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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · p. Seite 715

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 715 (sequence 9)
Language
German
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715 Berg tote in Berlin, wo er der Sprevia beitrat, einer der beliebtesten Bundesbrüder. Auch als sein Beruf ihn später zurück nach Berlin führte, wurde es nicht anders, und wenn er in Berlin zur Verbindung kam, herrschte aufrichtige Freude bei den Aktiven. Was er gedacht und gefühlt hat, wie sehr er dem K. C. angehangen hat, kann aber richtig einschätzen nur der Freund, dem sich voll sein Herz erschloß, und dem es vergönnt war, einen Blick in sein reiches Seelenleben zu tun. Er zeigte sich hier als ein Mensch, der über die Grenzen der Juristerei hinaus viel gelernt und noch mehr gedacht hatte. Der sonst so Stille konnte lebhaft werden, wenn er von Kunst sprach, und eine gewisse Neigung zur Naturwissenschaft zog ihn immer wieder dazu, sich auf diesem Gebiet fortzubilden. Seine Stellung zum K.C. war bedingt durch den Ernst seiner Lebensauffassung. Völlig unverständlich war es ihm, wenn von außen her versucht wurde, Uneinigkeit in unsere Reihen zu bringen. Sein disziplinvolles ruhiges Wesen machte es ihm unmöglich, derartige Gedankengänge zu verstehen. Oftmals hat er erklärt, daß unsere kleine Minderheit sich den Luxus von Uneinigkeit nicht leisten könne, und daß sie darauf bedacht sein müsse, äußere Gegensätze in toleranter Weise auSzugleichen, um den großen gemeinsamen Kampf wirkungsvoll und nachdrücklich führen zu können. Klar hatte er sich trotz aller sich ihm entgegenstellenden Schwierigkeiten seinen Lebensweg aufgebaut. Erst kurze Zeit war er als Anwalt niedergelaffen, als der Krieg ausbrach. Aber diese geringe Spanne hatte genügt, ihm einen Stamm von anhänglichen Klienten zu sichern, die für seine Zukunft das Beste erhoffen ließen. Diese Aussichten ließen ihn über die vielen Widerwärtigkeiten, die sich ihm entgegenstellten, hinwegsehen, und seine gefestigte Lebensanschauung tat ein übriges, um, auf seine Kräfte bauend, ihn auf eine schönere Zukunft hoffen zu lassen. Diese Zukunft hat ihm ein neidigeS Schicksal nicht vergönnt. Freiwillig meldete er sich, seinem inneren Drange folgend, ins Feld zu einem Posten, von dem er wußte, daß ihm neben den gewöhnlichen Gefahren des Krieges gefährliche Krankheiten drohten. Einer solchen ist er nun nach kurzem Leiden am 24. August in El Arisch, fern von der Heimat, erlegen. Sein einziger Bruder, an dem er mit inniger Liebe hing, ist ihm kurze Zeit darauf im Heldentode gefolgt. Der K. E. verliert in Theophil Jacoby einen schlichten Soldaten, einen Mann, der in Reih und Glied mitkämpfte und stritt und sich dabet des Wertes seiner Klinge bewußt war. Wenn der Friede kommt, und wir Umschau halten werden unter denen, die der Krieg dahingerafft hat, so wird er uns fehlen. Sein Beispiel der Selbstzucht, die bis zur Selbstverleugnung gehen konnte, sein Vorbild der straffen Unterordnung unter die einmal als richtig erkannte Leitung, feine begeisterte Anhänglichkokt an den K. C., die in zahlreichen Feldpostbriefen immer und immer wieder zum Ausdruck kam, wird aber, wie wir zuversichtlich hoffen, fortleben nicht nur unter denen, die ihn gekannt haben, sondern auch unter denen, die nach ihm kommen werden und denen er stets mit Fug und Recht als Vorbild hingestellt werden kann. Erich Boehm (Spreviae.) Nus unserer zeldpoft-vrkefmappe. _ Z.F. 13.8.16. Lieber Bb.! Endlich am vorläufigen Ziel meiner Kriegsreise angelangt. In El.einem Küstenorte der Halbinsel Sinai, am Mittelmeer haben wir ein Lazarett aufgemacht. Während meiner Fahrt durch Oesterreich-Ungarn, Serbien, Bulgarien, Türkei über Konstantinopel, dann die Bagdagbahn lang durch Kleinasien, zu Pferd über den Taurus, auf der Hadschasbahu durch ganz Palästina und endlich zu Pferd durch die Wüste Sinai habe ich soviel Interessantes erlebt, daß ich nur mündlich berichten kann. K.C.er habe ich nicht getroffen, bin wohl auch der einzige, der z. Zt. hier unten ist. Trotz Hitze und sonstiger Gefahren für die Gesundheit eines Europäers bin ich wohl und munter. Die arabischen Lehmhäuser, in denen wir hier wohnen, halten die Hitze gut ab. Wenn die Fliegen-, Flöhe- und Ameisenplage nicht wäre, hatte man es nirgends besser treffen können. Die Seebäder (Temperatur 28 Grad) find herrlich. Dazu täglich ein Ritt in die Umgegend. Das kann man schon aushalten. Herzliche Grüße Dein Theophil Jacoby. 20. 8.1916. Lieber Lutz! Vielen Dank für Deine Grüße vom 19. Juli. Ich fitze hier in der Sinai'Wüste. Gott sei Dank aber nicht mitten drin, sondern am Mittelmeerküstenort El .Es geht mir gut. denn ich lebe hier unter ganz passablen Verhältniffen. Ein Dach über dem Kopfe; abgesehen von Flöhen, Fliegen und Ameisen völlig mtgcäteferfret- Jeden Sonntag ein Bad in der ®'4 Stunde entfernten See, Wassertemperatur durchschnittlich 23 Grad Celsius. Viel zu Pferde, da man im Wüstensand zu Fuß schwer vorwärts kommt. Die Gegend : Sand, Sand und Dattelpalmen, auch einige Feigensträucher. Der Ort: lauter arabische Lehmhäuser, einstöckig mit riesigen Höfen. Herrlich ist der Abend, wenn die Sonne untergegangen, und der laue Seewind herüberkommt. Mein Lieber, wa8 will man noch mehr! i Heimliche Grüße Dein Theophil Jacoby. Im Unterstand, den 9. 7.16. Lieber Rosenthal! Nun bin ich da, wohin mich das Ziel meiner Wünsche führen sollte- Seit fünf Tagen liege ich hierinden Dünen von Ostende und führe ein wonniges und zugleich stumpfsinniges Höhlenleben. Als ich am Mittwoch abend hier in der Stellung einttaf, mußte ich sogleich die Feuertaufe über mein Haupt ergehen lassen. Es gab

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