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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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13. Heft FortseKmg Knegsausgabe September-Oktober 1916 Stille heldenl Und wieder sind die Gestalten erschienen, Ihr Blick — eine Bitte, ihr Schweigen — ein Schrei. Und starren mich an mit den ernstwehen Mienen Und verwehen ins Dämmer ,.. Vorbei — vorbei ... So steigt denn aus, ihr namenlosen Schatten! Mein Herzblut weih' -ich euch, trinkt von dem Saft, Daß schauernd all die Satten und die Matten Die Weihe spüren Eurer Heldenkrast. i. ' Ein Flieger war's. Ich stand am frischen Grab. Kein Leichenzug das letzt' Geleite gab. Die Träger schaufelten stumm und verdrossen. Nur Einer hat heimliche Träne vergossen. Ihn fragt'ich. „Er war mein Kamerad. Wir fuhren zusammen im Apparat. Beobachter ich, und er am Steuer. Unsere Freundschaft gehärtet durch Eisen und Feuer! Und gestern .... war sein letzter Flug. Wir suchten den feindlichen Abwehrzug. Schrapnells umklirrten von allen Seiten. Sturzflug. Jäh aufwärts. Ein rasches Gleiten. Da sausen — raubvogelgleich — aus dem Nebel Drei französische Flieger. Die gierigen Schnäbel Spein Kugeln. Rard-Tack. Maschinengewehr. Wie die Teufel jagen sie hinter uns her. Es lärmt wie Rasseln von hundert Ketten. Vorwärts. Wir müssen das Flugzeug retten.- Da trifft ihn die Kugel. Ein Schutz durchs Genick. Meines Lebens entsetzlichster Augenblick! Scheußlich wirbeln die grausen Gedanken, Wahnwitzgeburten des Fieberkranken: „Läht er das Steuer, sausen wir nieder, Unten zermalmt, breiverspritzt meine Glieder! Nein! Nur nicht das! Er muh über Bord! Er wehrt sich! Wir ringen.. Ein Schrei... Ein Mord! Ich allein! Und lenke das Flugzeug fort! —— So ras' ich. — — — Er aber in regloser Stille Steuert zum Ziele. Kein Mensch mehr, nur Wille! Ich weih es. Sonst — — war' ich-hinübergeklettert!!!- Ratatak! .... Und die rechte Hand ihm zerschmettert. AuS!... Nun müffen — müssen wir sink-en. Er aber — greifet daS Rad mit der Linken) Und in sanftem, gleitendem Falle Länden am Flugplatz wir, dicht vor der Halle. Gerettet das Flugzeug. Mit starrer Gewalt Hält seine Linke das Lenkrad umkrallt. Taumelnd sank ich hinaus in das Gras Aber am Steuer ein — Toter sah. —- Mit gebrochener Stimme wandt' er sich ab. — Prasselnd fielen die Schollen ins Grab. — Dann ging er und blickte sich nicht mehr um. Und das Grab war geschloffen und alles blieb stumm, n. StaubheitzerMarschdurchFrankreich.—Müdbeziehenwir Im Städtchen Valenciennes des Abends Notquartier. Wir stehen vor dem.'Haus. Mt Säcken, Decken. Froh Träumt jeder schon vom Kaffee und vom weichen Stroh. „Das Tor ist zu!" - „Klopst an!". „Scheint niemand drin ■ . . zu sein!" nun mal Krieg, so brechen wir die Türe ein!" >orn Krämerladen, leer, dahinter Küch' und Stube. Doch schau! Im Bette sitzt, dreijährig wohl, ein Bube. Der ruft: „Papa, papa" und greift nach meinem Helm, Setzt sich auf meinen Schotz, schwatzt, lacht mich an, der Schelm. „Wer ist's?" „Wem mag er sein?" „Zerbrecht euch nicht den Kopf!" Schon dampfet auf dem Tisch der ruß'ge Kaffeetopf. Brmd Stroh und Zeltbahn drauf, macht man das Bett bereit) Man itzt, man singt noch eins. Dann ist es Schlafenszeit. Horch! Jemand kommt. Tür fliegt auf. Eine Frau erscheint. Sieht uns—. das Kind — schreit auf! Und weint und weint und weint.... Der Junge, schmeichelnd, löst die Hand ihr vom Gesicht. „Mainau, voilä papa!" Trüb schwelt das Kerzenlicht.... Sie weint. — „Maman!?" — Sie weint, schluchzt auf, vom Kramvi durcbwüütt. Wir stumm. Das Schweigen eine Last, die jeder fühlt. Erst spät erfuhren wir's: Die Deutschen rückten an. Bei den Verteidigern von Maubeuge stand ihr Mann. Shn zu umarmen, fuhr sie gestern einmal hin. ertraut ihr Kind der Obhut einer Nachbarin. — Sie fand — die Festung deutsch! Sie fand den Mann Kaum, dah man, es zu seh'n, ihr die Erlaubnis gab. Dann kehrte sie zurück, um still zu Haus zu weinen — Und trifft—die Feinde da, auf ihrem Schotz den Kleinen— Mehr sprach sie nicht. Uns ward fo weh. Das Licht war grau. Und deutsche Männer weinten mit der fremden Frau Die ganze Nacht.....-, Erwin Seligmann (Ghibelliniae). (K. C.-Stammtisch, Frankfurt a. M.) der sterbende K. €.et. Dem gefallenen Paul Einstein ^Ghibelliniae) gewidmet. Wie wird mir schwer. Der Brite traf mich gut. Noch einen Schluck! Es tobt mein junges Blut Vergeblich wider Nacht und Todesgrauen — — Weh, nimmer soll ich meine Mutier schauen? Ach Kamerad! Bald, kehrst du heimwärts wieder. Schon hör' ich klingen eure Siegeslieder- Und ich bin fern in endlos weiter Ferne — Und doch, fürs Vaterland starb ich ja gerne. Noch eines hör', Kam'rad. Komm näher her — Schon werden meine Lippen steif und schwer —: Du siehst bald wieder jene stille Stadt, Grüß' dorten diedie einst geliebt mich hat. Und eh' auf immerdar wir scheiden müffen, Latz mich mein Bürschenband noch einmal küffen — Was rinnt die Träne dort auf deine Hand? Ich sterb' ja gerne für mein Vaterland.- a ö.

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