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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 692

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 692 (sequence 30)
Language
German
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692 bührende Gerechtigkeit erfahren, wenn man uns im Vaterlande nicht zur GÄtung kommen lassen will, wenn man uns die Liebe zum Baterlande rundweg abspricht, wenn man sie durch unverdiente und unbegründete Zurücksetzung unS mit Gewalt aus dem Herzen zu reißen sucht, dann begehen wir kein Unrecht, wenn wir uns Verhältnisse schassen wollen, in denen wir zu unserem Rechte kommen, dann wollen wir uns dem deutschen Vaterlande nicht aufdrängen, das doch nichts von uns wissen will und denjenigen unter uns, die durch ihre Fähigkeiten und ihre Leistungen einen begründeten Anspruch darauf hätten, alle seine Aemter und Ehrenstellen in kränkendster Weise geflissentlich vorenthält. So mögen wohl viele von den deutschen Jünglingen jüdischen Glaubens gedacht haben, die sich dem Zionismus anschlossen. Sie fanden eine vielleicht gar nicht erwartete und gewünschte Zustimmung bei den Andersgläubigen, welche auf den antisemitischen Standpunkt sich stellten, gleichgültig, in welcher Färbung sie ihm anhingen. Und weil es auf judengegnerischer Seite üblich ist, das Judentum herabzusetzen, zu ver. ketzern, als minderwertig und überholt darzustellen, so mag man auf der anderen Seite in jüdisch-studentischen Kreisen auf den Gedanken gekommen sein, auf sein Judentum sich zurückzuziehen und die jüdischen Studenten einseitig zu treuen Bekennern des Judentums zu erziehen, die sich an der gewissenhaften Erfüllung aller religiösen Pflichten des Judentums genug sein ließen und durch ihre treue Anhänglichkeit an das Judentum und durch die unentwegte Betätigung seiner Lehren und Gebote für das geschmähte Judentum wirken und durch ihre echt jüdische Haltung die Kenntnis des Judentums unter den Andersgläubigen fördern wollten. Daß unter diese Betätigung des Judentums auch die treue gewissenhafte Pflichterfüllung gegen das Vaterland fällt, ist für den Kundigen selbstverständlich. Diesen beiden Richtungen, der zionistischen und der rein religiösen, gegenüber nimmt — soweit ich unterrichtet zu sein glaube — der K. C. die Stellung ein, daß er weder sein Judentum noch sein Vaterland sich rauben lasten will. Er will, wenn es notwendig ist, für sein Judentum kämpfen, er will auch für sein Vaterland kämpfen. Aber der Kampf für sein Vaterland muß auf dem Boden des Judentums geschehen. Der K. C.er fühlt sich als guter Deutscher, er fühlt sich aber auch als guter Jude. Er will seine Zugehörigkeit zum Judentum nicht aufgeben, damit ihm das Deutschtum zuerkannt wird und verschlossene Türen sich ihm öffnen, sondern er erstrebt, daß ihm als Juden die deutsche Staütsangehörigkeit mit allen ihren Pflichten und Rechten eingeräumt werde. Um seine Mitglieder zu selbstbewußten Bekennern des Judentums zu machen, legt der K. C. großen Wert auf die Kenntnis des Judentums, seiner Lehren und seiner Geschichte, so wenig er sich um die Stellung kümmert, welche seine Mitglieder im einzelnen gegenüber der Uebung der äußeren Formen des Judentums einnehmen. Ich habe es mit aufrichtiger Freude von meinem Sohne erzählen hören, daß zu den Gegenständen der Belehrung der jungen Füchse auch die jüdische Geschichte gehört. Man mag über den Wert des jüdischen Geschichtsunterrichts denken, was man will. Es läßt sich nicht leugnen, daß er neben dem vaterländischen Geschichtsunterricht einen schweren Stand hat. Denn er führt uns auf ein uns doch ziemlich ftemdartigeS Gebiet/ die Leistungen der hervorragenden Männer des Judentums sind so eigenartig und vielfach so weit unserem Gesichtskreis entrückt, daß eS nicht leicht ist, für sie bei unserer Jugend Verständnis oder gar Begeisterung zu wecken. Aber sicherlich gibt uns unsere jüdische Geschichte so viele Beispiele von Glaubenstreue bis in den Tod, von überzeugtem Festhalten am Judentum,selbst unterAufopferung des Lebens, daß auch die Jugend von ihnen ergriffen werden muß und einsehen lernt, daß das Judentum kein leerer Wahn sei und heute unter ganz anders gearteten äußeren Verhältnissen erst recht bis zum Tod festgehalten und verteidigt werden muß. Unseren Ahnen war das Judentum vielfach daS einzige höchste Gut, das sie besaßen und sich nicht rauben lassen wollten. Wir haben unS noch andere wertvolle Schätze der Bildung und Gesittung errungen, aber das höchste Gut sollte uns immer das Judentum bleiben. Und wenn man uns auch heute von ihm abbringen will, indem man es herabsetzt und schmäht und für den Abfall reichen Lohn verspricht, dann wird uns die Kenntnis der Lehren und der Geschichte deS Judentums gegen alle diese Versuche wappnen und uns mit dem nötigen Rüstzeug auSstatten, um selbst fest zu bleiben und andere zu belehren, die befferer Einsicht noch zugänglich find. Ein K. C.er, der nicht ein überzeugter Jude ist, der nicht bereit ist, in seinem Leben und durch sein Leben als Jude sich zu betätigen und durch sein Verhalten für das Judentum zu wirken und daS Judentum zu Ansehen zu bringen, der ist kein rechter K. C.er. In einer Zeit, wo der Abfall vom Judentum gerade in den gebildeten Kreisen an der Tagesordnung ist, wo so viele, die sich zu unseren Besten rechnen wollen, sich nicht scheuen, statt durch treues Festhatten dem Judentum zu stützen- Ehre und Ansehen zu er. ringen, — durch ihr charakterloses Strebertum

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