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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · p. Seite 711

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 711 (sequence 5)
Language
German
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711 des 19. Juli bei Longueval gefallen, am gleichen Tage wie Fritz Mayer, uno dieselbe welsche Erde tränkten da droben beide mit ihrem jungen Blut. Lachende Sonnentage seh' ich über Alt- Heidelberg, dem Neckar, und über den Bergen, und frohe Gesellen auf der alten Bude beisammen und rund um die Biertafel) da faß Siegbert Kadden oft neben mir, und manches kecke Scherzwort flog hin und her. Und die gemütliche Klause an der Hauptstraße, wo er so oft unser Bieren ein lecker Abendbrot vorsetzte, als freundlichster Wirt. Wo wir oft auch saßen, jeglicher den Kops zwischen die Fäuste und die Augen in dicke Folianten gegraben, grübelnd über Endemanns Aufgaben aus dem BGB. Die Spaziergänge zu . zweien, bei denen wir Gedanken tauschten Über die Tendenz, oder Zukunftspläne schmiedeten. An die gemeinsame Burschung muß ich denken und so manchen andern Strauß, den wir zusammen bestanden im B.C. und wo immer sonst. Rasche Erfassung des Richtigen und Klarheit des Urteils, dem er auch scharfen Ausdruck zu geben verstand, zeichneten Kadden aus, und ich habe manch treffendes Wort aus seinem Munde gehört. Im Sommer 1913 zwang ihn der heftige Anfall eines alten rheumatischen Leidens aufs Krankenlager. Doch mit heilerem Gleichmut ertrug er alle Schmerzen und nahm fortgesetzt lebendigen Anteil am Leben der Verbindung, bis er uns dann verließ, um in Bädern Linderung seines Leidens zu suchen. — Es kam der Krieg. Der Kriegsfreiwillige Kadden beim 10. Magdeburgischen Husaren- Regiment ward seiner Krankheit halber wieder entlaffen, fand aber Verwendung beim Train und war von Frühjahr 1915 bis in den Winter hinein in der Etappe der 3. Armee. Alsdann zur Infanterie überwiesen, kam er zur Ausbildung nach der Heimat, die er erst Anfang Juli verließ, um an die Front zu gehen, mitten hinein in die englisch-französische Offensive. Er sollte Deutschland nicht Wiedersehen. Am 12. Juli teilte er die Ankunft bei seinem Regiment mit; am 18. schrieb er zum letzten Mal an seine Eltern, am 19. morgens traf ihn ein Granatsplitter in die linke Seite und setzte seinem jungen hoffnungsvollen Leben ein jähes Ende. Wetter tobt der Kampf, hin- und herwogend über den Gefallenen; ein Symbol, furchtbar und gewaltig zugleich: Kampf gitt's und Leben. Keine Zett zu Tränen und Träumen. Bleib hart, Herz! wenn auch das Auge brennt. Berthold Guthmann (Bavariae). Kitz Nahm«. (Spreviae.) Kaum länger als ein Jahr ist es her, als wir einen Bundesbruder zur letzten Ruhe geleiteten. Während wir mit umflorter Fahne und gesenkten Schlägern die Gruft umstanden, rief Fritz Rahmer dem auf dem Schlachtfelde Gefallenen die Abschieds grüße der Verbindung nach. Als er damals in ergreifenden Worten dem Toten ewige Treue gelobte, da ahnten weder er noch jemand unter uns, daß schon so bald auch unfern Rahmer der kühle Rasen decken werde. Rahmer ist gefallen! Der Herzschlag setzte aus, als uns die Nachricht überraschte. Er ist nicht nur eines der vielen, allzuvielen Opfer, die der Weltkrieg von unserem Verbände gefordert hat. Und wie ein tragisches Geschick wie anderwärts so auch in unserem Kreise gerade die Besten als Opfer fordert, so haben wir mit Rahmer einen Führer verloren. Er war uns nicht nur ein treuester Bundesbruder und Freund, er war uns auch ein besonders tätiger und befähigter Vorkämpfer. Seine von Gerechtigkeitssinn und Begeisterung getragene Tüchtigkett hat sich stets bewährt und suchte und fand stets Betätigung und größte Anerkennung. Gerade einen Mann wie Rahmer hätten wir nach dem Kriege bitter not gehabt, wenn allen Anzeichen nach im Lande der Kampf gegen unsere Feinde aufs neue und heftiger entbrennen wird. Einer alten Berliner Familie entstammend, fand Rahmer bereits im Elternhaufe eine Pflegestätte der Vaterlandsliebe und der Liebe zum Judentum. Eine sorgfältige Erziehung wies seiner außergewöhnlichen Begabung die Wege, lehrte ihn strenges Pflichtgefühl und förderte seinen allem Schönen und Rechten zugewandten Idealismus. Er besuchte das Köllnische Gymnasium in Berlin, war fast immer der Erste seiner Klaffe und fand durch zahlreiche Prämien die Anerkennung seiner Lehrer. Ostern 1905 bestand er, noch nicht 18 Jahre alt, das Abiturientenexamen. Bon Begeisterung und fugendlust erfüllt, bezog er die Universität reiburg, wo er bei der Ghibellinia aktiv wurde. In jenem Sommersemester genoß er die Freiheit und die Freuden eines ungezwungenen deutschen Studentenlebens. Seine damaligen Genoffen gedenken heute mit Wehmut seines liebenswürdigen Frohsinns. Dann kam Rahmer zurück nach Berlin, der Stadt, die er liebte wie sein Vaterhaus. Bei der Sprevia machten seine geistige Regsamkeit, sein Idealismus und sein tiefes jüdisches Empfinden ihn uns schnell zum Freunde und bewährten

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