KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 13 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 738 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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738 «mtf der Feigheit und Schlappheit des jüdischen Studenten war immer seltener zu hören. Die junge Verbindung trug bald das ihre dazu bei, daß er ganz in die Versenkung überlebter Vorurteile verschwand. Das Säbelfechten wurde auf das emsigste gepflegt und als die Thuringia eigene Waffen aufmachte, wurden sie von allen Korporationen anerkannt. Die schweren Kämpfe, die dieser Schritt einst den Biadrinen gekostet hatte, blieben der neuen Verbindung erspart. Mit aller Kraft wurde in ihr nun daran gearbeitet, daß der alte Waffenruhm der Biadrina auch der jungen Fahne treu blieb. Und bald war auch die Thuringenklinge bekannt und gefürchtet. Auch im Verkehr der Breslauer Korporationen zueinander gelang es unserer Verbindung bald, sich die volle Gleichberechtigung zu erringen. Nicht weniger erfolgreich war die Arbeit für die Verbreitung des K. C.-Gedankens in der jüdischen Philisterschaft. Die sogenannte beste jüdische Gesellschaft in Breslau zeigte noch am Anfang unseres Jahrhunderts eine geradezu verblüffende Verständnislosigkeit für die Forderung des selbstbewußten jüdischen Bekenntniffes. Ls galt insbesondere als verfehlt, sich mit jüdischen Fragen zu beschäftigen. Der jungen Thuringia war es drum nicht leicht gemacht, mit ihren Tendenzen in diesen Kreisen, die im Interesse der gesellschaftlichen Stellung der Verbindung in erster Linie zu erobern waren, Anklang und Aufnahme zu finden. Besonders da die sogenannten paritätischen wissenschaftlichen Vereine für Breslauer Akademiker der ersten Streife die traditionellen Quellen studentischer Erziehung bildeten und im geselligen Verkehr tonangebend waren. Gerade in ihnen stand die charatterisierte geflissentliche Verleugnung des Judentums in besonderer Me. Schritt für Schritt ist es der Thuringia gelungen, auch in diesen Kreisen Verständnis für den K. C.-Gedanken, für die unumgänglich notwendige Erziehung des jungen Akademikers zum selbstbewußten Juden zu erwecken, und fich auS ihnen von Jahr zu Jahr mehr zu rekrutieren. Es soll nicht verkannt werden, daß in der kräftig sich entwickelnden jüdisch-nationalen Bewegung uns bei der Arbeit des JntereffeweckenS für jüdisches Bewußtsein ein starker Bundesgenoffe entstand, der aber bald begann, in seinem extremen Ziele fich zum entschiedenen Gegner unserer Bestrebung zu entfalten. Im Zweifrontenkriege gegen zu große Wische Jntereffelosigkett und auf der andern Sette gegen die wütende Agitation zionistischer Kreise spielte fich der Kampf ab, indem die Verbindung vor allem bei dem halbjährigen Keilbetriebe ihre Daseins- Notwendigkeit zu verteidigen hatte, und fie stets aufs neue erwies. Beretts das 10 jährige Stiftungsfest mit seiner Resonanz in der jüdischen Gesellschaft war ein machtvolles Zeichen des vollen Erfolgeunserer Bestrebungen nach der einen Richtung. Die Wut der Angriffe von zionistischer Sette läßt uns erkennen, wie hoch als Gegner ihrer Bestrebungen die Verbindung und ihre Arbeit von ihnen selbst eingeschätzt wird. Bei Kriegsausbruch entsprachen Einfluß und Geltung in der jüdischen Philisterschaft voll den Erwartungen und Hoffnungen, mit denen vor nunmehr 15 Jahren die junge Verbindung gegründet war. Was die Verbindung mit ihrer Jnnenarbeit an erzieherischen Werten einem jeden ihrer Mitglieder gegeben hat, das brachte der Krieg in ganz besonderer Weise uns allen zum Bewußtsein. Die unvergeßlichen Tage deS KriegSbeginnes zwangen jeden Denkenden zur Revifion seiner Anschauungen, nur was dem Gebote der Stunde standhalten konnte, erschien vor unserem Gewissen als wahr und echt. Das Wort vom Umlernenmüffen war Gemeingut aller Bekenntniffe aus jener Zeit. In den Ideen und Anschauungen, die wir der erzieherischen Wirkung des K. C.-Gedankens in unserer Verbindung verdanken, haben wir in nichts nöttg gehabt, umlernen zu müffen. Die Pflege deutsch-vaterländischer Gefinnung, die der K. C. als eine seiner Hauptaufgaben betrachtete, hatte unserem Herzen die Fähigkeit geschaffen, der Hochflut patriottschen Empfindens sich rückhaltlos hingeben zu können. Keine angelernten politischen Ueberzeugungen standen im Konflikt mit der festen Stimmung inniger Vaterlandsbegeisterung. Wir hatten keine sophistischen Beschwichtigungsgründe nöttg, um uns trösten zu können mit deutschem Fühlen und Denken. Ganz nur als ^Deutsche uns zu fühlen, hatte unsere Verbindung unS gelehrt. Mit Stolz und Glück durften wir uns in jenen Tagen des Kriegsausbruches dem Bewußtsein hingeben, ganz nur Deutsche zu sein, für unser geliebtes deutsches Vaterland kämpfen und sterben zu dürfen. Auch für den Kampf hat unS die Korporation-- erziehung in langer Friedensarbeit vorbereitet. Körperliche Ertüchttgung seiner Mitglieder war ja ein Hauptstreben unseres Verbandes. Furchtlos Gefahren ins Auge zu sehen, hat unS die Verbindung gelehrt, und restlose Hingäbe für eine gemeinsame große Idee erforderte die Arbeit für den KE. von jeher von einem jeden von uns. Und ebenso unbedingte Unterordnung der eigenen Persönlichkeit unter ein höheres gemeinsames Ziel. Den nöttgen Soldatengehorsam, der manchem ungedienten Landsturmmanne die ersten Wochen des Rekrutendaseins so besonder-