KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 13 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 747 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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747 ' Auch wir wollen, bevor wir nun schließen, uns selber Rechenschaft ablegen über das, was wir ausgeführt haben. Wir sind an das Judentum herangegangen als Wissenschaftler und haben uns bemüht, es — als was anderes wir es wissenschaftlich nicht aufsassen können — als Anwurf, Aufgabe, Versuch zu erfassen, und nicht zunächst in gewerteten Standpunkten, als da sind „geossenbarte Religion", „nationales Eigentum" oder „Konfession". Und insofern wir in dieser Weise an es heranginaen, beschritten wir den Weg, der später in den des modernen Judentums mündet, das aus seinem geschichtlichen Zusammenhang gerissen, den Weg zur Religion der Väter zurücksucht. Dieser Weg führte zu einer Auseinandersetzung des Judentums mit der modernen Kultur. Wir haben ihn nicht zu Ende abgeschritten, sondern nur im Rahmen, den uns unsere Aufgabe beschränkend auferlegte Beschritten wir diesen Weg, um jenen vielen, die längst entfremdet, eine Möglichkeit der Rückkehr zu verschaffen, so führte uns hierzu die Frage nach der „Erhaltung des Judentums"! Auch hier sind wieder verschiedene Wege möglich, die psychologisch zu begründen wir zunächst'die logische Trennung von Judentum und Judenheit Vornahmen. Es ist hier der Scheideweg zwischen modernem Judentum und Zionismus. Findet dieser die Erhaltung des Judentums in seiner ethischen Neubegründung, in seiner ständigen Weiterschaffung, so glaubt jener in der neuen nationalen Begründung des Judentums der Erhaltung am besten zu dienen, indem er die Erhaltung des Judentums von der Erhaltung der Judenheit als einheitlichem Ganzen abhängig macht. — Insofern es sich aber bloß um die praktische Frage der Judenheit Handelte,, schieden sich der nationale uno der Staatsbürger-' gedanke voneinander. Ihre Möglichkeit und Rechtmässigkeit nebeneinander haben wir erkannt, und jetzt gilt es nur, der gesamten Judenheit es ins Bewußtsein zu hämmern, daß nicht der einzelne Standpunkt, die einzelne Grundlegung „das wahre Judentum" und die anderen als „falsche" auszuschließen berechtigt ist! Daß nicht das orthodoxe, nicht das moderne, nicht Deutsch-Judentum noch Zionismus allein das „wahre", das „wirkliche", das „einzige" Judentum ausmachen können! Das wahre Judentum ist nur die Richtung, die der sittliche Wille in seinen Grundlegungen einzuschlagen gesonnen ist. Das wirkliche Judentum ist die große Melodie, die aus dem gewaltigen Orchester aller möglichen Instrumente hervorklingt. „Sagen wir es uns daheim und aus dem Wege, beim Niederlegen und beim Ausstehen, schreiben es in unsere Häuser und Herzen", daß alles, was zum Judentum will, es sich zur Aufgabe werden läßt und einen möglichen Weg zu ihrer Lösung ernstlich beschreitet, zu ihm gehört! Daß keine Richtung die andere gehässig verleumden darf, sondern nur ehrlich bestrebt sei, ihre Anhänger auf ihrem Wege zum Judentum zu unterstützen. Die Außenwelt kehrt sich nicht an Ausschließungsschreie im Inneren des Judentums. Wer sich das Judentum zum Problem werden läßt, der gehört aber nicht allein vor der Außenwelt zu ihm, sondern auch innerhalb des Judentums soll es Wirklichkeit werden, daß jeder nur bestrebt ist, den Beweis für die Rechtmäßigkeit seiner Grundlegung zu erbringen, daß sie die beffere, die einfachere und darum vielleicht um so wahrere ist! Wenn wir selber als K.C.-er heute dem Deutsch-Judentum herzinnig angehören, so find wir es in der Ueberzeugung, daß unsere Zugrundelegung, die heute durch das kostbare Blut vieler Tausende von Glaubensbrüdern in einander fremden Heeren besiegelt wird, die rechtere, die beffere, die wahrere ist. Well in uns die lebendige Hoffnung aus verheißungsvolle Zukunft, gestützt auf unsere Kraft, wach ist! Rede des Reichstagsabgeordneten vr. Ludwig Haas') (Badeniae, Jriburgo-Ghibelliniae) zum Erlaß des Kriegsministeriums betr. die Zählung der Juden im Heere vom 11. Oktober 1916 in der Sitzung des Reichstages vom 3. November 1916. Meine Herren, zunächst eine Bemerkung zu den Ausführungen des Herrn Abgeordneten vr. Cohn! Auch wir erhallen in immer stärkerem Maße Klagen von Soldaten aus der Front und aus der Heimat über ungeeignete Behandlung. Wir wiffen, daß daS Kriegsministerium — und von den verschiedensten Seiten ist das anerkannt worden — sich energisch bemüht, diesen Übelständen abzuhelfen. Wir wiffen, daß es unmöglich ist, alle Klagen zu beseitigen; aber wir meinen: es muß mit äußerster Rücksichtslosigkeit vorgegangen werden; denn es darf nicht verschwiegen werden: nach den Beobachtungen, die wir machen, wächst die Mißstimmung in außerordentlicher Weise. (Sehr richtig! links.) Aber, meine Herren, wir wollen auch in aller Deutlichkeit hinzusetzen: so dürfen die Dinge nicht dargestM werden, wie der Herr Abgeordnete Cohn sie dargestM hat; so dürfen wir nicht verallgemeinern; es geht nicht an, daß man davon spricht: unsere Armee sei ein Klassenheer; — es geht nicht an, daß man die Dinge so darstellt; draußen stehe eine entrechtete Maffe, draußen stehe eine Masse von Knechten, beherrscht von stohen Herren. Meine Herren, wenn es so wäre, dann hätte das» was erreicht worden ist, nicht erreicht werden können. (Sehr gut! links und rechts.) Das, waS in den schweren Tagen *) Veröffentlicht nach dem amtlichen Sitzungsbericht.