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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 699

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 699 (sequence 37)
Language
German
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klassische Formen gegossen ist, die Wahrheit, an der auch wir sesthalten, in der wir siegen müssen, daß ein Schuft ist, wer um schnöder Vorteile willen seinen Glauben und seine Ueberzeugung preisgibt, und daß einer ein guter Jude sein kann und doch ein guter Deutscher. „Auch der Bach, der aus zwei Quellen strömt, eint sein Wasser geruhig dem großen Meere." Und vondemdüsterenHintergrundder äußeren Handlung hebt sich die formvollendete Ausgestaltung dieses Gedankens. Hier liegt der Hauptwert des Buches. Es ist ein Hohelied der Liebe aus Vaterland und Judentum. Das find die zwei Quellen, aus denen unser Leben stießt, lebendig und natürlich. Nichts von langatmigen wissenschaftlichen Beweisen, nichts von gequälten und gezwungenen Rassen- und Natiönalideen, nichts von Phrasen aller Art! Steigt nur in euer Herz hinein, dort, wo das Leben gelebt wird, scheint uns Loewenberg zuzurusen. Dort sind eures Schicksals Sterne. „Gefühl ist alles, Name Schall und Rauch." — „Echte Vaterlandsliebe wurzelt in der Heimatliebe, und Liebe zur Heimat ist dem Menschen angeboren wie die Liebe zur Mutter, wie der andächtige Ausblick zu den Sternen ..." (S. 176.) Die Liebe zur Heimat, zur heimatlichen Scholle leuchtet warm und erwärmend aus jeder Seite dieses Buches; was es uns in liebevoller Vertiefung in die heimatlichen Gefilde über Dorfleben und' Dorffreuden, über Waldesfrieden und Waldesweben, über Wiesen und Felder, über Flüsse, Täler und Höhen erzählt, ist von urwüchsiger Kraft und von überzeugender Wahrhaftigkeit. Das ist eine Quelle, die den Strom unseres Herzens speist. Und die andere ist das Judentum! Nicht ein sestumrissenes Begriffsjudentum, keine Umgrenzung nach religiösen Gedanken, nach Rassenideen und ähnlichem —; nein! wiederum ganz natürlich der Inbegriff aller Empfindungen. Eindrücke, die uns von frühester Jugend her mit dem Judentum verbinden, die Tradition, die Erziehung, das jüdische Herz, — die jüdische Mutter. Der jüdischen Mutter, der jüdischen Frau hat Loewenberg ein ehernes Denkmal gesetzt. Hier findet er geradezu lyrische Töne. Wie ein Engel schreitet Lennhausens Mutter durch sein Leben, in ihrer schlichten Einfachheit, ihrer selbstlosen Aufopferungsfähigkeit eine Heldin von einziger Schönheit. Seht her, da habt ihr lebendiges Judentum! Loewenbergs „Aus zwei Quellen" ist ein gesundes Buch voll Kraft und Innigkeit des Gemüts. Man soll es lesen. Jnbesonders soll es der Heranwachsenden Jugend in die Hand gegeben werden, der es aus den Bitterniffen jüdischen Leidens einen Weg zur lichten Höhe innerer Harmonie zeigt, den Weg, den auch wir K. C.er als den Pfad des Hells erkannt haben. vr. Erich Kehr (Licariae). Ein neuer Bruch des akademischen Burgfriedens. Nachdem wir erst eben einem antisemitischen Angriff der Wingolf-Blätter begegnen mußten, läßt sich nunmehr auch das Organ der katholischen Studenten, die Zeitschrift „Anitas", einen nicht minder häßlichen Bruch des akademischen Burgfriedens zu schulden kommen. Auf Sette 206 finden wir in einem Bericht über die Würzburger „UnitaS", unterzeichnet von' Duhmayr und Dolmetzsch, folgende Stelle: „Soviel wie möglich besuchen wir Garnisonsoldaten nach des Dienstes Müh und Arbeit die Abendkollegia, und die Herren Dozenten find sehr erfreut darüber, da sie sonst nur Damen und Semiten als Zuhörer hätten." Wir raten den Herren Einsendern dieser „schönen" Stelle nur, einen Blick in die statistische Ausstellung zu werfen, die Seite 646 ff. der 11. Kriegsausgabe der K. C.-Blätter bei Gelegenheit der Widerlegung der Wingolsblätter entworfen wird. Sie werden fich dann der Erkenntnis nicht verschließen können, daß die Zahl der nicht im Heeresdienst stehenden jüdischen Kommilitonen zum mindesten nicht größer ist als die der andersgläubigen. Vielleicht sehen dann die Herren auch die Haltlosigkeit und Niedrigkett ihrer Verdächtigung ein. Mit einem wetteren Wort auf diesen Angriff noch einzugehen, hatten wir für unter unserer Würde. Nur müssen wir besonders auf die bedauerliche Tatsache Hinweisen, daß die Schriftleitung deS Organes eines katholischen Verbände-, einer Organisation also/ die fich den Kampf gegen eine vermeintliche Intoleranz auf religiös-kirchlichem Gebiete zur Aufgabe gemacht hat, eine derartige Verleumdung einer anderen Glaubensgemeinschaft durchgehen läßt-.. Or. Kurt Alexander.

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