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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 697

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 697 (sequence 35)
Language
German
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697 Intelligenz und Bildung verleihe. Ueber die Berechtigung dieser Auffassung dürfte man streiten können. Zunächst find diese Werte von dem Studententum selbst vollständig unabhängig. Welch hervorragende Köpfe finden wir unter Nichtstudierten, wie gebildeten Kaufleuten und Frauen. Diese Wahrnehmung sei allen denen stets erneut zum Bewußtsein gerufen, die in borniertem Hochmut sich als „Akademiker", d. h. in ihrem Sinne als Pächter der Gelehrsamkeit, bezeichnen mögen. Das Streben zur Geistesvervollkommnung ist eben ein persönlicher Zug, der dem Menschen, aber nicht jedem, in innerster Seele angeboren ist. Schon auf der Schule sehen wir die üblichen Mitläufer, die nur pro schola arbeiten und auf der andern Seite die von wirklichem Streben erfüllten, leider zu Unrecht als „Streber" verschrieenen Elemente. Soll man nun wirklich lauben, daß aus einmal alle die Anlagen, die er Abiturient zur Hochschule mitbringt, durch den Eintritt in die Verbindung weggeweht werden wie Spreu vom Winde? Ein Blick auf die deutsche Gelehrtenwelt aller Fakultäten beweist uns die Unhaltbarkeit dieser Auffassung. Wieviele unserer Größten gehörten nicht in ihren Studentenjahren einer Korporation an. Die traurige Karrikatur des verkommenen Couleurstudenten, der jeder geistigen Neigung bar, jedem ernsten Streben abhold ein oberflächliches Genußleben führt, aus dem sich emporzuraffen er nicht mehr imstande ist, ist hinreichend bekannt. Wer aber sagt, daß ihn seine Korporation hierzu hat machen müssen? Gibt es doch gleiche Flachköpfe auch unter Nichtkorporierten und Nichtstudenten. Gerade die Nichtaktiven geraten mangels Anleitung und paffenden Verkehrs in die Gefahr, in der zügellosen, durch keine Verbindungsstatuten und Offizien beschränkten Freiheit zugrunde zu gehen oder sich für irgend eine Modeidee, eine wertlose Farce aufzureiben. Ebenso lächerlich und grundfalsch wie das Gefühl, als Korporationsstudent über den „Finken", erhaben zu sein, sie als Studenten zweiter Klasse auszufassen, wie es manche wunderliche Köpfe denken, ist die gegenteilige allgemeine Verachtung der Korporierten durch die Nichtaktiven wegen ihrer angeblichen, geistigen Indolenz. Die Betätigung mit geistigen Werten ist ebenso wie der Drang nach Bildung unabhängig vom äußeren Milieu. Die vornehmste Ausgabe der Korporation ist aber, die Neigung der Mitglieder zur geistigen Vervollkommnung auf jede nur mögliche Weise zu fördern, nicht zuletzt vom egoistischen Standpunkte aus. Ein Bund, der systematisch seine Mitglieder nur zur Biererziehung und Betonung äußerer Gebräuche und einseitiger Ziele anhält, verdiente wahrlich auszusterben, da er in Verkennung seiner erzieherischen, idealen akademischen Ausgaben das Edelste der Mitglieder gewaltsam unterdrückt. Jede Korporation, nicht nur der zur Fachbildung dienende „wiffenschastliche Verein", muß die Leute, die ihre Farben tragen, in erster Linie zu wahren „Akademikern" erziehen, d. h. ihnen die Gelegenheit und Anregung geben, fich in der Richtung ihrer jeweiligen Neigung mit allen den Hilfsmitteln zu betätigen, die die Hochschule bietet und diese Neigung selbst durch Borträge, Lektüre, ernste Unterhaltung, Besuch von wissenschaftlichen Erörterungen und allgemein interesfierenden Veranstaltungen, fördern. Darunter leidet in keiner Weise ein besonnener Korporationsbetrieb. Gerade er soll als Mittel zur individuellen Geffteserziehungrvie zur körperlichen und gesellschaftlichen herangezogen werden und möglichst die Neigung des einen zum Gesamtgut der Gemeinschaft machen. Den Organisationen sollen ernste Studenten, d. h. „Lernende", entstammen, fie sollen nicht Sammelplätze von Nichtstuern in den Augen der Außenstehenden darstellen. Der Segen dieser Auffaffung bleibt für die Korporation selbst nicht aus, am wenigsten bei einer Tendenzverbindung. Denn Leute, die gewohnt find, ernst zu denken und dazu angehalten werden, oberflächliche Genüsse nicht auf Kosten ihres inneren Gehaltes zu betreiben, Leute, die in ihren Bundesbrüdern, ihren Gefährten fürs Leben, nicht geistlose Alkoholiker und harmlose Gemeinplätzler, sondern Kommilitonen sehen, die fich für ihren künftigen Beruf und ihre Aufgaben als Staatsbürger und in vieler Hinficht Führer des Volkes vielfach vorbereiten, fie werden an die Grundfragen der Tendenz mit viel helligerer Empfindung Herangehen. Die Fuchsenfiunde wird ihnen nicht als lästige Schulmeisterei, sondern bei vernünftiger Leitung als das, was fie sein soll, erscheinen, ein ideales Er^iehungs- und Bildungsmittel. Welche praktische Folgen ergeben fich nun hieraus? Zunächst soll den Mitgliedern der Verbindung die Lust Und Liebe zu ihrem Fachstudium erweckt und erhöht werdendazu gehört, daß ihnen reichhaltige Gelegenheit gegeben wird, in der Universität und zu'Hause ihr Studium von Anfang an gründlich zu betreiben. Die Verbindung, deren Teiln^mer stets glatt ihr Examen bestehen, wird stets das beste Ansehen genießen. Daneben soll fich der Jnteresfierte neben den idealen Zielen der Verbindung mit dem seiner Neigung entsprechenden Geistesstoff befassen können. Für den einen ist es Einblick und Kenntnis der Politik, Geschichte und Kultur, für den anderen Kunst, Literatur, Musik, für viele Religion uns Philosophie. Gerade das

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