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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · p. Seite 728

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 728 (sequence 22)
Language
German
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Auf dem rechte« Wege. Zur Geschichte des K. C.-Gedankens. Bon Vr. David Krombach (Thuringiae). Wurde jüngst hier in Worten ernster Würdigung der 20 Jahre gemeinsamen K. C.-Arbeit gedacht, so sei heute daran gemahnt, daß der K. C.-Gedanke, der Weckruf an die deutscher Juden zu selbstbewußtem, aufrechtem Judentum und zu unverbitterter deutscher Gesinnung, ebenfalls in diesen Tagen einen wichtigen Gedenktag begeht, bedeutsam nicht nur für die engen Reihen des K. C., sondern — gemäß der Tragweite des Rufes — für die gesamte deutsche Judenheit. Im Jahre 1886 war es, daß die ältesten unserer A. H. A. H., die Breslauer Biadrinen, und nicht viel später die Heidelberger Badenen, sich in der nur der Jugend eigenen, heiligen Begeisterung um das studentische Banner scharten, um dem deutschen Juden seine Stellung zu Judentum und Deutschtum zu zeigen. 30 Jahre steht dieser Wegweiser. Er hat — an immer neuen Stätten studentischen Zusammenlebens errichtet und bald im gleichen Geist freudiger Bejahung unseres Judentums und unseres Deutschtums für die gesamte deutsche Judenheit ausgepflanzt — seine Bestimmung trefflich erfüllt und der großen Mehrzahl der deutschen Juden den Weg gezeigt, den sie als Juden und als Deutsche zu gehen haben. I. Was in dem GMndungsaufruf der Biadrina vom Jahre 1886, dem ältesten Dokument des modernen Judentums in Deutschland, niedergelegt ist, ist der erste, nunmehr von der deutschen Judenheit in seiner Mehrheit als einzig natürlich anerkannte Versuch, das Problem von Judentum und Deutschtum in ihrem Nebeneinander zu lösen. Freilich ging damals nicht etwa von einem zu lösenden Problem die Rede, ein solches wurde erst durch unsere Gegenwart künstlich geformt. Als man in den ersten K. C.-Verbindungen daran ging, den deutschen Juden aus gleichgiltigem Duckmäusertum zu verantwortungsfreudigem Selbstbewußtsein aufzurütteln, war an unserm Judentum und an unserm Deutschtum nichts Fragliches oder Zweifelhaftes. Man sah und wertete den deutschen Juden so, wie er wirklich war, wie er unter Ausrechterhaltung seiner religiösen Sonderart in Jahrhunderten der Entwicklung in deutscher Geschichte und deutscher Kultur geworden war, mit allen Wurzeln, die ihn fest im heimatlichen deutschen Boden verankerten und ihn in jüdischen Sonderdingen an die jüdische Gemeinschaft unlösbar banden. Dies war an sich die als selbstverständlich geltende Auffassung aller derer, die sich überhaupt über die Persönlichkeit der deutschenIJuden ernsthafte Gedanken machten, der denkenden jüdischen Kreise und der beträchtlichen Zahl der christlichen Mitbürger, die sich von Vorurteil und Gehässigkeit sreizuhalten wußten. Das Neue an dem K.C.- Gedanken war also nicht die Analyse des deutschen Juden in seinen Beziehungen zu Deutschtum und Judentum, sondern das Verdienst der Gründer des K.C. ist, daß sie aus dieser damals an sich unbestrittenen Grundlage die Folgerungen zogen, welche die Wahrung der persönlichen Würde des einzelnen deutschen Juden und der gesamten Ehre der deutschen Judenheit dringend forderten. In natürlichem Fühlen empfanden es die Schöpfer des K. C.-Gedankens als unnatürlich und unwürdig und deshalb als Gefahr fiir die gesunde Fortentwicklung der deutschen Judenheit, daß man auf dem Wege war, sich, d. h. wesentliche Teile der Persönlichkeit, nach der einen und der andern Seite zu verlieren, nämlich sein — damals nur durch äußere Anfechtungen — angegriffenes Deutschtum wehrlos preiszugeben und sein Judentum zu verleugnen. Der im K. C.-Geist Wirkende sollte ein „ganzer Kerl" sein, der sich stolz aller Werte bewußt ist, die seine Persönlichkeit als deutscher Jude ausmachen. Das Neue an dem K. C.-Gedanken war also die durchgreifende Erziehungsaufgabe gegenüber offensichtlichen Mängeln, denen zu begegnen bisher Verantwortungsgefühl, Entschlossenheit und Rückgrat gefehlt hatte. Eine sittliche Forderung stellt der K. C.-Gedanke an die deutschen Juden: Seid volle, ganze Persönlichkeiten, in dem Ihr alles das, was die Vergangenheit an Werten in Euch hineingelegt hat und was Wesen und Kern Eures „Jch's" bildet, zu voller, lebendiger Entwicklung zu entfalten willens seid! Es aalt dem im jüdischen Bekennerstolz oder in der Behauptung als Deutscher Schwankenden den rechten Halt zu geben, ihn durch unbedingte Treue an sein Judentum ebenso wie an sein Deutschtum zur charakterfesten Persönlichkett zu bilden. Dem K. C.-Gedanken war von vornherein die sogenannteJudenftage eine Eharakter- und Ehrensrage. Es sollten, wie es im Viadrinenaufruf heißt, „jene schwachen Charaktere" verschwinden, „die nur darauf bedacht sind, wie sie selbst mit heiler Haut durchs Leben kommen, und weder den Gemeinsinn pflegen, noch auch für ihre eigensten Rechte mannhaft in die Schranken treten." Als unehrenhaft wurde gebrandmarkt, wer in mangelnder Selbstachtung oder in Selbstverleugnung, aus Bequemlichkeit oder Feigheit Angriffe gegen sein Judentum oder gegen sein Deutschtum nicht als schwere Beleidigung empfindet und abwehrt. Eben aus diesem Gedankenaang heraus ist überhaupt erst die besondere Bewertung verständlich, welche

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