KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 14 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 755 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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765 wurden zu Feldwebel-Leutnants befördert, 8 K.C.er gehörten bei Kriegsausbruch als Offiziere des Beurlaubtenstandes dem bayer. Heere an. Zritz Rothschild. (Lieariae). Im Mal ~~ Da träumten sie, wie süß daS Leben fei, Und im August Da haben sie alle zur Fahne gemußt. Sie träumten noch: Bon Einzug träumten sie und Siegespreis, Sie träumten von Heimkehr im. EtchenreiS, Bon warmem Händedruck, von heißem Kuß, Und keiner dachte an den TodeSschuß. Nun liegt so mancher schlanke Knab' Im fernen kalten Grab. (Otto Hochmann, «Den jungen Gefallene«.") So riß auch unsern Fritz der Tod aus vollem, jungen Erleben. Monate vor dem August 1914 hatte er von uns Dortmunder K.C.ern auf kuM Frist nach Berlin Abschied genommen, wohin ihn der männlich ernste Wunsch, im vielgestalteten Leben zu lernen und brennende Jugendlust trieben. Nur ungern entbehrten wir ihn, und war's auch nur auf kurze Zeit, und sollten ihn nur als todwunden Soldaten Wiedersehen, um ihn dann für immer zu verlieren. Fritz hatte sich Freunde zu erwerben gewußt. Kam er als junger Student in die Ferien, so weckte er mit seiner oft übermütigen Frische uns anderen, schon damals Jahre in das Philisterleben eingekehrten, die Erinnerung^ an die eigene Jugendzeit und brachte frohe Stunden. Mit Freude nahmen wir seine heimliche Anhänglichkeit hin. Wie hoch auch die Münchener Bundesbrüder seine Freundschaft einschätzten, beweist der Brief seines Leibburschen Or. Picard an seine Mutter: Zu meinem größten Schmerze lese ich ebm nach der Rückkehr aus Rußland, daß mein guter, lieber Freund und BundeSbruderFritz sein junges, hoffnungsvolles Lebm dem Baterlande opfern mußte. Seim Sie versichert, hochverehrte, gnädige Frau, daß mich der Tod meines besten treuesten Freundes unendlich schwer getroffen, daß ich um diesen guten, edlen und selbstlosen Menschen so herzlich trauere, wie ich eS heute vor 2 Jahren um meinen ältesten Bruder getan habe. Fritz — Rothschild rief ihn niemand von uns — wußte unsere Zuneigung noch zu vertiefen, als er nach beendetem Studium zu dauerndem Aufenthalt nach Dortmund kam. Aus dem frischen Studenten war ein Mann geworden, deffen offene, gerade Denkweise und deffen selbstlose Gesinnung ihm viele Herzen für immer gewann. Seinen Freunden dankte er durch eine immer tätige und stets gleichmäßige Liebenswürdigkeit. Schon die ersten Augusttage fanden Fritz, dem das nahe Ende einer achtwöchenüichen Uebung in Frankfurt a. d. Od^r die ersehnte Rückkehr in das Elternhaus verheißen hatte, vor dem Feinde im äußersten Osten. Die Borurteile eines vornehmen JttfanteriEegimentes und. das nicht allzu große Ausmaß feiner Kräfte stellten ihn als Nms«tier in diesen Krieg und bannt vor die schwierigste Aufgabe. Seine Vaterlandsliebe und sein K.C.erstolz hoben ihn über sich selbst empor. In vorderster Linie fanden ihn die Kämpfe an der ostpreußischen Grenze, dieSchlacht bei Tannenberg und die Verfolgung durch Masuren. Eine große Reihe freiwilliger Patrouillen zeigte seinen Vorgesetzten und Kameraden den Gleichwert und die Aufopferungsfreudigkeit des jüdischen Soldaten. Beförderung und eisernes Kreuz lohnten Tapferkeit und Treue. . Unseren tapferen, seinen Körper überwindenden Fritz traf im Walde vor Augustowo am 2. Oktober 1914 der tötliche Geschoßsplitter in Brust und Lunge. Den von seinen weiterstürmenden Kameraden als tot Aufgegebenen findet später der mit einer anderen Kompagnie nach vorwärts drängende Ludwig Rawack, erkennt den Kartellbruder und füllt, im stärksten Granatfeuer bei ihm aushaltend, mit einem Rotverband. das endrinnende Blut. Noch aus dem Lazarett in Dortmund dankte Fritz dem noch im gleichen Monat in Rußland gefallenen Freunde, in der K.C.-Zeitung in warmen Worten den guten Kameraden verewigend. Genesung sollte Fritz nicht mehr finden. Den besorgten Rat seiner Freunde, sich auf das äußerste zu schonen, feine Entlassung zu verlangen und dann Heilung zu suchen, mochten sein Soldatenehrgeiz und der Wunsch, als Jude daA Aeußerste für das Vaterland zu leisten, nicht folgen. Durste er nicht mehr in der Front mitkämpfen, so konnte er dem Rufe des Vaterlandes in die deutsche Verwaltung für Litauen folgen. Daß er auch dort hinter der Front seine Wicht getan, zeigt der Brief seines Vorgesetzten an seine Mutter: Zu dem schmerzlichen Verlust, den Sie durch den Tod Ihres lieben Sohne» Fritz erlitten haben, spreche ich Ihnen mein herzliches Beileid aus. Er starb an den Folgeerscheinungen seiner Verwundung, die er auf dem Schlachtfelde erlitten. Ich fühle Ihren Schmerz nach, auch ich habe Söhne im Felde gehabt und noch dort. Schwer verwundet und niedergebrochen sind mir 2 Söhne erhallen geblieben, der dritte steht vor Verdun. Seit 13 Monaten hat Ihr lieber Sohn Fntz unter mir für die deutsche Berwaltuug für Litauen gearbeitet. Stet» psttchttreu. zuveriäffig und umsichtig. war er mir ein treuer Mitarbeiter und un» allen ein lieber Kamerad, deffen Verlust eine fchmerzltche Lücke ^intcdS^t« Er wird un» unvergessen bleiben. Gott tröste Sie, gnädige Frau, in dem Bewutzlfem. daß Ihr lieber Sohn Fritz gemeinsam mit fo vielen, vielen anderen für fein Vaterland gestorben ist. Er ruht auf dem Ehrenfriedhof kn Schaulem . . . . L..... Rittmeister.