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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · p. Seite 737

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 737 (sequence 31)
Language
German
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737 sich als Deutscher einzusetzen, die kraftvolle Geschlossenheit seiner Persönlichkeit empfindet und im Gefühl der Verantwortung für die Zukunft seines Vaterlandes seine Kräfte wachsen fühlt. Und auf der andern Seite : jene internationale, alles gleichmachende Grundanschauung der national-jüdischen Bewegung, die im Träumen von einer jüdisch-nationalen Lebensgemeinschaft über die wirklichen nationalen Verschiedenheiten leicht hinwegzugelangen glaubte, kann ernsthaftnichtmehr Bestand haben nach einer Zeit, die auch unter den Juden des Erdballs — jenseits von Religion und Stammesgemeinschaft — keine inneren Bande, sondern nur nationale Gegensätze und Kämpfe sieht, oie uns zugleich die wesensfremde Kulturart der Ostjuden nahegerückt hat. Und ebenso hat das in pessimistischerStimmung auf Entwurzelung aus der deutschen Gemeinschaft gerichtete Streben sein Grab gesunden durch die gewaltigen Erlebnisse, die uns nur noch fester mit dem deutschen Vaterland verbunden haben. Wo ist der jüdische „Gast", steht er wirklich nur aus dem schwachen Gefühl desDankes für die genoffene Gastfreundschaft neben dem „Wirtsvolk"? Gerade auch in denjenigen Kreisen deutscher Juden, die unser Deutschtum nicht wahrhaben wollten,wird jetzt übereinstimmend anerkannt, daß nicht aus gesetzlichem Zwange, sondern aus dem Gefühl der inneren heiligen Pflicht, aus vollem Gemeinschaftsgefühl der deutsche Jude sich mit allem Sein und Rönnen für sein Vaterland einsetzt. So offenbart sich der Krieg als Richter über den widerstrebenden Strömungen in der deutschen Judenheit; wo in treibhausartig abgeschlossener, unnatürlicher Atmosphäre künstliche Gefühle haben emporschießen können, da schafft'er der Wirklichkeit wieder ihr Recht und führtmlle der Gemeinschaft wieder zu, der sie angehören und in der allein sie ihre natürlichen Lebensbedingungen finden. Daß die Früchte dieser großen Zeit sich von heute aufmorgen zeigen werden, glauben wir nicht. Es ist schwerlich .zu erwarten, baß, so tief auch die innere Erschütterung-unserer. Tage geht, noch dieselben Personen, die ihre bisherige Lebensarbeit jenen-verfehlten Ideen hingegeben haben, verbrennen werden, was sie angebetet haben. Aber das Erlebnis unsrer Zeit wirkt mit zwingender Kraft' fort und fort. Und das ist der. yoffnungsfrohe-Ausblick, den der K. C.-Gedanke nach 30jährigem Wirken auf seinen weiteren Weg mitnehmen darf: Wir sind auf dem rechten Wege! Die Gesundung der deutschen Judenheit im Sinne des K. C.-Jdeals wird »immer weiter, fortschreiten. Der K. C.-Gedanke wird weiter leben, wachsen und blühen und. so hoffen wir, bald auch alle jene Kräfte, die jetzt in unfruchtbarem: Mühen: ihr reiches Können und ihr gutes jüdisches -Herz vertun, mit: uns zum Nutzen des deutschen Vaterlandes, zum Heil unseres Judentums vereinen. IS Jahre „Thmkngia" von Otto Schlesinger (Thuringiae). Unsere liebe Verbindung im K. C. Thuringia geht dem ErinnerungStage ihres 15jährigen Bestehens entgegen. Das innige Verhältnis, das Verbindung und Student zusammenhält, gibt der Feier eines Stiftungsfestes seine besondere Weihe. Mit erfrischendem Hauche bläst. die weinduftende Aura academica das graue Gewebe von Lebenserfahrung und Aktenstaub herunter auch vom Herzen des ältesten „alten Herrn" und drei Tage lang schlägt es mit dem des jüngsten Fuchsen in gleich stürmischer Jugendseligkeit, Torheit und Schwärmerei. Zwei Jahre Krieg haben uns r beinahe; das Verständnis für die sonnige Heiterkeit solch unvergeffener Tage geraubt. Wie ein Bild aus alten, längst vergangenen Zeiten erscheint uns allen die Erinnerung an sie. 'Aber auch in Kampfesnot und -Brausen wenden wir uns dem Tage des 15 jährigen Stiftungsfestes unserer Verbindung mit festlichen Gedanken zu,, anders als sonst, aber' dankbar und froh wollen» wir eS begehen. Nur wenigen ist es vergönnt, zur schlichten Feier in Breslau sich einzufinden. Mit allen'lieben Bundesbrüdern, die in Ost, West und 'Süd treue Wacht halten für unser Vaterland, soll eine Stunde fröhlichen Gedenkens an unsere Verbindung uns festlich vereinen. An das, was' die „Viadrina" geleistet hat, i sollte die vor 15 Jahren neu zu gründende! Schwesteroerbindung anknüpfen. Dem allerorts aufblühenden K. C.-Gedanken war in Breslau — dem Ausgangspunkte der Bewegung — ein Organ zu schaffen, das in alter Biadrinenschneidigkeit den selbstbewußten jüdischen Akademikern Gelegenheit bieten sollte, ihre Stellung in den Reihen der Korporationsstudenten auszubauen und zu befestigen, und dem die Aufgabe oblag/ der hohen K. C.-Änschauungin der jüdischen Philisterschaft Anerkennung zu erringen und immer weitere Kreise für sie zu gewinnen. Im Kampfe für die Gleichberechtigung in' der Studentenschaft war bald zu erkennen, wie großes die Viadrina - geleistet; der jungen Verbindung kam all das zugute, was sie ^geschaffen - hatte. Der offene RadaU'Antisemilismus,- der glaubte, sich rungeniert igegen jeden-sichja dock? duckenden Juden auf der? Straße; und im Hörsaal breit machen zu können, > war - verschwunden, gehörte nur noch zu denseltenen Ausnahmen. Es war zur Selbstverständlichkeit in akademischen Kreisen geworden,: daß auch der jüdische Student, mit der studentischen Waffegleich jedem: anderen - ans Beleidigungenreagierte. Wieerlreagierenkannte, das hatten die Viadrinen - bewiesen, der 1 Vor-

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