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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · p. Seite 731

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 731 (sequence 25)
Language
German
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731 Weiter sind die Bewegungen zu nennen, die, ohne sich mit den allgemeinen, aus dem K. C.- Gedanken folgenden AuHaben zu decken, sich einzelne besondere, im Rahmen unserer allgemeinen Arbeit liegende Ziele gesetzt haben. Auch sie dienen der Erstarkung des jüdischen Gemeinsinns und sichern durch ihre Sonderarbeit dem K. C.-Gedanken Rückhalt und Vertiefung. Ich meine alle jene in unserer Zeit mit neuem Leben erfüllten Bestrebungen, die der Pflege der Wissenschaft des Judentums und der jüdischen Geschichte dienen, dem deutschen Juden jüdisches Wissen und die jüdische Vergangenheit als lebendiges Eigentum vermitteln. Ich erwähne ferner jene Strömungen — sie haben vor allem im Hilssverein der deutschen Juden eindrucksvolle Betätigungsform gefunden,— die der Förderung aller Glaubensgenossen gellen, gleichviel welcher Volksgemeinschaft sie angehören, und durch ihr als Gemeinschaftspflicht' geübtes Liebeswerk das jüdische Gemeinschaftsgefühl wachzuhalten an der Arbeit sind. Schließlich sei in diesem Zusammenhang des zu Beginn des neuen Jahrhunderts geschaffenen „Verbandes der deutschen Juden" gedacht, als des großen Baus zentraler Zusammenfassung zur geschloffenen Vertretung aller den deutschen Juden gemeinsamen Interessen, ein ebenso großzügig dem jüdischen Gemeinschaftswohl gewidmetes Werk wie in jüdischen Gemeindeangelegenheiten der „DeutschisraelitischeGemeindebund".AlledieseBestrebungen dürfen vom Standpunkt des K. C.-Gedankens als Ausbau und Befestigung seiner Grundlinien angesprochen werden, als die selbstbewußte Lebensbetätigung der Gesamtheit der deutschen Juden. Im gleichen Sinne sind aber auch jene Strömungen bedeutsam, die zwar nicht die gesamte deutsche Judenheit zur Grundlage haben, sondern, Parteien und Gegensätze schaffend oder verschärfend, auf religiösem Gebiet eine Verinnerlichung anstreben. Das neuerdings wieder regsame religiöse Leben im Schoße der deutschen Judenheit, gleichviel in welcher Richtung es sich bewegt, ob es von orthodoxen oder religiös-liberalen Anschauungen getragen ist, ist letzten Endes die lebendige Aeußerung des religiösen Gemeinschaftsgefühls, die auf verschiedenen Wegen gesuchte Lösung, die religiösen Heiligtümer, die unsre Väter aus Not und 'Verfolgung gerettet haben, als volles, inneres Eigentum uns und unfern Nachkommen zu erhalten. Der Kamps gegen die Gleichgiltigkeit, die hingebende Treue an unsre Religion sind die Ziele hüben wie drüben- Ziele, die im Rahmen des K. C.-Gedankens Liegend, seine Grundlagen zu verinnerlichen die Kraft haben. Der K. C.-Gedanke, der an alle deutschen Juden seinen Mahnruf richtet, der gerade jenseits entzweiender Sonderfragen den großen Gedanken geschloffener Einheit und einmütiger Zusammenfassung aller Kräfte verwirklichen will, kann sich nicht auf die eine oder die andre Richtung festlegener muß seinen Anhängern überlaffen, auf welchem Wege sie die Vertiefung des religiösen Gefühls für sich erhoffen. Freilich, das eine bleibt deshalb als unbedingte Forderung, daß ein jeder es wirklich ernst meine mit seinem religiösen Wollen und zu einem festen innerlichen Verhältnis zu den Gütern unsrer Religion gelangedann ist er als wertvoller Mitarbeiter an dem Ausbau der jüdischen Gemeinschaft willkommen. EL Es sind oben in den Grundzügen die Beziehungen erörtert worden, die den K. C.-Gedanken mit denjenigen Strömungen verbinden, welche seine Verbreitung und Befestigung im ganzen Inhalt oder seine Förderung und Vertiefung in den einzelnen Aufgaben bewirken. Anders steht es mit der Bewegung, die, ebenfalls ein Kind der letzten Jahrzehnte, in ganz besonderem Maße unser Denken- und Fühlen aufgewühlt hat, der national-jüdischen Bewegung. Hier handelt es sich, was gemäß der Unklarheit der erst nach und nach zu bestimmteren geistigen Zielen sich entwickelnden Bewegung nur allmählich in die Erscheinung getreten ist, um Grundanschauungen und Grundziele, die gegen den Kern des K. C.-Gedankens gerichtet find. Die Auseinandersetzung mit dieser Idee, die den K. C.-Gedanken in seinen Gefühlsgrundlagen auf die schärffte Probe gestellt hat, die ihm zuteil werden konnte, hat die gesunde Kraft unseres Wollens in ihrer vollen Natürlichkeit klargeleat. Eben deshalb wollen wir anerkennen, daß selbst dieser Kampf, so schädlich und unerfreulich er — namentlich durch seine scharfe, sachlich nicht gerechtfertigte Form — als Moment tiefgehender Entzweiung und Begriffsverwirrung nach innen und außen gewirkt hat, gerade durch das Gegenbeispiel des' unnatürlichen, geMnstelten Empfindungskomplexes zur Festigung und Vertiefung der Gefühlsgrundlagen des K.C.-Gedankens gegeführt hat/ebenso daß die neue Bewegung, insoweit sie die Gleichgültigen aüfzurütteln strebt, in der Richtung des K. C.-Gedankens gewirkt hat. Man hat zu Unrecht behauptet, die auf dem K. C.-Gedanken aufgebauten Organisationen, in erster Reihe unser Bund und der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, hätten, indem sie gegen die Anschauungen der nationaljüdischen Bewegung Stellung nahmen, eine Einengung ihrer ursprünglichen Grundlagen vorgenommen. Der K.C.-Gedanke ist, wie schon oben betont worden ist, in allen seinen Grundanschauungen so geblieben, wie er von Anbeginn gewesen ist. So sehr man zur Verhütung der

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