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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · p. Seite 729

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 729 (sequence 23)
Language
German
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729 man in den Reihen des K C. dem Begriff „Honorigkeit" beimißt, der peinlichsten Wahrung der persönlichen Ehre, jener äußersten, auch nur den Schein der Unehrenhastigkeit verwerfenden Steigerung des Ehrgefühls, wie man sie im gleichen Maße wohl nur noch in unserm deutschen Offizierskorps antrifft. Der Wille, den deutschen Juden als natürliche, seinem geschichtlichen Wachstum selbsichere Rechnung tragende Persönlichkeit zu sehen, war somit Ausgangspunkt des K. C.-Gedankenszugleich die Quelle aller diesem Ziel dienenden Einzelausgaben. Es ergab sich in diesem Zusammenhang von selbst die Forderung der Pfiege derjenigen Gemeinschastswerte und Gemeinschaftsgefühle, die eben als die Wurzeln unserer Persönlichkeit erkannt wurden. Die Erhaltung des Gemeinschaftsgefühls, die Sicherung aller Güter, welche Träger dieses Gemeinschaftsgefühls sind,und damit die lebendige Entwicklung der Gemeinschaft selbst sind Sorgen und Wünsche, die ja gerade darin und nur unter der Voraussetzung ihre Bedeutung haben, daß sie dem einzelnen Glied der Gemeinschaft inneren Halt und Wesensinhalt geben. Jede Gemeinschaft von solcher das Wesen des Gliedes bestimmenden Macht, in erster Reihe die staatliche und kulturelle Gemeinschaft, ebenso die religiöse, sind der Nährboden der Persönlichkeiten, die aus ihr hervorgewachsen sind. Die Persönlichkeit muß verkümmern, wenn sie mit ihren Wurzeln in diesem Nährboden nicht festen Halt findet und aus ihm reichen Lebenssaft zu ziehen vermag. Das ist letzten Endes die in dieser großen Zeit uns allen bewußt gewordene Lösung des Rätsels der Beziehungen von Individuum und Gesamtheit, des Streits zwischen individualistischem und sozialem Denken, daß die Gemeinschaft als oberstes Gesetz — unter Hintansetzung des Individuums in seiner äußeren Daseinssorm — zu herrschen hat, nicht als Selbstzweck, sondern als einziges Mittel zur lebensvollen Erhaltung des Einzelnen und zur kraftvollen Entwicklung seiner Werte. Würden wir Deutschen (wir Deutschen jüdischen Glaubens nicht an letzter Stelle) nicht in allen unfern Lebensfasern uns abhängig ftihlen von der deutschen Gemeinschaft, woher würden wir wohl die übernatürliche Kraft hernehmen können, der übermächtigen Welt von Feinden stanözuhalten, die das Leben unsrer Gemeinschaft zu zerstören sich als Ziel gesetzt haben? Von dem Drange nach Persönlichkeit ausgehend kam also der K. C.-Gedanke zu zwei besonderen, das Skelett des Ganzen darstellenden Forderungen: Es hieß einmal, all die Wuseln, die uns mit dem Judentum verbinden, in sorgender Liebe pflegen und so an der lebendigen Erhaltung des Judentums Mitarbeiten. Da galt es, durch Hingabe an die jüdische Lehre und die jüdische Wissenschaft das religiöse Gefühl zu vertiefen, durch Vergegenwärtigung unsrer an Ruhm, aber auch an Leid so reichen jüdischen Geschichte, durch warmes Mitempfinden der Gegenwartssorgen des Judentums uns als organisches Glied der jüdischen Gemeinschaft zu erhalten, das nicht nur durch die leicht verblassenden Bande der Pietät oder des bloßen Anstandes sich an die bedrängte Gemeinschaft gebunden weiß, sondern in vollem innerem Zugehörigkeilsgefühl sich für das jüdische Ganze und seine Zukunft verantwortlich fühlt. Auf diese im Vordergrund des K. C.-Gedankens seit jeher stehende Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins sei immer wieder hingewiesen, wenn die in der Folgezeit dem K. C.-Gedanken erstandenen Gegners in entsprechender Nachahmung alldeutscher Kreise, das jüdische Selbstbewußtsein in Sonderpacht nehmen und — in Übereinstimmung mit den aus diesen Quellen schöpfenden christlichen Kreisen—uns,den „Assimilationsjuden", nachsagen, unser Ziel sei „Selbstverleugnung" und „Entjüdung", wir seien „innerlich leer", nur von „totem unfruchtbarem Pietätsgefühl" beseelt. Uns ist das Judentum und die jüdische Gemeinschaft ein ebenso ernstes und heiliges „Erlebnis" wie jenen Kreisen. Mit glühenden He^en wollen wir dahin wirken, daß dasjenige, was von Anbeginn des Judentums als sein Wesen und sein Wert erkannt und gepflegt worden ist, in immer sich erneuernder Kraft fortlebe. Wie lebendig quillt diese Liebe zum Judentum aus dem Ruf der Viadrinen hervor, die „als sittliches Fundament ihrer Wirksamkeit den Wert des Judentums ihren Mitgliedern in Erinnerung bringen" wollen: „Wir sind der festen Ueberzeugung, daß die jüdische Religion, so gut wie nur irgend eine andere, imstande ist, zu sittlichem Handeln zu erziehen, den Charakter zu bilden und selbst dem philosophischen Denker einen Kultus von reinen Formen und tieferem Gehalt zu bieten— Wer sich selbst nicht achtet, wer seinen Glauben und seine Herkunft verleugnet, kann sich nicht wundern, wenn' er die Achtung selbstbewußter Gegner verliert.... Und fiir dieses Selbstvertrauen und diese Selbstachtung hoffen wir die sicherste Grundlage zu gewinnen durch das Studium der jüdischen Geschichte, durch eine genauere Kenntnis der Leiden und Taten unserer Vorfahren." — Ein nicht minder lebendiges Erlebnis aber ist uns, wie schon oben dargetan ist, durch die Jahrhunderte unserer Lebensarbeit in deutscher Gemeinschaft unser deutsches Vaterland, das unlösbare Zusammenwachsen mit den uns vom Schicksal bestimmten Lebensgenoffen zu der in vereintem Mühen und gemeinsamer Nyr zusammengeschweißten deutschen Kultureinheit. AlS selbstverständliche Folgerung diese-, unsere-

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