KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 13 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 748 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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748 an der Somme geleistet worden ist und was weiterhin geleistet wird, das kann nicht von einer entrechteten Maste geleistet werden, (sehr richtig! links und rechts) das kann nur geleistet werden von einem Bolksheer, (sehr richtig! links und rechts) das kann nur erreicht werden, wenn draußen Männer stehen, die nicht als Knechte dort stehen, sondern die dort stehen als deutsche Soldaten und als deutsche Bürger. (Bravo! links und rechts.) Deswegen muß immer wieder gesagt werden: es gibt bedauerliche Ausnahmen, und diese müssen bekämpft werden, müssen in energischer Weise bekämpft werden. Aber trotz der Ausnahmen ist das die Wahrheit: draußen steht das deutsche Volk, draußen steht keine entrechtete Masse. (Bravo! links und rechts.) Ich möchte beinahe sagen: die Art, wie Herr vr. Cohn die Dinge dargestellt hat, das ist keine demokratische Art. (Sehr gut! links und rechts.) Denn gerade als Demokrat sage ich: die unvergleichlichen Leistungen unsrer Soldaten waren nur möglich, weil keine Knechte im Felde stehen, sondern aufrechte Männer (Bravo!) im Kampfe um eine gute Sache und gestärkt durch die eigene Überzeugung. (Bravo! links und rechts.) Meine Herren, eS ist heute auch gesprochen worden über die Stellung, die das Kriegsministerium in der Frage der Beförderung der Dissidenten einnimmt. Es ist schon von anderer Seite auf einen Satz im Schreiben des Kriegsministeriums hingewiesen worden, der sagt, daß die Religiosität gerade in diesem Kriege eine erhebliche Stärkung erfahren habe und daß es unverständlich wäre, wenn man in Erkenntnis dieser Tatsache Dissidenten zu Offizieren befördere. Es ist wahr: mancher hat im Kriege eine andere und tiefere Stellung zur Religion geftmden, als er sie vorher hatte. Mancher stcht heute zu seiner Kirche anders als ehemals, und ich glaube, daß gar viele draußen den Spott über religiöse Dinge verlernt haben. Mancher ist gläubig geworden im Kriege. Mer trotzdem habe ich den Eindruck, die Stellungnahme, die das Kriegsministerium in diesem Erlaß einnimmt — soldatisch ist sie nicht! (Sehr richtig! links.) Wie war und wie ist es denn draußen? Der einzelne mag tief gläubig sein, der einzelne weiß draußen im Kampfe, was chm sein Glaube und seine Ueberzeugung bedeutet, aber er fragt den andern nicht danach, welchen Glauben er hat und wie seine Ueberzeugung ist. (Sehr richtig! links.) Wenn der andere nur ein guter Kamerad und ein tapferer Soldat ist, dann ist er chm recht und lieb als Freund und Kriegsgefährte. Es paßt die ganze Verfügung und die Stellungnahme des Kriegsministertums nicht in den Krieg. Es fällt einem da unwillkürlich ein, wenn man von der soldatischen Seite der Sache spricht, wie in Wallensteins Lager — ich will gewiß die Armee jener Zeit nicht mit der unsrigen vergleichen — der Jäger sagt: „Da fragt niemand, was einer glaubt." Das ist soldatischer Standpunkt daß einer selber seine Stellung zu seinem Gott wählt, daß er seiner Ueberzeugung und seinem Glauben lebt und doch die Anschauungen anderer achtet und ehrt.. Und dann: man kann Gedanken und inneres Erleben doch nicht reglementieren. Wie ich den Brief des Kriegsministers gelesen habe» fiel mir — damit bei einer derartigen ernsten Sache auch ein Nein wenig der Humor zur Geltung kommt — ein böser Witz ein; er stammt noch aus dem Frieden: Die Einjährigen treten an und der Kompagnieführer fragt sie nach ihrer Religion; einer sagt, er sei Dissident; was sagt ihm da der Hauptmann? — „Wenn Sie sich bis morgen keine anständige Religion zugelegt haben, dann schreibe ich Sie zu den Juden!" (Große Heiterkeit.) Der Witz wird noch in einer anderen Form erzählt, noch sarkastischer und schärfer: „Kerl, wenn Sie bis morgen keine anständige Religion haben, dann sperre ich Sie drei Tage ins Loch!" Mit staatlichen Maßnahmen kann man die Religiosität nicht stärken und nicht verttefen. Wenn einer draußen seine Pflicht und Schuldigkeit getan hat, wenn er ein tapferer Soldat war, und wenn seine Vorgesetzten sagen, er sei ein famoser, schneidiger Kerl, soll er dann deswegen nicht befördert werden, well er in Dingen des Glaubens anders steht, als es von obenher gewünscht wird?! Das führt nicht zur Religiosität, das führt nicht zum wahren, treuen Glauben, sondern daS führt zu einem heuchlerischen Bekennen von Ueberzeugungen, die der einzelne nicht hat. (Lebhafte Zustimmung links.) Nun möchte ich auch noch etwas zu der letzten Verfügung des KriegsminifteriumS vom 11. Okwber d. I. sagen, durch die das Kriegsministerium eine Zählung der jüdischen Soldaten an den verschiedenen Stellen der Armee angeordnet hat. Ich will dazu sprechen, well ich Jude bin, und well ich nicht wünschen würde, daß der Eindruck entsteht, als ob ich absichllich in dieser Frage geschwiegen hätte. Denn ich habe eS immer für meine Pflicht gehalten, offen und frei zu bekennen, was ich bin, und nicht zu verheimlichen, welcher Glaubensgemeinschaft ich angehöre. (Bravo! rechts.) Da will ich dem Kinegsministerium sagen: sein Erlaß hat in den weitesten Kreisen der deutschen Juden und wohl auch well darüber hinaus lebhaftes Befremden erregt. (Sehr richtig! links.) Dieser Erlaß hat Befremden erregt auch außerhalb der Kreise der deutschen Juden, nämlich dort, wo man der Meinung ist, daß wir jetzt in dieser Zeit die innere Einheit und die innere Geschloffenhett noch dringend notwendig brauchen. (Sehr richtig! links.) Dieser Erlaß hat überall dort Befremden erregt, wo man meint, daß es dringend notwendig ist, daß wir in diesem schweren Kampfe alle Bolkskräste einheitlich und geschlossen zusammenfassen. (Bravo! links.) ES ist von seiten des Kriegsministeriums heute erllärt worden, daß der Erlaß nicht böse gemeint war, daß daS Kriegsministerium sich lediglich das statistische Material verschaffen wollte, um Vorwürfe, die erhoben worden sind, nachzuprüfen, und um diesen Vorwürfen, wenn sie ungerechtfertigt find, entgegentreten zu können.