KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 13 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 713 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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7*158 Ernst!8ser. tThuringiae.) Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf mich die Nachricht: Ernst-Löser ist gestorben. Noch vor kaum drei Wochen habe ich eine Karte von ihm erhallen, am Biertisch geschrieben, vergnügt und wohlgemut, und nun, ehe ich bei dem Hin und Her des Feldlebens noch Zeit gefunden habe, ihm zuantworten, die Kunde von seinem Tode. Ein lieber Freund ist mir mit ihm genommen worden, an den sich ein gut Teil der Erinnerungen an die Studentenzeit knüpfen. Erst in seinem zweiten Semester ist Löser K. C.er geworden, obwohl er durch seinen Bruder seit langem mit den Ideen des K.E. vertraut und für sie eingenommen war. Im Winter 1911/12 kam er nach München. Dort wurde er, im Fühlen und Denken schon ganz K.C.er, bei der Licaria aktiv. Hier lernten wir uns kennen/ zu einer Zeit, in der ich mich mit der- Absichttrug, demnächst nach-Breslau überzufiedeln. Auch, er wolltenach einem Semester in München, wieder zu seiner Heimatsuniversität zurückkehren. Dazu kam noch, daß wir beide Juristen waren, so ergab es sich dann ganz von selbst, daß wir einander rasch näher kämen und er mich infolgedessen zu seinem Leibburschen erwähltem Auf der Grundlage dieses Verhältnisses entwickelte sich sehr bald eine herzliche Freundschaft zwischen unS, die-, durch unsere gemeinsamen Studienziele begünstigt, im Laufe der zusammen in München und Breslau verlebten Semester enger und fester wurde. Stunden sorgloser Heiterkeit, wie sie besonders das Münchener Tanzstundensemester und die ersten Breslauer Semester mit sich brachten, die von unS voll und ganz ausgekostet wurden, aber auch Stunden ernster gemeinsamer Arbeit in den letzten Semestern vor dem Examen steigen in meiner Erinnerung auf und voll Wehmut rufe ich aus weiter Ferne meinem lieben Leibfuchsen und Freunde ein herzliches Lebewohl zu. Der K. & verliert auch in ihm einen eifrigen und tatkräftigen Vorkämpfer. Insbesondere war eS die Keiifrage, die Frage der Heranziehung eines zahlreichen, geeigneten Nachwuchses, der er seine Aufmerksamkeit zugewandt hatte. In den K. E.-Blättern hat er sich über dieses ihn stark beschäftigende Thema eingehend ausgelassen. Und seinen Worten entsprachen auch seine Taten In aufopferndster Weise hat er sich stetS bei der Kellarbeit betätigt. Kein Weg war ihm zu weit, wenn es galt einen Keilfuchsen aufzusuchen. Auf Mensur hat er wacker seinen Mann gestanden. Handtellergroße Terzlappenmit denen er feine i^egner absührtehaben, eine gewisse Berühmtheit erlangte Daß auch er die Klinge nicht allein in sportlicher Betätigung zu führen verstand/hat er bewiesen. Als am 1. August 1914: der Mobilmachungsbefehl erlassen warwar er unter den ersten, die freiwillig zu den Fahnen eilten. Nachdem er nur kurze Zeit im Felde geweilt hattewarf ein schweres Typhusfieber ihn aufs Krankenlager. Seine kräftige Natur überwand die heimtückische Krankheiter konnte aufs neue in die Reihen der. Kämpfer treten. Trotzdem ist es ihm nicht gelungen,, die erste Sprosse der militärischen Stufenleitern zu erklimmen. Es hat seinen Ehrgeiz tief gekränkt, daß er in zweijähriger militärischer Dienstzeit nicht einmal Gefreiter geworden war. Nun hat der Tod seinem Streben ein Ziel gesetzt. Sein Andenken werden, die ihn kannten und schätzten, stets in Ehren halten! Hermann Aronsohn. (Licariae, Thurkngiae:) Msred Blumenthal. (Rheno-Silesiae.j Bor mir ein Häuschen Briese, seine Briefe, die er mir als Student und als Soldat geschrieben. Die Zeilen atmen Leben und formen mir sein Wesen, seine Gestalt. So steht er vor mir, als er zu unS kam, einer der Unfern zu werden. Fast schüchtern nahte er sich mit der Bitte, an unserm Kampfe tellnehmen zu dürfen, uns unser Ziel, erringen zu helfen. Er ward unser, er ward einer der Eifrigsten unter uns. Hell leuchteten seine Augen, wenn er in jugendlicher Begeisterung unsere: Ideen vertrat, wenn er Ansichten widerlegen konnte, die den unsrigen nicht entsprachen. Mochte es sein, wo es wollte, überall zeigte er sich alS Jude, als deutscher Jude. Mit derselben L ebe-, mit der er an seinem Judentum hing, sprach er auch von feinem Beruf. Jurist wollte er werden, nicht einer von denen, die mit nüchternen Augen auf das Gesetz starrten, nein, Leben wollte, er den trocknen Buchstaben einhauchen, Form und Gestalt ihnen geben. Aber mitten in dies Streben brach der Krieg. Vergeblich hatte er sich als Freiwilliger gemeldetzu groß war der Andrang, man wieihn immer wieder ab. So kam er noch ein Semester nach Bonn, das Semester, das uns beide nahe gebracht hat. Tag für Tag kam er zu mir und da lernte ich erst richtig seine tief angelegte Natur kennen. In jenem Semester erzählte er mir mit inniger Liebe von seinen Eltern, von seinen Geschwistern, mit leuchterrden