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KC-Blätter · 1916-11-01 · Heft 14 (November 1916) · p. Seite 757

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 757 (sequence 7)
Language
German
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757 Mag es Ihnen ein Trost sein, sehr geehrte Frau GStz, daß' Ihr Junge, trotzdem er bisher noch keine Felderfahrung hatte, sich unter den übermenschlichen Anstrengungen der Sommeschlacht geradezu musterhaft bewährte. Nicht nur, daß er während de« schweren Mörserfeuers feine Ruhe und seinen guten Mut bewahrte und auch die schwersten Pflichten stillschweigend erfüllte, sondern auch dann, als nach diesen schweren Tagen die Kompagnie zum Angriff vor ging und die eingedrungenen Franzosen wieder in einem erfolgreichen Gegenangriff hinauswarf, ist er tapfer und unentwegt mit vorgegangrn. Hierbei traf ihn die tödliche Kugel. Er war auf der Stelle tot. Wenn das Regiment sich in diesem Kampf blutige Lorbeeren holte und sich rühmen darf, im Heeresbericht genannt worden zu fein, so ist Ihr Sohn mit einer derjenigen, die durch ihren Heldentod in einem der entscheidensten Augenblicke den stärksten Anteil daran besitzen und sich um unsere gute deutsche Sache ein unvergeßliches Verdienst erworben haben. Auch sein verwundeter Zugführer schrieb mir noch ausdrücklich aus dem Lazarett, wie wacker sich Ihr Sohn benommen habe. Sie können stolz sein auf Ihren braven Jungen. In herzlicher Teilnahme Ihr sehr ergebener Schmidkunz, Lt. u. K. Auch wir dürfen stolz sein auf unseren gefallenen Bundesbruder. In diesen Stolz aber mischt sich der Schmerz um den Verlust des weit über den Durchschnitt begabten jungen lieben Freundes. Manche Hoffnung, die wir gerade auf ihn, einen der besten unter den jüngeren K. C.ern,. setzen dursten, ist uns mit ihm zu Grabe gesunken. Der edle Geist, in dem er lebte und kämpfte, wird in uns allen, die wir ihn kannten, sortleben und für uns Ansporn zur tatkräftigen Erfüllung unserer Ideale sein. Eugen Kamberg, (Bavariae, K.C.-Stammtisch-Frankfurt a.M. Erich Scharsftein. jGhibelliniae) Als ich verwundet aus dem Felde ins Lazarett kam, trat mir schon nach wenigen Stunden unvermutet ein bekannter K. C.er, Walter Goldschmidt, entgegen. Aber in die Freude des unverhofften Wiedersehens mischte sich bald ein herber Schmerz, denn gleich seine ersten Worte brachten mir die Trauerkunde, daß mein lieber Freund und KonsuchS, Erich Scharsstein, den ich noch vor wenigen Monaten im Felde getroffen hatte, den Heldentod gestorben war. Wenn ich an Erich Scharsstein denke, dann steht mir das herrliche Sommer-Semester 1914 iy Freiburg vor Augen. 23 Füchse waren wir damals, die sich um GhibelliniaS Banner geschart hatten und die die großen Freuden und kleinen Leiden der Aktivität gemeinsam durchlebten. Wir alle sühlten uns im Lause des Sommers stark durchdrungen von der Tendenz und - den Idealen deS K. C., aber nur wenige waren so tief und innerlich davon erfüllt wie Scharsstein. Mochte er auch der Fröhlichsten einer seinwenn es galt, die Freuden FreiburgS und des eben begonnenen studentischen Lebens zu genießen, sein jugendlicher Frohsinn war gepaart mit innerlichem Ernst, und was ihm an LebenSreife etwa noch abging, das ersetzte seine auftichtige Begeisterung für die Verbindung. Er hat es verstanden, sich in der Korporation unter den jüngeren wie unter den älteren Bundesbrüdern Freunde zu erwerben wie nur wenige der damaligen Füchse. Der Krieg kam, der seine Schatten bereits auf den Schluß deS Semesters vorausgeworfen hatte. Zu seinem eigenen größten Schmerze war es unserm Freunde nicht vergönntwie die meisten Bundesbrüder in der Begeisterung der ersten Tage, hinauszuziehen, um für das Vaterland zu kämpfen. Er war nicht felddienstfähig. Trotzdem meldete er sich als Kriegsfreiwilliger beim Seebataillon und wurde ohne sein Zutun nach einer Borbereitungszeit Marinebeamter. Aber er hat sich in dieser Stellung, die ihm Rang, Gehalt und leichten Dienst brachte, nicht wohl gefühlt) ihn trieb es hinaus ins Feld, nicht zum wenigsten, weil er den Verleumdungen entgegentreten wollte, die sich gegen ihn als Juden richteten. Selbst ein wiederholt austretendes Jschiasleiden vermochte seinem Drange keinen Einhalt zu tun, und endlich im Sommer 1916 gelang eS ihm, für felddienstfähig erklärt zu werden und zurMarine-JnfanterieinFlandern zu kommen. Wie wenig ihn, der auf fo vieles verzichtet hatte, die Gefahren und Anstrengungen deS Krieges in seiner Begeisterung wankend zu machen vermachtem zeigt eine Stelle aus einem seiner zahlreichen Briefe an seinen Bundesbruder upd Landsmann Walter Goldschmidt: „Ich bin jetzt im Felde, im Schützengrabenalleswas geschehen ist, mag vergeffen sein. Für mich gibt eS jetzt nur noch eins, und das ist das Pstichtbewußtsein: Soldat sein vom Scheitel bis zur Sohle! Wahrhaftig, ich bin von Herzen froh darüber, daß ich endlich dort bin, wohin ich mich lange gesehnt habe. Es ist doch eine ganz andere Sache, hier draußen als Soldat als daheim als armselige Schreiberseele am Schreibpult mit der Feder herumzükritzeln. Man weiß doch wenigsten-, wofür man hier ist und was man hier bezwecken soll. Und dieses Bewußtsein stimmt mich froh und läßt mich leichten Herzens die Strapazen deS Krieges ertragen!"

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