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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · p. Seite 712

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 712 (sequence 6)
Language
German
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m Kampfgenossen. Lachenden Gesichtes nahm er an Trunk und Tanz Ms, stets ein Scherzwort auf den Lippen. Aber er bleibt in unserem Gedenken nicht blo.ß ein Genosse froher Stunden. Wir werden ihn weit mehr in der Erinnerung behalten als.den begeisterten Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Juden. Und wir werden ihn stets vor uns sehen, wie er auf den Konventen mit seiner wohltönenden Stimme scharf und überzeugend seinen Standpunkt vertrat. Wie er selbst im Kamps für unsere Gleichberechtigung rastlos tätig war, so verlangte er auch von .jedem anderen tätige Mitwirkung. Seine Begeisterung schon wirkte anfeuernd) aber wenn es not tat, hat er auch mit scharfen Worten Säumige zu regerer Beteiligung veranlaßt. Rahmer begnügte sich nicht nur mit der Abwehr nach außen. Ihm war bewußt, daß das beste Abwehrmtttel das untadelige Berbalten und die innere Bildung jedes einzelnen Juden ist. Er wies stets mit eindringlichen Worten darauf -hin, daß -jeder Fehler des einzelnen der Allgemeinheit der Juden angerechnet wird, und verlangte/ daß Wer einzelne an sich arbeite, insbesondere sich mit der Geschichte und dem Wesen -es.Judentums vertraut mache. Der Kampf gegen den Antisemitismus und sür die Gleichberechtigung der Juden war ihm -zur Lebensaufgabe geworden. Bald genügte -seinem unermüdlichen Eiser die Betätigung innerhalb deS Verbandes nicht mehr. Als junger Referendar begann er seine Tätigkeit beim Zentralverein deutscher Staatsbürger siwischenGlaubens. Jeder weiß, wie sehrseine Begabung und Arbeitskraft sich dort bewährten. Seine glänzenden Berichte und Eingaben wurden -stets von neuem bewundert. Wirkungsvoll und zündend waren seine Ausführungen in den zahllosen Versammlungen in Berlin sowohl wie im ganzenReiche. Der Zentralverein, dessen stellvertretender Syndikus er seit Holländers Weggang zum Heerebis zuseiner eigenen Einberufung war, erkennt Rahmers Leistungen in einem Nachruf in folgender Weise an: „Seine außerordentlichen Leistungen sür unsere Sache, das Ergebnis ungewöhNlicher.Fähigkeiten und emsigsten Fleißes sichern ihm ein nieErlöschendes Andenken in unserem Kreise und unsere dauernde Dankbarkeit." Auch im Beruf zeigte sich seine glänzende Begabung. Sein Pflichtgefühl und sein Gerechtigkeitssinn machten ihn zu -einem hervorragenden Juristen und Anwalt. In ver kürzen Zeit seiner beruflichen Laufbahn hatte er sich sowohl bei Gericht, als bei seinen Kollegen und Klienten den Ruf eines befähigten Anwalts erworben. Als der Krieg ausbrach, hat Rahmer vielfach den Versuch gemacht, sich freiwillig in die Reihen der Kämpfer zu stellen. Er wurde zu seinem großen oft geäußerten Schmerz nicht für tauglich befunden. Als erdann aber im November 1915 -endlich doch eingezogen wurde, war er nach den übereinstimmenden Mittelungen seiner Kameraden und Vorgesetzten ein hervorragender Soldat. Hatte er doch geradezu die Gelegenheit herbeigesehnt, seine glühende Vaterlandsliebe in dem jetzigen Kamps zu beweisen und zugleich damit darzutun, daß er als Jude erst recht dem Vaterlande mit besten Kräften zu dienen habe. So schreibt er in einem Briefe: „Es gibt nur eines, dereinst vor seinem eigenen Gewissen allständig dazustehen, als redlicher Mitkämpfer." Als ein Teil seiner Kameraden vom Ersatztruppenteil ins Feld geschickt wurde und er Zurückbleiben sollte, setzte er es durch, daß auch er sofort ins Feld rücken durste. Nachdem er mit seiner Kompagnie vor Verdun im Kampfe gelegen hatte, erkrankte er und mußte auf kurze Zeit ins Lazarett. Kaum wieder hergestellt, zog er sich bei anstrengenden Märschen an der Front ein Fußleiden zu und mußte notgedrungen wieder das Lazarett aufsuchen. Es war ihm aber ein Trost, daß gerade zur Zeit seines Lazarettaufenthalts seine Kompagnie nicht in vorderster Linie lag. So schreibt er in einem Briefe: „Ich bin froh, daß auch mein zweiter Lazarettbesuch in eine Zeit fällt, wo das Regiment in Ruhe liegt, sodaß ich draußen nichts versäume." Als erdann zu einer Sammelstelle entlassen wurde, versuchte er mit allen Mitteln, wieder zu seiner alten Kompagnie an die Front zu kommen. Aus seinen Briefen ergibt sich, mit welcher-Ungeduld vr auf die Erfüllung seiner Bitte wartete. In einem Briefe schreibt er, er sei ein Opfer des Bürokratismus, weil er so lange auf seine Anforderung durch seine Kompagnie warten müsse. Endlich wurde sein Wunsch erfüllt, und kaum bei der Kompagnie eingetroffen, bezog er einen Horchposten, wo ihn eine feindliche Kugel tödlich traf. RahmerS Tod ist ein schwerer, ein unersetzlicher Verlust. Und wenn er in seinem Testament des Zentralvereins und seiner Verbindung liebevoll gedachte, so wollen wir darin Rahmers letzte Mahnung erblicken, mit ganzem Herzen unserer Sache zu dienen und gleich ihm zu wirken, aus Liebe zum Vaterlande und aus Liebe zum Judentum. vr. Siegfried Goldstrom. (Spreviae).

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