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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · p. Seite 730

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 730 (sequence 24)
Language
German
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730 kulturellen Werdeganges ergab sich von vornherein für den K. C.-Gedanken die zweite Ausgabe, alle die kulturellen Werte, die unsere Persönlichkeit dem Emporwachsen in der deutschen Volksgemeinschaft verdankt, treu zu hüten und unsern Platz als Deutsche gegen jede Anfechtung zu behaupten. Man lese immer wieder jenen ehrwürdigen Aufruf nach: „Wir vertreten aber dabei den Grundsatz und werden durch unser Verhalten den Beweis dafür liefern, daß wir Juden und zugleich Deutsche im wahren Sinne des Wortes sein können. Wir wollen uns zu Männern erziehen, die alle Anforderungen, die der Staat an seine Bürger stellt, mit Begeisterung und Pflichttreue erfüllen und gemeinschaftlich mit unsern christlichen Mitbürgern an der Lösung der großen Aufgaben der Zeit Mitarbeiten. Ein Zusammenschluß der Juden bedeutet keineswegs einen Abschluß nach außen." Pflege deutscher Gesinnung, Erziehung zu deutschem Gemeinsinn, zu tätiger Mitarbeit für die Größe und Zukunft des deutschen Vaterlandes war also von Anbeginn die zweite unumstrittene Erziehungsaufgabe der K. C.-Verbindungen. Nach dem Gesagten bedarf es keiner besonderen Betonung, daß für die Schöpfer des K. C.-Gedankens zwischen dem jüdischen Gemeinschaftsgefühl und der deutsch-vaterländischen Gesinnung keinerlei Widerstreit bestand, ebensowenig wie die Sonderarbeit für die jüdischen Interessen der Mitarbeit an dem Werke der deutschen Kultur im Wege stand. „In jüdischen Dingen jüdisch, in deutschen Dingen deutsch!" Das war die selbstverständliche Losung, ausgehend von dem richtigen Gefühl, daß unser Judentum uns in ganz'bestimmter Geistesrichtung — in religiöser Beziehung mit den durch die Stammesgemeinfchaft und die gemeinsame Geschichte bedingten Sonderheiten — ergreift und uns im übrigen freie Hand läßt, daß ebenso unser Werden in deutscher Heimat uns auf dem Gebiete des religösen Fühlens und des Empfindens unsrer Stammeszusammengehörigkeit Spielraum für unire besonderen Interessen gelassen hat. Ebensowenig wie etwa das Christentum der andern deutschen Volksteile, trotzdem es gleichfalls nicht im Schoße deutscher Kultur entstanden ist, ihrem Deutschtum im Wege steht, hindert uns unser Judentum, mit vollem Herzen Deutsche zu sein. Man erzähle uns also nichts von einem Zwiespalt, von innerer Zerriffenheit unserer Persönlichkeit! Gerade darin erblickt der K. C.-Gedanke die wahre Harmonie, das Charakterechte unserer Persönlichkeit, daß wir alles Edle, was das Schicksal in uns gelegt und die Vergangenheit in uns zur Entwicklung gebracht hat, in natürlicher, unverkümmerter Üebung- und in froher Selbstbehauptung betätigen. n. Wir haben im vorigen Abschnitt den K. C.- Gedanken in seinen Grundlinien gezeichnet, wie er vor einem Menschenalter zur Gründung der ersten K. C.-Verbindungen führte. Es ist naturgemäß und zeugt gerade von der lebendigen Kraft dieser Idee, daß sie, da sie den ganzen Menschen in allen seinen Lebensäußerungen erfassen und stützen will, von allen Fragen und Bestrebungen berührt worden ist, die sich weiterhin in der deutschen Judenheit entwickelten, daß also die Geschichte der deutschen Judenheit in der Geschichte des K. C.-Gedankens vollen Wiederhall gefunden hat. Gegenüber allen diesen neuen Bestrebungen mußte sich der K. C.-Gedanke bewähren. Und wir dürfen sagen, daß in allen Prüfungen der K. C.-Gedanke sich als das einzig folgerichtige, nicht einem leeren, luftigen Gedanken, sondern der richtig gefühlten Wirklichkeit entnommene Lebensprogramm für die deutschen Juden erwiesen hat. In der lebendigen Entwicklung der deutschen Judenheit mitlebend, hat sich die K. C.-Jdee weiter ausgebaut und aus gleichgerichteten Bestrebungen neue Kraft und Vertiefung zu gewinnen gewußt, während sie andererseits durch die — unser Dentschtum anfechtende — neue Gegenströmung zu einer vermehrten Betonung der deutsch-vaterländischen Grundlage gelangen mußte. In seinen Grundfesten steht der K. C.-Gedanke heute genau so natürlich und selbstsicher verankert wie bei seiner Entstehung. Wenige Worte genügen hier, um an erster Stelle jenen großen Bewegungen gerecht zu werden, die im bürgerlichen Leben und in der jüdischen Jugendflege den im engen Kreis des K. C. zuerst lebendig gewordenen und eben deshalb hier allgemein mit K. C.-Gedanken bezeichneten Anschauungen und Zielen die allerbreiteste Grundlage sichern und im harmonischen Zusammenwirken mit unserm Bund und unter treuer Mitarbeit unserer Bundesbrüder die Gesamtheit der deutschen Juden in treuer Liebe mx jüdischen Gemeinschaft und in unbeirrter Pflege deutscher Gesinnung erziehen und bestärken. Der Geschichtsschreiber des K. C.-Gedankens wird diese alle Kreise der deutschen Judenheit durchdringenden Bestrebungen — ich denke insbesondere an den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und an den Verband der jüdischen Jugendoereine Deutsche lands — zu bewerten haben als die eigentlichen Bahnbrecher der K. C -Jdee. Wir können uns die Tätigkeit jener Organisationen nicht hinwegdenken, ohne uns zugleich den gewaltigen moralischen Aufschwung, die zunehmende natürliche Gesundung fortzudenken, die wir mit froher Genugtuung in der deutschen Judenheit wahrnehmen dürfen.

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