KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 13 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 714 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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714 Augen von all dem, was sein Gemüt sich ersehnte und erhoffte. Und wahrlich, es war nicht wenig. Ein HeiH, so erfüllt von freudigem Lebensmut, so erfüllt von Idealen, die nun vergebens ihrer Verwirklichung harren. Und über all dem Ernst fein Humor, der ihn den schwierigsten Lagen gewachsen erscheinen ließ. Jenes Semester verging im Fluge. Da traf mich eines Tages die Nachricht, daß er nach nochmaligen Bemühungen endlich als Freiwilliger bei einem Feldartillerieregiment angenommen sei. Und nun erhielt ich Briefe seiner Rekrutenzeit. Inmitten alter Landsturmsoldaten er, der angehende Referendar, wie er sich scherzhaft nannte, von seinen alten Kameraden ehrfiirchtig angestaunt. Nach neunwöchiger Ausbildung rückte er inS Feld. Ich habe ihn nicht mehr gesehen. Spärlich auch kamen nun seine Briefealle aber erfüllt von freudigem Opfermut, sein höchstes Gut fürs Vaterland dahinzugeben. Er wurde verwundet, genas und rückte kurze Zeit später wieder aus zu seiner letzten Fahrt. Noch ein Bild sandte er mir aus den Argonnen, das ihn in seiner ganzen jugendlichen Frische zeigte; es war für mich sein letztes Lebenszeichen. Nun deckt den Wackern im Feindesland die kühle Erdetot für die Welt, für uns aber, die wir ihn kannten, lebt er fort, und wenn dereinst die Namen der Helden genannt werden, die ihr Leben fürs Vaterland gegeben, so wird man auch seiner wehmütig gedenken. Ignatz Teiber (Lieariae, Rhenofilesiae). Max <L Gottscho. (Lieariae.) Es war in einer prachtvollen Mondnacht im Juni 1915: wir 4 Füchse des S. S. 16 waren einer liebenswürdigen Einladung unseres l. Bbr. Dr. Baron zur Jagd nach Grafing gefolgt. Hier lernten wir Max C. Gottscho zum ersten Male kennen in seiner ganzen Fröhlichkeit, ihn, dem bei seinem ernsten Wesen niemand angesehen hätte, daß er auch heiter sein konnte. Er war ein bescheidener Mensch von einer seltenen Gewissenhaftigkeit, ein strebsamer Charakter mit großem Pflichtgefühl, und gut und reiflich hatte er es sich überlegt, als er kurz vor Pfingsten 1915 in unsere Reihen eintrat. Dann aber war er ganz der Unsere und gern denken wir der sonnigen Stunden, die wir mit ihm verlebten, wenn die jetzt so einsame Kneipe von frohen Studentenliedern widerhallte, die er mit wuchtigem Spiele dem Piano entlockre. Nur wenige Wochen war er aktiv gewesen, als wir uns bei Beginn der großen Ferien von ihm trennten, aber in dieser kurzen Zeit hatte er München, hatte er die Verbindung liebgewommen. Er blieb damals als einziger der Confuxia zurück, um noch einmal seine Schritte nach dem Tegernsee zu lenken, der ihn bei unseren Ausflügen so oft entzückt hatte und an dessen grünen Ufern er manche Stunde gewandert war. Daß wir uns nicht Wiedersehen sollten, daran hatte weder er noch ich gedacht. Nun ruht Max Conrad Gottscho in kalter, fremder Erde. Ein lieber, edler Mensch ist mit ihm dahingegangen, ein Jünger des K. C., von dem man vieles erwarten durfte. Grausam hat der unerbittliche Schnitter Tod ein blühendes Menschenleben hinweggemäht, er war erst 20 Jahre alt. UnS bleibt die tiefe Trauer und die Erinnerung an. einen braven Bundesbruder, an einen echten deutschen Helden! Wir werden ihn nie vergessen: Einen Verlorenen zu beweinen ist auch männlich! Fritz Schlesinger (Lieariae.) Theophil Zacobq. (Bavariae-Badeniae, Spreviae.) Nun ruhst auch Du aus, lieber Freund, entrückt allem, was sich Dir mehrmals vielen anderen feindlich im Leben entgegenstellte. — Als Theophil Jacoby nach Absolvierung des französischen Gymnasiums die Ruperto-Carola bezog, um Rechtswissenschaften zu studieren, schloß er sich schnell der Bavaria an. Schon damals trug er in sich alles das, was von einem K. C.er verlangt wird. Und wenn er auch seinen Anlagen nach nicht zum Verbindungsstudenten geboren war, daß er als ein in überschäumender Jugendlust sorglos in den Tag hineinlebender Studio die anderen zu übermütigen Streichen mit sich riß, so war doch der ernste Jüngling ein unschätzbarer Gewinn für die Verbindung. Mühelos ordnete er sich den Vorschriften der Verbindungsdisztplin unter, willig trug er die Fesseln des Verbindungsstudenten. Alle diese Aeußerlichkeiten erschienen ihm als eine Selbstverständlichkeit, als eine Vorbedingung, nötig zur Selbsterziehung. Mit ganzer Seele hing er den Ideen des K. C. an, und anhänglich und treu war er den Bundesbrüdern, die schnell aus diesen ruhigen Fuchsen aufmerksam wurden und ihn wegen seiner Charaktereigenschaften bald hochschätzten. Wenn auch sein zurückhaltendes Wesen ihn davon abhielt, sich in die vordersten Reihen der Kämpfer zu stellen, und er, der sich nur in kleinem Kreise ungezwungen geben konnte, niemals tonangebend gewesen ist, so war er doch in Heidel-