KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 12 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 693 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2268830-2268895-2268901--1756-3523376- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
die Verleumdungen gegen das Judentum zu unterstützen, da hat eS sich der K. C. zur Pflicht gemacht, den Beweis zu liefern, daß ein guter Jude auf der höchsten Höhe der Sittlichkeit und der Menschlichkeit steht, weil er eben als ein guter Jude auch ein guter Mensch ist, und daß er darum als guter Jude die Achtung und die Stellung verdient, die ihm vielfach wegen feines Glaubens vorenthalten und die ihm nur dann zugestanden wird, wenn er sein Judentum aufgibt und (wenn man so sagen darfj durch eine Lüge in die Reihe der ehrlichen Leute sich stellt. So wenig der K.C. auf das religiöse Moment verzichten kann, so wenig konnte er als rein religiöse Verbindung sein Ziel erreichen. Wenn eS sich nur darum handeln würde, die jüdische studentische Jugend dem Judentum zu erhallen, so wäre dafür durch die rein religiösen Bereinigungen zur Genüge gesorgt. Diese müffen ihrem Zwecke entsprechend notwendig auf religiös-konservativem, bezw. orthodoxem Standpunkt stehen. Aber Schranken in Beziehung auf die religiöse Uebung dürfen nicht auferlegt werden, wenn alle Kreise des Judentums berücksichtigt werden sollen. Da dem K. C. durch die ablehnende Haltung der bestehenden studentischen Vereinigungen keine Möglichkeit geboten war, im friedlichen, gesellschaftlichen Verkehr mit andersgläubigen Kommilitonen den Beweis dafür zu liefern, daß ihre Ideale und ihre Ziele die gleichen seien, so haben sie zu deren Pflege und Betätigung in einer besonderen Bereinigung sich zusammengetan. In ihr werden dieselben Ideale gepflegt, der Sinn für alles Gute, Wahre und Schöne geweckt, ebenso wie in den gleichgesinnten nichtjüdischen Verbindungen und — warum sollte das geleugnet werden? — durch entsprechende Erziehung der Mitglieder daraus hingearbeitet, daß Eigentümlichkeiten allmählich verschwinden, die der jüdischen Art anhasten und an deren Entfernung die Andersgläubigen mithelfen sollten, da sie auch an ihrem Vorhandensein Schuld tragen. Wir sind nicht so verblendet, daß wir nicht zugestehen würden, daß manch einer unter uns nicht aus der Höhe steht und in seinem Benehmen gar viel zu wünschen übrig läßt, aber wir sind auch nicht so verblendet, daß wir diese Erscheinung nur bei uns zugeben würden und das Verhalten einzelner als die Art der Gesamtheit gelten lassen. Auch dadurch glaubt der K. C. für das Judentum zu wirken und erfolgreich den Antisemitismus zu bekämpfen, indem er seinen Anklagen die Grundlage zu nehmen sich bemüht, obgleich es bekanntlich ein aussichtsloses Beginnen ist, den Antisemitismus durch Tatsachen oder Vernunftgründe widerlegen zu wollen. Den Kamps für sich und seine gute Sache führt der K. C. selbstverständlich mit allen in studentischen Kreisen üblichen Waffen und auch damit will er den Beweis liefern, daß ihm „nichts Deutsches fremd" sei. So find auch bei Ausbruch des großen Weltkriegs gar viele K. C.er begeistert zu den Waffen geellt, um für ihr geliebtes deutsches Vaterland als gute Deutsche und als gute Juden ihr Leben einzusetzen. Es erscheint mir geradezu lächerlich, wenn die Beteiligung des K.C. am Weltkriege zahlenmäßig berechnet und zablenmäßig mit der Beteiligung anderer Bereinigungen verglichen wird, aus gar keinem anderen Grunde wie dem, den K.C. zu verdächtigen und herabzusetzen. Und vollends müßte man es belächeln, wenn es nicht gar so traurig wäre, daß dem K. C. vorgeworsen wird, daß noch nicht genug seiner Mitglieder im Kampfe fürs Vaterland ihr Leben verloren hätten. Wie weit mit der Statistik derartigen Anklagen zu begegnen ist, ist es wohl schon geschehen. Ob der K.C. seine Pflicht gegen das Vaterland tut, läßt sich nur zum Teil daraus ermessen, in wie weit die Zahl seiner Kämpfer der Zahl seiner Mitglieder entspricht. Darüber, daß man nicht allein draußen aus den Schlachtfeldern dem Vaterlands dient, sind diejenigen unter uns, die einer Belehrung fähig find, hoffentlich auch allmählich aufgeklärt worden. Und wenn man gar die Zahl der hiS jetzt gefallenen K. C.er nicht für groß genug erachtet, so ist doch wohl zu bemerken, daß diejenigen, die in den Kampf ziehen, das nicht mit der Absicht tun zu fallen, sondern unter Einsetzung ihres Lebens zu siegen. Wenn der Gott der Schlachten sie heil davonkommen läßt, so könnte nur ihm ein Vorwurf daraus gemacht werden. Oder sollte die angeblich zu geringe Zahl der gefallenen K.C.er ein Beweis dafür sein, daß die K. C.er im Kampf nicht ihre Pflicht tun? Wir find an viele Schändlichkeiten von Seite» unserer Gegner gewöhnt. Aber daß der Judenhaß so gemeine Blüten zeitigt, das hätten wir doch nicht für möglich gehalten, das hätten wir nicht erwartet. Wir machen ja ganz gewiß keinen Anspruch aus besonderes Lob für unser Verhalten in diesem Krieg, wir schreiben uns keine besonderen Verdienste zu, wir rechnen auch nicht aus besonderen Dank, aber doch wenigstens auf Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit sollte auch ein Kriegsziel sein. Ob wir dieses erreichen, läßt sich heute noch nicht sagen. Ich möchte nicht zu den Unglückspropheten gehören. Aber ich halte es für unbedingt nötig, daß der K. C. auch über die Zeit des Krieges hinaus an feinen Bestrebungen festhält. Aendern sich die Verhältnisse derart, daß der K E. überflüssig wird,