KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 13 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 722 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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der einzelnen Raffen in Abrede zu stellen und alles der Umgebung allem zuzuschreiben, steht er in der Raste „nur eins von den das Wesen des Individuums bestimmenden Elementen" und betont, „daß bei der Beurteilung der Raffen und Völker mehr Gewicht auf das allen Gemeinsame als auf das sie Trennende zu legen sei". „Material und Bearbeitung, Bearbeitung und Material bilden das Werk. Daher konnten aus ein-?angen Zärfemhalt in Zandern KlimateE * durch ganz anders geartete Erlebniste sich verschiedene Menschenarten herausdifferenzieren. Daher konnten und können aber auch Menschen. verschiedener Abstammung durch gemeinsames Kulturleben zu einem Volke sich zu. sammenleben." (<g. 22). In seiner wohl unverhältnismäßig eingehenden Auseinandersetzung mit Chamberlain und Fritz weitz Z. jenes „Märchen von einem anders gearteten, von der Abstammung nicht zu trennenden, anderen Völkern. nicht verständlichen jüdischen Geists zu widerlegen. Nach diesen allgemeinen Erörterungen gelangt Z. zu dem Hauptteil, den er der Vergangenheit und Gegenwart der Ostjuden widmet. Eine Fülle historischen und statistischen Materials wird hier zusammengetragen, um dem Leser von den besetzten östlichen Landesteilen — Polen, Litauen, Kurland — ein lebendiges Bild zu geben, von ihrer ethnischen und kulturellen Verschieden, heit, von der Not der jüdischen Bevölkerungsteile und von ihrer nationalen Gleichgiltigkeit, von den Zusammenhängen des polnischen Antisemitismus und der auf Verhetzung von Polen gegen Juden zielenden russischen Berwaltungspraktiken. Der letzte Teil der Schrift gilt der Zukunft der Ostjuden. Positive Vorschläge fiir die Gestaltung des Loses der russischen Juden in den Okkupationsgebieten werden — in verständigem Maßhalten — als verfrüht, ja unzuträglich Unterlasten. „Die Lösung der Ostjudenfrage ist naturnotwendig der Lösung der Kurland-, Litauen- und Polenfrage zweiter Teil". Was jedoch jetzt schon zu verlangen ist und ja auch schon von den deutschen Behörden in praktischer DerwaltunaSarbeit verwirklicht wird, ist die politische Emanzipation der Ostjuden um ihre rechtliche Gleichstellung mit der anderen Bevölkerung. Es verdient ernsthafte Beachtung, wenn Z. in diesem Zusammenhang warnt, die Oftjuden „von vornherein als besondere, den anderen Völkerschaften gegenüberstehende politische Nation sestzulegen") das stieße „ihnen für alle Zeiten schaden, ihnen neben dem Kampfe, den sie ihrer Religion wegen weiter zu bestehen haben werden, den noch häßlicheren Nationalitätenkampf auferlegen, einen Kampf, dem sie — bei ihrer ganzen großen Zahl immer nur eine geringe Minderheit — nicht gewachsen sind, der nur eine Fortsetzung der von den Rüsten gegen -sie großgezogenen Verhetzung, ein Fortschreiten ihrer wirtschafmchen Verelendung wäre". Man schaffe erst einmal gesunde Lebensbedingungen für die bisher in ihren äußeren und inneren Gedeihen allzu beengten Glaubens, brüder, man sichere ihnen, wie Z. es verlangt, „Korporations- und Koalitwnsrechte für die religiösen Ge. meinden und für die ganze Glaubensgemeinschaft", man Si auch für eine durchgreifende innere Agrarkolonin der Juden innerhalb des jetzigen Okkupationsgebietes, im Zusammenhang damit für die Förderung der sich an die Landwirtschaft anschließenden Gewerbe wie GärMerei, Gemüsebau, Milchwirtschaft, in denen die Juden sich auch jetzt betätigen, mache überhaupt die Erwerbsquellen des Landes ergiebiger. Wenn so eine vollständige Gesundung der Dinge im Osten erreicht wird, dann brauchen wir keine Sorge zu haben, daß nicht auch die östlichen Glaubensbrüder, aus sich selbst -heraus, ohne unsere Bevormundung, denjenigen Weg zur Kultur finden werden, der auch die jüdische Religion und ihre jüdischen Sonderwerke lebendig erhält. Or. David Krombach (Thuringiae). Kriegspolitische Einzelschristen. Heft 13. M. 0,80. Die Lage des jüdischen Volkes in Rußland. Reden, ge. halten in der Duma. Uebersetzt und mit einem Geleitwort versehen von Prof. Or. S. Kalischer. Ich kann mir nicht Helsen, auch im Zeichen des Burgfriedens darf es gesagt werden, daß ich den Zionismus als ein Ausweichen, als eine nur unvollständige Lösung der russischen Judensrage betrachtet Habe. Ich sage dies nicht, weil ich K.C.er bin und man diesen eine Abneigung gegen den Zionismus vorwirft. Ich meine, daß nichts damit getan ist, daß man sich in Masten innerlich und äußerlich aus seinem Geburtslande entfernt Alle werden es, können es nicht verkästen, und so wird eben die Schwierigkeit nur umgangen, nicht gelöst. Deshalb machte es mir Freude, das oben ge. nannte Buch zu lesen. Sieben Redner derDuma komme», zu Wort, drei (darunter der bekannte Friedmann) zweimal. Noch dazu drei parlamentarische Kundgebungen vervollständigen das Bild von der Läge der Juden, insbesondere der Soldaten in Rußland. Kräftig wird geredet, und ein Wille zum Beffermachen geht auS allen, hervor. So mutz es sein, denn so allein kann es anders werden. Denn, wenn in einem jüdischen Rüsten das heiße Gefühl für das Vaterland lebt, so wie in jeden, jüdischen Deutschen, dann muß es an einer Aenderung dieser Zustände Jntereste haben und nicht am Ausweichen. Ueber die mitgeteilten Tatsachen ist nichts zu sagen, sie entsprechen „russischen Verhältnissen". Es wird später noch nötig sein, über diese und ähnliche Dinge mehr zu sagen. Graetzer (Licariae). Neue Mische Monatshefte. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West. Herausgegeben unter Mitwirkung von Geh. Reg.-Rat Prof. Or. Hermann Cohen, Alexander Eliasberg, vr. Adölf Friedemann, Geh. Justizrat vr. Eugen Fuchs, Or. Franz Oppenheimer. Wir können uns zwar nicht über einen Mangel an jüdischen Zeitschriften beugen) dennoch aber begrüßen wir die Herausgabe der „Neuen jüdischen Monatshefte" mit Freuden. Die vorhandenen jüdischen Zeitschriften stehen, soweit sie! Anspruch auf wissenschaftliche Beachtung erhoben, alle im Dienste irgend einer der vielen Parieirichtungen, in die leider das deutsche Judentum zerklüftet ist. Die neue Zeitschrift soll aber ein Sprech. saal für alle Richtungen seinsie soll, wie es in dem von Eugen Fuchs verfaßten Einleitungsaufsatz heißt, „nicht bloß von Juden und für Juden geschrieben sein, soll jüdische Dinge nicht vom Standpunkte jüdischen Parteilevens, sondern von einem umfastenderen, soll eine Tribüne für alle sein". Die Namen der Herausgeber und die der Mitarbeiter lasten das beste von der Neuschöpfung erwarten. Kann nach den bis jetzt vor-' liegenden zwei Nummer auch noch nicht ein endgültiges Urteil gefällt werden, so ist doch jedenfalls der Anfang verheißungsvoll. In dem schon erwähnten ersten Aussatz „Zur Aussprache" legt Geh. Rat Eugen Fuchs die Aufgaben und Ziele der neuen Zeitschrift dar. Ein erheblicher Teil der beiden Hefte ist dann der Ostjudenfrage gewidmet. Der Reichstagsabgeordnete Gochein äußert sich über die „Nationalitätenfrage in Polen") eine tiefgründige Arbeit des Cölner Privatdozenten Julius Hirsch behandelt das Problem der Verwertung der ostjüdischen Arbeitskräfte. Heinrich Löwe fordert in einem Artikel „Jüdische Erziehung" Errichtung nationaler jüdischer Schulen, da nur von ihnen eine „Wiederbelebung des jüdischen Geistes eine neue Blüte jüdischer Gedanken, eine Kultur