KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 12 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 695 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Man kann sich nur immer wundern, mit welcher Kühnheit gewisse Leute feststehende Begriffe zu handhaben pflegenwenn es gilt, den bösen Juden eins auszuwischen. Unter Leuten, die ernsthaft und ehrlich sich mit kriegsstatistischen Dingen befassen, kann es nämlich über den Begriff „Kriegsteilnehmer" einen Zweifel nicht geben, seitdem im Allerhöchsten Erlaß, betr. die Anrechnung der Jahre 1914 und 1915 als Kriegsjahre, vom 7. 9.15, wörtlich gesagt wird: „Als Teilnehmer am gegenwärtigen Kriege gelten: 1. Die Angehörigen des deutschen Heeres, der Marine, der Schutz- und Polizeitruppen in den Schutzgebieten, die während des Krieges an einer Schlacht, einem Gefecht, einem Stellungskampfe oder an einer Belagerung teilgenommen haben, gleichgültig ob diese Teilnahme bei den deutschen oder den Streitkräften eines mit dem Deutschen Reich verbündeten oder befreundeten Staates erfolgt ist. 2. Die Angehörigen des deutschen Heeres, der Marine, der Schutz- und Polizeitruppen, die, ohne vor den Feind gekommen zu seinsich während des Krieges aus dienstlichem Anlaß mindestens 2 Monate im Kriegsgebiete aufgehalten haben." Ich vermag nicht nachzuprüfen, mit welchem Recht angesichts dieser klaren Bestimmungen der Wingolf behauptet, bis Ende Sommersemester 1916 1500 Mitglieder im Felde stehen gehabt zu haben. Von gut unterrichteter Seite wird mir mitgeteilt, die Kriegsteilnehmer-Zahl des Wingolf, studentische Mitglieder und alte Herren zusammengerechnet, sei wesentlich größer, eine Mitteilung, deren Wahrscheinlichkeit auf der Hand liegt, wenn man beispielsweise die vielfach größere Mitgliederzahl des Wingolf mit der des K. C. einerseits und die nur etwa doppelt so große „Kriegsteilnehmerzahl" des Wingolf mit der des K. C. andererseits, unbeschadet der Definition des »s „Kriegsteilnehmer^, vergleicht. Soviel rrf gesagt werden: Man' kann nicht annehmen, daß die Kriegsstatistiker aller Verbände sich so souverain über den durch den Allerhöchsten Erlaß vom 7. 9.1915 scharf begrenzten Begriff „Kriegsteilnehmer" hinwegsetzen wie der Statistiker hes Wingolf, und deshalb muß vernünftigerweise angenommen werden, daß die von uns auf Grund der Angaben der Breslauer Hochschul- Rundschau berechneten Berluftquoten der einzelnen Verbände zutreffend sind. Es wäre auch mehr wie sonderbarwenn für die Berechnung der Berluftquoten Leute herangezogen werden sollten, die gar keine Gelegenheit haben, fürs Vaterland zu sterben, weil sie nie vorm Feinde waren, und deshalb hätte der Statistiker des Wingolf besser getan, feinen neuesten, in feiner Tendenz nicht verkennbaren, statistischen Deutungsversuch sich zu ersparen. Dr. Max Mainzer (Badeniae, Spreviae). vie Aufgaben -er llorporatiou. Bon Df. Berthold Luzar (Friburgiae-Königsberg). Unter den vielen Vorwürfen, welche dem Korporationsstudententum von Außenstehenden, insbesondere auch von Keilfüchsen, gemacht werden, taucht fortgesetzt der auf, die Verbindung lasse allmählich ihre Mitglieder verflachender ewige Bier-, Fecht- und Couleurbetrieb nehme die Interessen der jungen Mitglieder derart in Anspruch, daß sie bald jedes Streben nach ernstem, innerem Fortschritt vernachlässigen und somit die beste Zeit ihres Lebens ungenutzt in einem Taumel von Vergnügungen vorübergehen lassen, in der sie für ihre allgemeine Bildung, die Hebung ihres ästhetischen Geschmackes und ihre sittliche Vervollkommnung hätten schassen können. Dieser Borwurf mag auf den ersten Blick etwas Richtiges an sich haben. Es sei zugegeben, daß eine studentische Korporation in Fortführung der akademischen Sitte und Tradition Wert auf manche Gepflogenheiten legt, die wir als an sich rein äußerlich'bezeichnen müssen. Das Tragen einer bunten Kopfbedeckung an Stelle eines gewöhnlichen Hutes, der Biergenuß in bestimmten, einem Nichteingeweihten oft absurd erscheinenden Formen tragen als solche sicher nicht bei, gerade das geistige Niveau des Aktiven zu erhöhen, seinen Geschmack oder seine Intelligenz zu vervollkommnen," ebensowenig wie die Betrachtung blutiger Köpfe im Mensursaal seinen Schönheitssinn zu heben imstande fein wird. Anders ist es schon, wenn eine Verbindung sich neben dem sogenannten Kommentwesen auch die Pflege und Verbreitung einer Tendenz' zur Aufgabe gesetzt hat. Hier werden wieder die Mitglieder zu einer bestimmten Anschauung, sei es politischer, nationaler oder religiöser Art, erzogenes kann nicht ausbleiben, daß eine solche Beeinflussung die weitgehendsten Folgen für die gesamte Ausbildung, Anschauung und Charakterbildung haben muß. Es wird? aber wieder geltend - gemacht, daß gerade der Fehler einer solchen Tendenzverbindung ihre Einseitigkeit, die Festlegung auf bestimmte Dogmen und Grundsätze sei, während doch der junge Student sich mit möglichst verschiedenen Problemen und Studien, beschäftigen solle, um ohne fremde Beeinflussung aus eigener Ueberzeugung zu einer bestimmten Geistesrichtung