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KC-Blätter · 1916-11-01 · Heft 14 (November 1916) · p. Seite 759

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 759 (sequence 9)
Language
German
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759k dem Soldatenfriedhos zu Sorel-le-Grand beiqesetzt. Statt des dreimaligen Ehrensaluts seiner. Kameraden, statt der Fahne und den. gekreuzten Schlägern seiner Bundesbrüder donnerten die Kanonen der Sommeschlacht herüber und donnern weiter, um auss neue blühende Menschenleben zu vernichten. Er ist nur einer von vielen,' man wird stumpf, an das Wort „tot" haben wir uns gewöhnt. Aber wer den jungen lebenslustigen Menschen gekannt hat, dem krampst sich das HerJ im Leibe zusammen bei dem Gedanken,, daß er nicht mehr sein soll. Ruhe sanft, Herbert Großmänn, die .Dich kannten, liebten Dich, und die Dich liebten, können Dich nie vergeffen. Wenn dereinst in friedlichen Tagen die alten Burschenlieder wieder tönen, die vollen Humpen schäumen, und dann unfern Helden ein Ehrensalamander gerieben wird, dann sollst auch Du, Dein Bild, aus schwarz umflorten Rahmen auf uns niederschauen, und Deine lieben Augen werden sehen, daß wir Deiner nicht vergeffen. Erich Fröhlich (Saxo-Bavariae). ZaLoh Sender. (Rheno-Silestae) Die Nachricht von Jakob Senders Heldentod hat uns tief bewegt. Ist doch ein vortrefflicher Mensch in ihm dahingegeangen. Keine überragende Persönlichkeit. Einfach und schlicht war sein Wesen,' HerzenSgüte und Gemütstiefe feine hervorstechendsten Cbaraktereiqenschaften. Mit der Begeisterung deS Süddeutschen, unser, gleich ihm fürs Vaterland gestorbener Bbr. August war fein Landsmann, fühlte Sender für alles Wahre und Schöne. Daher fanden auch die hohen Bestrebungen und Ziele in ihm einen innerlich überzeugten Anhänger. Seiner Wissen» schast, der Medizin, war er mit nicht geringerem Eifer zugetan. . Trotz deS 5triegeS gelang dem strebsamen Bundesbruder ein vorzügliches Physikumexamen. Voll Sehnsucht hoffte er in ruhigen, glücklichen Friedenszeiten auf diesem Erfolge weiterzubauen. Seine geistige Begabung ließ die Erfüllung dieses Wunsches erwarten. Doch das Schicksal wollte eS anders. Standhaft und stark erträgt Sender, Soldat geworden, die Sttapazen des Feldzuges im Osten. Ein letztes Wiedersehen seines heißgeliebten Elternhauses, bei dessen Erwähnen sein Auge leuchtete, feine Stimme erregt klang, ist ihm vergönnt. Obwohl der Urlaub nur kurz, sucht er mich, feinen LeibfuchS, auf — wegen meiner Verlegung leider vergebens — im Lazarett in Frankfurt a. Main. Das letzte Zeichen vorbildlich betättater Freundschaft. So durste ich meinen Leibburschen fett unserem Zusammensein iu Bonn während deS ersten KriegSfemesterS nicht mehr sprechen. DaS geschriebene Wort allein bringt unS Verbindung zwischen West und Ost. Die Rückkehr zur Frorst bedeutet für den tapftrn Krieger eine Fülle neuer körperlicherAnstrengungen, hervvrgerufen durch die schweren Kämpfe der vergangenen Monate. Kaum scheinen fie überwunden, da ereilt den als SanitätSgefteiten Dienenden auf dem Felde der Ehre ein ruhmvoll Ende, verklärend und erhöhend Treu dem Treuen! Drum wollen wir unferS Jakob Sender allzeit in herzinniger Liebe gedenken. Alfred Levi (Rheno-Silefiae). s. f. Hu$ alten Briefen! von Vr. Löwifohn (Thuringia-Breslau). z. Zt. in einem Kriegslazarett im Osten. August 1815. Noch vor 14 Tagen batten wir Gästeabend in O ..... Die Herren der Zivilverwaltung nmliegender Kreise, unter anderen der jüngst in Teheran verstorbene Graf Willamowitz-Möllendorff, konnten sich überzeugen, daß auch da» kleinste traurige Nest Gelegenheit bietet. Gastfreundschaft zu zeigen. Keiner ahnte, daß die mit großen Kosten und vielem Geschick von Prof. F. als Erholungsheim hinter der Front hergerichteten Zuckermagazine in Bälde aufgegeben werden sollten. Jeder war traurig in dem Gedanken, die anderen vorn, zu wissen, wo die Würfel der Geschichte fallen. Da plötzlich kam ein Diensttelegramm: Sofort melden, in welcher Zeit die L K. A. marschbereit sein könne! Hallo! die Befreiung winkle! Mit preußischer Gründ. lichkeit wurden die Räume entleert, die-Geräte, Betten und lausend Sachen^ gepackt; ich selbst hatte die Apotheke übernehmen müssen und war mit der Verstauung arg beschäftigt. Ein neuer Fernspruch: Warschau ist gefallen! Der Abschied rückte mit Sicherheit näher! Jetzt erst fühlten wir, wie sehr wir mit O ... verwachsen waren. Diese» kleine polnischrussische Dorf hielt uns fern aller Kultur, abseits vomWege des großen Lebens. Die Dorfsiraße. die stillen Weiher, der wette grüne Wald war unsere Welt; die weniae» Beamten dev großen Zuckerfabrik unsere Wirte. Und Abends faßen wir auf der Banb vor dem Saufe und plauderte» mtt Treu» und Janina und Halina! Nun kamen die letzten Stunde» de» Abschieds. Unser liebenswürdiger Wirt gab mir im Ueberschwang der Gefühle einen—- Kuß und eine große Flasche Honig! Die Wagen fuhren vor! Nacht» S Ubrl Graue Wolken am Himmri! Wtt selbst aber heUkrob! Die Pferde trabten durch tiefen Sand zur Station. Einsteige»! Die polnischen Wäschemädchen und Arbeiterinnen standen weinend am Zug; unsere Trainreiter aber summten: Andere Städtchen, andere Mädchen! - Die Fahrt begann! Die heiß umstrittenen Schlachtfelder der letzten Tage zogen an un» vorüber. Die rufstsche», fast uneinnehmbaren Stellungen mtt ihren Drahtverhaue« und mit den in modernster Technik auSgrbauten Unterstände» ließen ahnen, welche Opfer die Stürme gekostet. Die Wälder, deren schönste) Kronen von de» Granaten und Schrapnells geborsten waren, stöhnten noch im Winde ihr Klagelied; aus-

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