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KC-Blätter · 1916-11-01 · Heft 14 (November 1916) · p. Seite 756

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 756 (sequence 6)
Language
German
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756 „Für sein Vaterland' gestorben" schriÄ der Rittmeister und hätte unfern tapferen Fritz/ der am 8. Sept. 1916 in Schaulen starb, dennoch in hie Liste der jüdischen Soldatm hinter der Front eintragen müffen, wenn Nicht das Rufsengeschoß voiHeitig fein junges Leben bemdet hätte. Seinen Freunden muß es ein Trost fein, daß unserem Fritz das Bewußtsein dieser Schmach nicht in das Grab folgte. Fritz, der seit dem 7. Dezember 1916 in der Heimaterde ruht, bleibt uns unvergessen, und von Jahr zu Jahr wird Freuydestrme sein Grab zu finden wissen. Jacoby Lutz (Badeniae-Bavariae). Ludwig Götz. (K.C.-Stammtisch Frankfurt a. M.) In den Maimtagen des Sommer-Semesters 1914 lernte ich im großen juristischen Hörsaale der Heidelberger Universität Ludwig Götz kennen. Alle Versuche, ihn damals zum Anschluß an den K.C. zu veranlaffm, scheiterten daran, daß der strebsame junge Jurist glaubte, durch die Aktivität zuviel freie Zeit einzubüßen, als daß er sich mit seinem Studium, dem er mit ungeheurem Eifer oblag, genügend befassen könne. Innerlich aber war er trotzdem damals schon K.C.er und mit den Zielm und Problemen, denen unsere Arbeit gilt, eingehend beschäftigt. Er lebte in Heidelberg zurückgezogen, dem studentischen Treiben fern, seinem Studium, und wurde einer der Lieblinasschüler unseres gemeinsamen Lehrers, Professor Gradenwitz. Unter der ungeheuren Spannung der letzten Julitage ging das herrliche Friedens-Sommer- Semester 1914 zu Ende. Mit mir verließ auch Ludwig Götz die Uuperto-Larola, um nach vorübergehendem Aufenthalt in München im Spätherbst 1914 nach der neugegründeten Universität Frankfurt a. M. überzusiedeln. Hier trat ich ihm bald freundschaftlich nahe, und hier endlich wurde er, seiner innersten Ueberzeugung entsprechend, als einer der ersten ein begeistertes Mitglied des Anfangs des Sommer-Semesters 1915 gemundeten K.C-Stammtisches Frankfurt a. M. Dem Ernst der Zeit gemäß mußte der äußere studenttsche Betrieb an unserer neuen Arbeitsstätte sich in engen Schranken halten, dagegen konnten wir uns mit voller Kraft der inneren Erziehungsarbeit widmen, und hierbei zeigte unser junger Bundesbruder Ludwig Götz eine freudige Hingabe und ein tiefes Verständnis für die Aufgaben des K C. und des in ihm zusammenaeschloffenen Teils der jüdischen Studentenschaft. Namentlich an den lehrreichen Disküffionsabenden nahm er mit regstem Interesse teil und erweiterte dabei nicht nur seine Kenntnisse, sondern gab auch anderen Anregung. Einen Beleg hierfür gibt sein in den K. C.-Blättern veröffentlichter Rezeptions- Vortrag „Die Kriminalität der Juden"- er ist ein Zeugnis ungewöhnlicher Gründlichkeit des jugendlichen Verfassers. Aber bei allem Ernst, mit dem Götz an die Dinge heranging, war er im Grunde eine heitere Natur und deshalb wegen seiner großen Bescheidenheit bei den jungen Bundesbrüdern und bei den alten Herren doppelt geschätzt. Im März 1916 ries auch ihn, der bis dahin noch nicht tauglich befunden war, das Vaterland zu den Waffen, zur selben Zeit wie mich. Unsere Wege trennten sich vorerst. Doch die Ausbildungszeit ging schnell vorüber und zum ersten Mal traf ich Götz wieder in Bouziers in der Champagne. Der Zufall wollte es, daß wir im Juli dem gleichen Regiment zugeteilt wurden und nun uns gegenseitig oft in der Stellung besuchen konnten. Dort habe ich Götz nicht nur als guten Bundesbruder, sondern auch als einen treuen Kameraden kennen gelernt, und gerne gedenke ich der Stunden, da wir im Schützengraben K.C.-Neuigkeiten austauschten. In den letzten Septembertagen wurde dann unser Regiment zum zweiten Male in die furchtbare Dauerschlacht an der Somme geworfen. Am 1. Roch-Haschonoh- Tag (unser Regiment lag im Feuer) mußte ich mit Befehlen aus der vordersten Stellung durch schwerstes Trommelfeuer zurück. Auf dem Wege kam ich auch an der 10. Kompagnie unseres Regimentes vorbei, zu der Götz gehörte. Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, ihn aufzusuchen, und fand ihn nach kurzer Zeit in einem kleinen Granattoch, in dem er Schutz gegen das gewalttge Artilleriefeuer suchte. Einige Heimliche Worte und ein gegenseitiges „Viel Glück!", dann trennte uns die Pflicht. Ich ahnte nicht, daß es ein Scheiden auf ewig sein sollte. Eine Stunde später wurde ich verwundet, und kaum in einem oeutschen Lazarett angekommen, mußte ich, ttef ergriffen, die Trauernachricht von dem Tode unseres Ludwig Götz erfahren. Am 3. Oktober gab er sein Leben dem Vaterlande hin. Welcher Wertschätzung er sich draußen erfreute, mag das nachstehende Schreiben seinesKompagnieführers an seine Mutter, eine. Witwe, die mit ihm ihr einziges Kind verlor, bekunden. Jnf^Regt. Nr. ..10. Komp. 18./10. 16. Sehr geehrte Frau Götz! Durch Fernspruch ist Ihnen wohl bereitdie traurige Nachricht von dem Heldentode Ihres lieben Sohnes zugegangen. Trotz der zahlreichen Verluste geht eS einem als Kompagnieführer doch immer wieder besonders und persönlich nahe, wenn einer der künftigen Offiziersaspiranten so an der Schwelle feiner stolzen Zukunft hinsinken muß.

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