KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 12 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 702 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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702 tote Ostar A. H. Schmitz darauf erwidern (Vgl. Heft 3, S. 198): „Nun sollte man glauben, daß die Zionfften auch nichts anderes als vorläufige Gastfreundschaft verlangen, bis ihr zionistisches Ideal Erfüllung findet. Dem ist aber nicht so . ... und so verlangen die meisten Zionisten die Zulassung zu den höchsten Staats, und Milttärämtern im Reim ... . Daß sie logisch im Unrecht sind,' ist kein Zweifel." Wenn ihnen so entgegnet wird, dann wundern sich die Herren Nationaljuden, ohne ihre Gegner irgendwie ernstlich widerlegen zu können (Vgl Heft 3, S. 199 ff). Gegen die deutschen jüdischen Hilfsorganisationen für Polen erhebt Julius Berger die schwersten Borwürfe in einer Tonart, die eine sachliche Auseinandersetzung mit ihm unmöglich macht. Liest man dann den fotzenden Aufsatz von Hermann Cohen, in dem dieser be. tont,daß LieWiffenschaft des Judentums von den deutschen Juden beinahe Mein geschaffen worden ist,so kann man stch nicht verhehlen, daß der Aufsatz des greisen Gelehrten, der übrigens ebenfalls die Grenzsperre bekämpft, außerhalb des Jdeenkreises steht, in dem sich die übrigen Mitarbeiter des „Juden" bewegen. Die hohen Verdienste, die sich Martin Buber um die jüdische Wissenschaft erworben hat, erkennen auch wir, die wir in grundsätzlichen Fragen anderer Ansicht sind, gerne an. Aucsi für uns bietet seine Zeitschrift viel Interessantes. Man würde daher ihm und seinen Mitarbeitern unrecht tun, wollte man den „Juden" nach dem verworrenen Aufsatze von Siegfried Bernfeld „Zum Problem der jüdischen Erziehung" beurteilen. Gegen Unterstellungen wie „Die expressiven Anstandsregeln der Umwelt sind nicht die ihren"(U) oder „Sie hat ständig etwas zu verheimlichen" (S. 174 und 175), wird sich die deutsche jüdische Jugend, die auch ohne die Lehren des Herrn Bernfeld weiß, wie sie praktische jüdische Arbeit leisten kann, mit Entrüstung verwahren. Was Elias Auerbach (tat 4. Heft, S. 244 ff) feinen Dr. Stein über jüdische Erziehung sagen läßt, fordert zwar auch zum schärfften Widerspruch heraus, steht aber hoch über den Auslassungen Bernfelds. Sollen wir zum Schluß ein Gesamturteil über, die neue Zeitschrift fällen, fo stellen wir fest, daß der Herausgeber und seine Mitarbeiter sich durchweg bestreben, Gutes zu schaffen) im Grunde aber krankt doch alles und jedes an der Unklarheit des jüdischen Nationalismus. Fritz Goldschmidt (Thurmgiae, Spreviae). Bon Heimat und Glauben. Kriegsbetrachtungen von Großherzogl Rabbiner vr. Bruno Italiener in Darmstadt, z. Zt. Feldrabbiner beim Oberkommando der 7. Armee. H. L. Schlapp, Hofbuchhandlung Darmstadt 1916. Ein kleines Büchlein nur von knapp einem halben hundert Seiten. Lieber Kb. lies einmal darin. Ich sage Dir, Du legst es nicht aus der Hand, wenn. Du begonnen, es zu lesen — bis Du am Ende bist. Und bald einmal wieder, in einem stillen Viertelstündchen, tolst Du's und liest wieder — bis zum Schluß. Seltsam. -s sind reltzöse Betrachtungen, auch Predigten. Die schiebt man doch, wenn sie einem denn schon gelegentlich in die Finger kommen, nach flüchtigem oder — nennen wirs — flüchtendem Blättern rasch bei Seite. Woher der Zauber dieses Buches? Dieses kleine Büchlein, so anspruchslos es auftritt, ist eine Tat! Von welcher Seite ich es auch ansehe. Ob als Gabe der Predigtkunst) ob als Probe wirkender Kraft, die unsere Feldgeistlichen entfalten; ob als Zeugnis deutschen - Judengeistes. Ohne. Spintisieren, ohne Geistreicheta, ohne BmriffSkonstruMonen — ist es aus der Fülle deS „Erlebens" geboren. Und dieses Erleben Ist durchleuchtet von der wehrhaften Kraft und der innigen GemütStiefe der. Bibelreligion. und dann in ganz schlichte Form deutscher Rede gegossen. So soll auf der Kanzel gesprochen werden, nicht nur zu den Feldgrauen, daß die Menschen, die vor ihr aufhorchen, zur Heimat des Glaubens geführt werden. Dort finden sie Ruhe und in der Ruhe Stärke. Ein Deutscher jüdischen Glaubens spricht zu uns. Alle drei Worte will ich betonen: den Glauben, den Juden, den Deutschen. Dem Deutschen wie dem Juden ist der Glaube die Heimat — die Heimat des Geistes. Und zugleich glauben sie beide an ihre „natürliche" Heimat, die sie gemeinsam haben — deutsches Land, deutschen Boden. Sie glauben an dessen große Zukunft und ringen und kämpfen für sie bis zum Tod. Darin fanden sie sich. Das war der Geist von 1914. Der hat in dem Buch seinen Widerhall gefunden. Hier kommen diese Töne aufs neue zu uns. Jetzt zur rechten Zeit. Sie sollen die Kleingläubigen und die Ungläubigen aufrütteln, deren Stimmung sich wie Meltau auf unser bestes Empfinden legen will; auch deutsche Juden, die sich heimatlos wähnen auf deutschem Boden. K. C er! In dem Buch weht Geist von unserem Geist. Verspüret dieses Geistes einen Hauch, wenn ich zum Schluß die Worte draus hersetze: „ .... . oiel wichtiger als die Erlangung gewisser äußerer Rechte, gewisser höherer, uns bisher verschlossener Stellen im Staate und vor allem im Heere, ist die innere Schätzung unserer christlichen Mitbürger. Nutzen wir die Zeit, die uns gegeben ist und die uns in eine so enge Berührung mit ihnen bringt, wie vielleicht niemals wieder, m der richtigen Weise. Lassen wir unsere Kameraden in unserer Haltung dem Feinde gegenüber erkennen, daß ein Jude an Mut, an Begeisterung sich von keinem christlichen Soldaten übertreffen läßt. Lassen wir sie in unserer Haltung ihnen gegenüber erkennen, daß wir uns der tiefen Verantwortung und heiligen Verpflichtung, Juden zu sein, völlig bewußt sind. Zeigen wir durch vornehme Zurückhaltung, die sich in gleicher Weise sernhält von kriecherischem Aufdrängen, wie von vernunftlosem Abschließen, zeigen wir durch die Würde und den Takt, zeigen wir durch die reine Menschlichkeit, die wir betätigen, was es heißt, ein wahrer Jude sein, und lassen wir durch die Treue, mit der wir an unserem angestammten Glauben hängen, sie ahnen, daß wir nur deshalb so gute und treue Deutsche sein können, weil wir so gute und treue Juden sind." Ihr K. C.er im Lande, schickt das Büchlein als Gruß Euren Lieben hinaus ins Feld. Ihr K. C.er an der Front, reicht es Euren Kameraden um Euch herum. Ihr leistet sv K. C.-Arbeit für Eure deutsche Heimat und Euren jüdischen Glauben. Dr. Arnold Lazarus.Frankfurta.M. (Biadrinae-Darmstadt). DaS Buch von den polnischen Juden. Herausgegeben von S. I. Agnon und Ahron Eliasberg. 1916. Jüdischer Verlag, Berlin. In dresem Buch spricht man nicht über die polnischen Juden, sondern sie sprechen selber. Und das ist sein großer Vorzug, der es über die Menge der Veröffentlichungen erhebt, die sich mit demselben Gegenstände befassen. Die VoÜsseele selber kommt in ihren Schöpfungen, ihren Sprichwörtern,Legenden und Sagen, ihrem Witze und ihrer Dichtung, zu Worte, und, die Züge, die dem Gesamtbilde noch fehlen, werden glücklich durch eine kleine, aber gute Auswahl der Werke moderner Dichter ergänzt. Die historische Seite kommt gewiß zu ihrem Rechte, bedeutsame Vorgänge aus der Geschichte werden geschildert rmd das Verständnis für wichtige Erscheinungen wird: geweckt, aber der eigene Reiz des Buches besteht darin, daß es einen Blick in das Gemüt des östlichen Juden, in sein Alltagsleben^ seine Alltags-