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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · p. Seite 745

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 745 (sequence 39)
Language
German
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Deutschland erzogen, in Deutschland hat er seine Wirkungsstätte, in deutschem Boden ruhen in unendlicher Reihe seine Vorsahren, für ihn gibt es gar keinen Zweisel darüber, daß er von Nationalität Deutscher ist und eben nur von Glauben Jude. Auch hier spricht die Gewohnheit, die Sitte, der Brauch und das Nachdenken bereits vorher gedachter Zusammenhänge mit. Die Vorsahren haben auch nicht anders gedacht, die Zurücksetzung der Juden ist ein Ueberbleibsel aus vergangener Zeit und wird und muß langsam schwinden. Wie die Juden in der Welt verteilt sind, werden sie einst als Staatsbürger ihrer Nationen ihr Dasein fristen. Auch hier steht der Begriff der Judenheit hinter dem also Denkenden, er wächst aus ihm heraus, sein Dasein als deutscher Jude ist ihm gegeben und braucht von ihm nur dahingenommen zu werden. Doch der Reiz der Analogie und der Schablone darf uns nicht verführen, mit dieser Begründung des Deutsch-Judentums im Begriff der Geschichte es genügen zu lassen. Denn schon der bloße Hinweis daraus, daß sein Denken nicht bloß abhängig ist von einem bereits gegebenen metaphysischen Urbild der Wahrheit als Offenbarung, läßt die Möglichkeit weiterer Bewegung erkennen. Mag vieles * am Deutsch-Judentum in bloßer Geschichte wurzeln, so kann dennoch sein Denken auch problematisch sich auswirken. Und auch hier beginnt sür den deutschen Juden das Problem, indem er nach der Möglichkeit des Bestandes der deutschen Judenheit, oder weiterhin der Judenheit überhaupt fragt. Die halbe Rechtsstellung' einzelner Teile, die völlige Rechtlosigkeit anderer Teile, drängt ihn zu einer Lösung der Judenfrage. Und. in - der Bestimmung seiner Aufgabe,. in seiner Grundlegung liegt auch der Weg,, den er zu schreiten hat. Spricht er von einem Deutsch-Judentum, nun, so mutz er auch ein französisches, ein spanisches, ein russisches, ein englisches etc. Judentum daneben anerkennen. Oderum' es unter einem' Begriffe zu fassen, legt er eine Teil-Jüdenheit zugrunde, so wird er auch ' nur eine Teil-Lösung finden. Der Weg führt von unten herauf zur Höhe einer allgemeinen'Judenheit, die durch das 'geschichtlichgemeinsame Judentum verbunden, national getrennte' Slaatsbürgergruppen bilden. Es ist daher auch kein Zufall und'keine-Willkürsondern notwendige Konsequenz, wenn - die- Organe der Deutsch-Judenheit zunächst'nur eine innerdeutsche und erst! von dort' ausauch eine' allgemeine jüdische Lösung suchen. Erst der in-vollendetem Rechte, stehende«' deutsche» Staatsbürgerjüdischen Glaubens! wird » auch -seinen" Brüdern in? anderen Staaten •- zu - gleicher Stellung -verhelfen.! Ist' aber diese Lösungvom Teile. ausgehenddie einzig mögliche?' Ist es nicht'zu denken, ddßi vom Ganzen aus eine Lösung der Stellung der Telle möglich ist? Diese Umkehrung des Weges vom Ganzen zum Teile, statt vom Teile zum Ganzenist tatsächlich die Grundlegung des Zionismus. Denn nichts anderes als den Begriff des. „Ganzen" bedeutet es, wenn er die gesamte Judenheit als „Nation" aufgefaßt haben will. Für ihn ist diese Nation Ziel, Zweck und Ende. An ihrem Begriff hat sich alles Denken über Juden und Judentum zu korrigieren. Darum ist es keine Phrase, wenn in der zionistischen Literatur soviel vom großen Umlernen gesprochen wird, dasder einzelne in seinen Anschauungen vorzunehmen habe. Die Umkehrung des Weges bedeutet zunächst die Loslösung von der unmittelbar gegebenen Geschichte. Der deutsch geborene Jude muß sich plötzlich vorstellen, er sei ein Nur-Jude, der einer großen, umfaffenden Nation angehöre, und nur — wie andere Ausländer — das deutsche Staatsbürgerrecht erworben habe. Auch der Begriff des Staatsbürgerrechts gewinnt von der. zionistischen Warte aus eine gartz neue Bedeutung. Bedeutet es für die anderen die Erfüllung und Krönung ihres Weges, so hat es für sie. nur die Bedeutung einer Rechtsverschiebung innerhalb eines internationalen Rechtes. Ist es für die anderen eine ethische Forderungdie notwendig gewährt werden muß, so ist-es für sie nur eine politische- Forderung, die gefälligerweise gewährt werden kann. Wir würden hingegen auch hier nicht die ganze Tragweite des Zionismus ermessen, wollten wir ihm bloß das Problem der „Judenheit" stellen. Nur zu besserer Einsicht nahmen wir die Trennung zwischen „Judentum" und ,^Judenheit" vor, die sich natürlich nur logischd. h. in unserem Sinne mit dem Verstände, im Gedachten, nicht aber in der Wirklichkeit vornehmen läßt. Denn schon unser Schwanken im Ausdruck zwischen „Deutsch-Judentum^ und „Deutsch-Judenheit", zeigt, daß unmittelbar mit der deutschen Judenheit ein Kulturbegriff unendlich nah verbunden gedacht wird, dersich eben nicht anders - als mit: ),Deutsch-Judentum" übersetzen läßt: Im Gegensatz hierzu löst sich auch da der Zionismus-von der unmittelbar gegebenen Ge-- schichte los' Da heißt - es nicht „deutsch-jüdische", sondern „jüdische" Kultur! Und so wahr Kultur Menschenleistung ist, so sehr gilt dem Zionismus das Judentum zunächst nicht»als religiöse Macht, sondern als Leistung der Judenheitdieohne, die.Judenheit überhaupt nicht denkbar sei. Auch das Judentum in der geschichtlich überlieferten Form der Bibel und - des - Talmud ist zunächst jüdisches Eigentum, Literatur, nationale Leistung. Es kömmti darauf» hinaus, datz -die Grundlegung des Zionismus^-— ebenjener-Begriff des „Ganzen"-

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