Sakralattertümerdie eine stürmische Zusttmmung aüsschließt und eine sorgfältige Nach-

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