KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 12 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 691 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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691 tragen hatten. Da fiel mein Blick auf zwölf Bilder, die mit einer Ehrenschleife geschmückt waren. Die Erinnerung entschwand, und heißer Schmerz übermannte mich. Zwölf blühende junge Menschenleben aus unserem kleinen Kreise hinweggerasst! Zwölf junge Leben! Wie viel Hoffnung, wie viel Freude, ist mit ihnen inS Grab gesunken! Doch welch winziges Häuflein gegenüber den Hunderttausenden, deren junge Leiber irgendwo in fremder Erde modern und über deren Gräber schon wieder Ströme neuen Blutes fließen. Wer fragt danach, wes Stammes, weS Glaubens fie gewesen! Sie haben den Frieden. Bon uns aber fordert das Leben, daß wir weiter kämpfen. Unsere Brüder da draußen kämpfen als Deutsche für ihr deutsches Vaterland. Sie haben aber — und wir im Lande ebensowenig — ihr Judentum nicht vergessen. Unsere Liebe zu unserm angestammten Glauben hat fich in einer Zeit, die Ewigkeitswerte wieder würdigen lernte, erneuert. Das Gedenken an die, die uns genommen, wird uns nie andern Sinnes werden lassen. So wird der K. C. auch in Zukunst das bleiben, was er in den zwei Dezennien seines Bestehens bisher gewesen ist: Der Vorkämpfer und der Hüter des deutschen Judentums. l)r. Kurt Alexander. Die Notwendigkeit der K.<L Zur Erinnerung an meinen Sohn Paul lGhibelliniae, K. C.-Stammtisch Frankfurt a. M.) Seiner Verwundung erlegen am 3. 7.1916. Wie oft hast Du, mein lieber Junge, mir den Wunsch geäußert, daß ich Dir auch einmal einen Beitrag für Deine geliebten K. C.-Blätter liefern möchte, wie oft Habe ich Dir versprochen, Deinen Wunsch zu erfüllen! Aber ich wollte abwarten, bis dieser furchtbare Krieg sein gutes Ende gefunden hätte, bis Du selbst wieder in Frieöenszeiten das Glück und die Freude haben würdest, die Bestrebungen des K.C. noch genauer kennen zu lernen und an der Verwirklichung seiner Ziele mit Deiner jugendlichen Begeisterung unter Einsetzung aller Deiner Kräfte mitzuarbeiten. Ich hoffte, daß ich dann von Dir noch tiefer in das Wesen des K. C. eingeweiht würde und, besser unterrichtet, vielleicht auch besser und zutreffender würde schreiben können. Nun hast Du Dein junges Leben dem K.C. zum Opfer gebracht, der Dich lehrte, Gut und Blut für Dein Judentum und Dein Vaterland einzusetzen, und die Worte, die ich dem K.C. widme, werden zu einem Nachruf für Dich aus schwergetroffenem Baterhe^en.^ Für Dein Judentum und Dein Vaterland bist Du in den Tod gegangen. Ich habe absichtlich das Judentum vorangestellt, weil ich annehme, daß die bewußte Zugehörigkeit zum Judentum, die Abficht, die Zugehörigkeit zum Judentum vor aller Welt zu bekunden und zu betätigen, zur Gründung des K. C. geführt hat. Es gibt ja auch andere studentische Bereinigungen, welche ihre Zugehörigkeit zum Judentum betonen und durch fie fich zusammengehakten fühlen. Aber das find solche, die entweder nur die rein religiöse Seite ihrer Zugehörigkeit zum Judentum hervorkehren und ihre Mitglieder zu treuen Bekennern des Judentums erziehen wollen, welche gewiffenhaft alle Gebote und Vorschriften der jüdischen Religion erfüllen, oder solche, die von der religiösen Seite ganz absehen und dafür die nationale in den Vordergrund stellen und auf die Wiederherstellung eines jüdischen Gemeinwesens abzielen. Der K.C. aber — so wie ich es mir vorstelle — verlangt von seinen Mitgliedern, daß fie mit Stolz fich zum Judentum bekennen, daß fie ihre Zugehörigkeit zum Judentum selbstbewußt betätigen, ohne daß er fich darum kümmert, in welcher Form das geschieht, ob in der sogenannten orthodoxen oder in der liberalen. Für jüdisch-nationale Bestrebungen hat der K.C. keinen Raum. Dafür legt er seinen Mitgliedern die Pflicht auf, als treue Juden zugleich auch als treue, pflichtbewußte, opferwillige Bürger unseres deutschen Vaterlandes fich zu erweisen und durch ihr Verhalten den Beweis zu erbringen, daß das Judentum keinen davon abhält, in allen bürgerlichen Tugenden es dem besten Staatsbürger gleichzutun, daß Judentum und Deutschtum nicht Gegensätze, sondern für uns deutsche Juden unzertrennliche Ergänzungen bilden. Wenn fie so als Juden für ihr deutsches Vaterland wirken, mit Gut und Blut, mit Leib und Leben für ihr deutsches Vaterland eintreten, dann glauben die K. C.er auch ein gutes Recht dazu zu haben, für sich und ihre Glaubensgenoffen im deutschen Vaterlande Gerechtigkeit zu fordern. Gerechtigkeit verlangen wir, nicht Duldung, nicht gelegentliche gnädige Berücksichtigung. Ob die Gründung deS K.C. notwendig war, diese Frage wird keinem besonderes Kopfzerbrechen machen, der die Zustände in unserem deutschen Vaterlande kennt. Nicht bloß die zionistischen Bestrebungen erfordern dieses Gegenewicht, da sie begreiflicherweise bei unserem eranwachsenden Geschlecht und vor allem bei den jungen Akademikern viele Anhänger fanden. Wenn wir bei: allem unserem Streben und Wirken, mit dem wir dem Wohle unseres deutschen Vaterlandes dienen wollen, nicht die unS ge-