Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1916-11-01 · Heft 14 (November 1916) · p. Seite 758

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 758 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2268830-2268902-2268904--1824-3523445
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

758 Wer Scharfstein gekannt bat, «rift, boft ans diesen Worten sein «obrer Charakter spricht. Ach selbst traf ibn im Auqvst noch in RoulerS, und webmütta bewegt dachten wir der schönen ■ Tage in Freiburg und versprachen unS, nach dem .Kriege wieder dort unter den schwarz-weibblauen Farben weiterzustreVen und für Beruf und Verbindung zu arbeiten. ES hat nicht sollen sein. Am Oktober bat Erich ScharssteinS junqeS Leben ein ruhmreiches Ende gefunden; er bat durch die Tat bewiesen, dast er für Vaterland und K.C. zu streiten und zu sterben muhte. Seine Freunde, denen er auch wöhrend deS Krieges viel schrieb, und die er aufsuchte, wo er konnte, baben einen aufrichtigen, treuen Menschen in ihm verloren, und die „MMellinka", die schon so viele Söhne bat antreten lasten zur großen mensur pro patria, auf der ste dann ebrenvolleAbfubr erlitten.betrauert einen wackeren Kämpfer aus ihren Reihen mehr. Möge fein Blut nicht vergeblich geflossen fein! Möge sein Beispiel unS andern voranleuchten, sein Meist «eiterleben in un^rn Reiben und unS sübrew zum Siege deS Vaterlandes und deS K. C.-Ge* danken», für den er gelebt bat und gestorben ist: Dann wird sein Streben den Lohn gefunden haben, den er selbst ersehnte, und „dann wird einst", wie eS in dem so oft van ibm begeisterte mttgesungenen Trutzliede der „Ghibellinia" heißt, der Sieg nicht fehlen, Ringen wir auch lang und schwer! Unser Bund sei uns ein Mahner! Lieder tue seine Pflicht, Und das schwarz-weih.blaue Banner Führe uns „durch Nacht zum Licht"!" Erich Stern (Ghibelliniae). Herbert Grotzmann. (Saxo-Bavariae). Grüßmann? Saxo-Bavariae? So höre ich die alten Saxo-Bavaren ftagen, denn ste kannten ihn nicht, und auch er kannte nur wenige K. C.er. Es ging ihm wie allen iüngeren Semestern; ihre im Felde stehenden BundeSbrüder kennen ste kaum dem Namen nach. Wir aber, wir jungen Saxo-Bavaren, die wir aktiv das Banner des K. C. in Leipzig Hochhalten, wir kannten Herbert Großmann und wir liebten ihn. Wie man nur je einen BundeSbruder lieb haben kann, so liebten wir ihn: Er war unser Stolz, unser Paradefuchs. Mit seiner schönen, krastvolley Gestalt, dem interessanten Kopfe mit dem kecken Schnurbärtchen und den immer lustig lachenden Augen war er schon rein äußerlich' das Ideal eines K. C.ers, und daß er es auch innerlich werden würde, dafür bürgte uns sein Ueiß und sein Eifer, mit dem er das Wesen deS BerbindungslebenS und das des K.C. kennen lernen wollte, dafür bürgte unS die Ausdauer, mit der er auf dem Fechtboden oft länger als die älteren Semester seinen Säbel schwang, dafür bürgte uns Großmann mit all seiner Art, mit allem, das jeder an ihm schätzte, der mit ihm zusammenkam. — Aus frommer, jüdischer Familie stammend, war Herbert Großmann bei uns aktiv geworden, nachdem er einen Diskusfionsabend,' einige Fuchsenstunden mitgemacht hatte, und sein Interesse für den K.C. und allgemein studentische Dinge rege geworden war. Dann aber war er der eifrigsten einer und zeigte uns jenen Fleiß, jene Ausdauer und Begabung, die ihn schon auf dem Gymnasium zum primuo omnium gemacht hatte und alle, die ihn kannten, große Hoffnungen aus ihn setzen ließ. Und welch ein lieber Kamerad und Zechgenoffe war er! Wie echt sächfisch gemütlich und wie humorvoll konnte er am Biertisch sein, und wie gern lachte er! Es war eine schöne Zeit, trotzdem es draußen bitterböse aussah; ste war zu schön, als daß ste allzulange hätte dauern können. Das Sommer- Semester ging zu Ende, da zog Herbert Großmann in Leipzig des Königs Rock an. Als ich ihn in der Kaserne besuchte, war er munter und guter Dinge; kaum ein Wort sprach er über seinen anstrengenden Dienst. Kurz darauf wurde er nach Metz versetzt. Und als wir, die eS noch konnten, ins Semester zurückkehrten und der im Felde stehenden Bundesbrüder gedachten, da wußten wir noch gar nicht, daß auch unser lieber Großmann bereits seit dem 25. Oktober im Felde war. Die wilde Sommeschlacht hat auch sein junges, blühendes Leben auf dem Gewissen. Bei einem Stellungswechsel blieb ein Geschütz der 9. Batterie, der er zugeteilt war, stecken, und was die Pferdekräste nicht leisten konnten, das sollten Menschenhände ersetzen. Unter anhaltendem, stärksten Arüllerieseuer gruben einige Behexte — Grotzmann natürlich unter ihnen — das halb versunkene Geschütz wieder aus. Als bei immer zunehmendem Feuer der Befehl zum Rückzug gegeben werden mußte, gelang es ihm, sich in den Unterstand eines rheinländischen Fußarttllerieregiments zu retten. Als er ihn wieder verließ, traf ihn ein Granatschuß, die Splitter verletzten ihm Kopf und HalS; die Wunde war derart, daß er nach wenigen Stunden seinen Geist aushauchte. Bon einem treu sorgenden Elternpaar durch die Klippen der Kindheit trefflich geleitet, und jetzt an der Schwelle des Lebens jäh hinweggeriffen von einem schwarzen Geschick. — Am 7. November wurde Herbert Großmann nachmittags um 4 Uhr mit anderen Opfern auf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.