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KC-Blätter · 1916-11-01 · Heft 14 (November 1916) · p. Seite 762

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 762 (sequence 12)
Language
German
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762 zu erinnert uns auch ein scharfer Jnfanterieschuß und daS hohe Singen -er Kugel, einmal auch ein verwundeter Kamerad daran, daß La drüben der Feind liegt, 80 mvor uns.' Sonstliegen wir einander gegenüber und halten Wacht. Die Unterstünde find sehr gut gebaut- und wir ge. wöhnen uns . so lehr an das Leben 4 m unter der Erde, daß ich mich in diesem Unterstand, in dem wir setzt zum zweiten Mal gekommen sind, gerade wie „zuhause fühle. Das Wetter hat uns in der Zeit viel zu schaffen gemacht. Wir hatten viel Regen, der Schmutz war endlos und die Wände der Gräben sanken. Aber ob. gleich einer behauptete, „lieber gar kein Wetter wie so eins" ließen wir doch den Humor und die gute Sttmmung nicht finken und fetzten uns um eine herabgebrannte Kerze und erzählten, der eine von KriegSerlebniffen, der andere vom Frieden, — denn es ist heute ebenso intereffant und romantisch, vom Frieden zu hören, wie eS ehedem vom Kriege war. DaS sind wohl stille Er. lebniffe, aber dennoch unvergeßliche. Manchmal auch sitze ich auf der Treppe zum Untere stand und lese Nietzsche, Schopenhauer. Das tröstet einen etwas über die im Anfang fatale Kriegsphilofophie, in der der Student soweit hinter dem Landwirt steht. Nacht für Nacht ziehen wir aus — mondfcheinumsioffene Silhouetten mit Spaten und Pickel — zum Ausbau der Stellung, zum Verschaffen des Materials. So vergehen Tage und Nächte vor B... Als ich auSzog, erhielt ich gerade noch die letzten K. C-Blätter. In dem Zug laß ich Ihren Nachruf für unseren gefallenen Bundesvruder Fritz Mauer. Und nun habe Ich ein ideales Vorbild mehr. Unzählige Briefe sagen Ihnen von der Freude über die K. C - Blätter im Feld und in der Garnison. Uns KriegSrezipierten sind sie ein Ersatz für die ungebundene, farbenprangende Fuchsen» und Burschenzeit gewordÄi, die wir in Wirklichkeit zu erleben nur noch hoffen dürfen, Ich bitte sie noch, den K. C.-Stämmtifch zu grüßen, bei dem ich kurz vor meiner Einberufung im Februar noch ein paar schöne Stunden verbrachte, und gestatten Sie mir für Sie selbst die ergebensten Grüße! Ihr treuer Bbr. Fritz Meyer (Bavariae), 26. 0. 1916. Sehr geehrter Herr Kartellbruder! Schon wieder darf ich Ihnen über eine K-C.-Zusammen» kunst in Lille berichten. Am Samstag, den 31. Auni, trafen wir unS wieder im Feldgrauen. Der Tag stand dieses Mal mehr im Zeichen der Fugend und neuer Gesichtervon den Teilnehmern früherer Tage waren nur Polzin, Wupdich, Walter Marx und ich erschienen - wie ich annehme, nicht, weil die KC.-Zusammenkünste in Lille ihre Anziehungskraft verloren haben, sondern weil die Herren sicherlich am Kommen verhindert waren. Untersten Neuerschienenen konnten wir an alten Herren Kb. Paul Gutmann (Bad.), an älteren Karl Rofenthgl, Richard Alexander und Fritz Mayer (Bad.) und an jüngeren eine Anzahl Füchse (Verzeihung, denn im Kriege sind eS ja wohl längst Burschen geworden), begrüßen, sodaß wir unser 14 waren. Im ganzen waren diese- Mal 45 Einladungen ergangen, davon kamen 2 (Assist.-Arzt vr. Ludwig Schlesinger und Trainfolliat Kurt Löwenthal) als unbestellbar zurück. Don 2 andern schrieb der eine (Leo Löwensteins, daß seine Adreffe gewechselthabe und er seit diesem Adresienwechsel in ganz Europa zwischen Nordsee und Türkei Pendelbewegungen ausgeführt habedoch scheint er der neuen Adreffe nach zur Ruhe gekommen zu fein. Der andere (Ludwig Aaffch fürchtet von einer Reise vom N . . . . zur K.C.-Zusammenkunft in Lille zu sehr ermüdet zu werden und lad dastir uns zu einer K C -Zufammenkunst in Wilna ein, einer Einladung, der wir bei paffender Gelegenheit vielleicht bald Folge leisten werben.-Der Nachmittag in Lille verlief wie immer sehr gemütlich und leider sehr rasch. Durch die mißlichen Verpflegungs- Möglichkeiten in Lille sahen wir uns gezwungen, abends uns vor der Zeit zu trennen, damit die höheren Chargen hier, die niederen da des Leibes Notdurft fristen konnten. Wir werden versuchen, dies das nächste Mal dadurch zu vermeiden, daß wir uns nicht mehr im Feldgrauen, wo es etwas sehr gutes zu trinken, aber gar nichts zu effen gibt, treffen wollen, sondern in einem andern Lokal, daS Polzin gefunden hat. Allerdings gab'S da am 27. nichts zu effen, während eS dorr vor einigen Tagen etwas ganz, gutes gegeben haben soll. Wir werden versuchen, dieses Lokal für die nächste' K.C.Zusammenkunft am Sonntag, den 29. Juli, nachmittags 3 Uhr entsprechend zu verproviantierensollte uns daS gelingen, so werden wir es entweder in der nächsten Nummer der K. C.-Zeitung veröffentlichen oder es wird Marx bei feinem bekannten Fleiß sämtlichen in Betracht kommenden schriftlich mitteilen. Der K.C.- Kasse wurde auch wieder gedacht. Die diesmal gesammelte Summe steht in direktem Verhältnis zur Zähl der Löhnungsempfänger, die am 24. 6. in Lille wären, da es aber bei ihnen noch vielmehr von Herzen kommt, ist eS auch viel höher zu bewerten, als die Spenden der oberen Zehntausend. Mit kartellbrüderlichen Grützen Ahr sehr ergebener Caesar Httfch (Lic.). 16. Dezember 1916. Herrschaften! Ach sende viele Grütze. Vom K. C. merke ich hier in dieser feuchten Ecke nichts. Nur ein Keilfuchs tauchte mal auf. Gibt eS so was auch in F.? Was macht die Tendenz? Euer Arnold Lazarus. O. W., den 8.10.16. Lieber Kurt! Schon lange wollte ich Dir schreiben, fand aber noch nicht Zeit und Muße dazu. Heute, nach meiner Rückkehr vom Feld» gotteSdienst in 8., will ich mein Vorhaben ausführen. Viele Hundert Kameraden waren auS nah und sern in die alte, wundervoll gelegene Stadt L. herbeigeströmt zur Feier des BersöhnungsfesteS. Die weite Halle, vordem profanen Zwecken gedient, jetzt zur AndachtSstätte hergerichtet, füllte eine drängende Menge. Eine weihevolle Stimmung war über den Raum verbreitet. Ein Gefühl der Sehnsucht nach der Heimat, der fernen, vermischt mit dem Bewußtsein, daß auch sie zu dieser Stunde ihrer Söhne und Väter in welscher Fremde gedachte, befiel die andächttge Schar der Krieger, als des Lol nickre unsterbliche Welfen erklangen. Geheimnisvoller Zauber wundersamer, uralter Melodie wob unsichtbare Fäden zwischen Himmel und Erde in ttefinnigem Danke an den Höchsten, der uns das Erlebnis dieser heiligen Stunde vergönnte. Aus der Seele gesprochen, waren daher die Worte des FeldrabbinerS vr. Italiener, Darmftadt, die in der Mahnung gipfelten, daß dieses BersöhnungSfest im Kriegsjahre 1916 die Erkenntnis bringe, daß daS wahre Glück in Gott liegt, und wir jenes Glück dereinst finden, und es nicht wie ehedem in Nichtigkeiten und Schein suchen wollen. Der Morgen des Festes war dem Andenken der Toten, der Kameraden gewidmet, die in treuester Pflichterfüllung ihr Leben dem Vaterlande geopfert. Ergreifend war der Augenblick, als innigen Hebens und leuchtenden Auges die Kameraden den Kameraden die Worte des Gedächtnisses sprachen. Der Tag erreichte einen stimmungsvollen Abschluß mit dem Abendgottesdienst. Die Aufforderung des Feld. rabbinerS, als Gewinn der Festesfeier das Versprechen zu verwirklichen, wenn unS dereinst glückliche Heimkehr veschieden ist, ganze Deutsche, ganze Juden zu werden. Ein frohes Ideal für jeden Strebenden: Ein ganzer deutscher Jude zu sein durch Gott und Pflichterfüllung. Ich glaube, alle Teilnehmer wehsten vr. Italiener freudig

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